erweiterte Suche
Freitag, 10.11.2017

Gabriele Häfner sagt lachend Ade

Nach 23 Jahren gibt sie die Boutique an der Königstraße auf. Ihren Kundinnen bleibt nur eine Chance.

Von Nadja Laske

1

Gabriele Häfner hat bisher nur einen Plan für die nächste Zeit: Ihr Geschäft gut geordnet zu schließen. Mode wird aber ihre große Liebe bleiben.
Gabriele Häfner hat bisher nur einen Plan für die nächste Zeit: Ihr Geschäft gut geordnet zu schließen. Mode wird aber ihre große Liebe bleiben.

© Christian Juppe

Traurig? Nein, worüber? „Stolz bin ich, auf alles, was ich geschafft habe“, sagt Gabriele Häfner und lacht ganz unbeschwert. Vor 23 Jahren eröffnete sie ihre Boutique an der Königstraße. So lange ihr Hobby zum Beruf gemacht und nicht nur Mode verkauft, sondern für viele ihrer Kundinnen eine unverzichtbare Beraterin gewesen zu sein, ist eine Leistung, die zu Recht fröhlich macht. Auch wenn bald Schluss ist. „Im Februar läuft mein Mietvertrag aus, das nehme ich zum Anlass, das Geschäft zu schließen.“ Ab dann gönnt sich die Ex-Frau der Fußball-Legende Reinhard Häfner etwas mehr Ruhe.

Noch hängen Kaschmirstrick und feinster Zwirn in der glänzend weißen Ladeneinrichtung. Als Gabriele Häfner sich dieses Eckhaus aussuchte, um hier eine der stilsichersten Adressen der Stadt zu etablieren, sah zunächst nichts nach diesem Vorhaben aus. „Das Haus war eine Bruchbude, und auf der Königstraße ging noch keiner einkaufen“, erinnert sich die 63-Jährige. Erst nach und nach entstand dort die feine Meile von heute. „Ich habe einem befreundeten Wirtschaftsexperten meinen Businessplan gezeigt, und er meinte, damit könne ich geradewegs in die Elbe springen“, erzählt Gabriele Häfner. Doch schon bald nannte der Fachmann sie als bestes Beispiel, wenn er darüber referierte, wie Geschäftsideen wahr werden können – und zwar mit Überzeugung, Fleiß, Geschäftssinn und vor allem Liebe zu dem, was man täglich tut.

Gabriele Häfner brachte neben ihrem großen Faible für Mode noch etwas anderes mit: ein Ökonomiestudium. Das hatte sie nach dem Abitur absolviert und sich doch beruflich immer mehr zu hochwertiger, besonderer Kleidung hingezogen gefühlt. „Meine Großeltern führten eine Schneiderei, da bin ich förmlich groß geworden“, erzählt sie. All ihre Röcke, Hosen, Blusen bekam sie immer genäht. Zu tragen, was nicht jeder trägt, und schon als kleines Mädchen zu wissen, was ihr steht und was gut zusammenpasst, das war die früheste Ausbildung ihres Lebens.

So holte Gabriele Häfner schon wenige Jahre nach der Wende die Fashionwelt nach Dresden. Dafür reiste sie in die Modemetropolen und brachte handverlesene Garderobe aus Mailand, Paris und New York mit. Bald war sie die Frau, der die Designer vertrauen. „Es ist nie vorgekommen, dass ich Produkte für meine Boutique nicht von ihnen bekommen hätte.“ Auch darauf ist sie stolz. Schließlich entscheiden in dieser Liga die Modemacher, wer ihre Kreationen anbieten darf.

Auch Prominente wussten das zu schätzen: Vicky Leandros, Ireen Sheer, Roland Kaiser und Ralf Moeller waren Gäste in Gabriele Häfners beliebten Talkrunden zu Themen rund um Mode und Stil. Dresdens ehemalige Oberbürgermeisterin, Helma Orosz, wusste die Modekennerin zu schätzen. Die vermag, mit wenigen Handgriffen aus bloßer Bekleidung ein Outfit zu zaubern. „Dieser Blick ist mir einfach gegeben“, sagt Gabriele Häfner und bietet wiederum das beste Beispiel. Denn welche Frau lebt Stil so vor wie diese und bleibt ihrer Linie trotz aller Verlockungen der Branche erfrischend treu? Damen, die durch ihre Schule gegangen sind, haben auch ohne die Boutique eine Chance. Sie werden trauern, aber sie können überleben.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

Alle Kommentare anzeigen

  1. Jürgen Frieß

    Sehr guter Artikel und glaubhaft rübergebracht.

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein