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Dienstag, 24.11.2015

Gab es eine Messerattacke?

Das Roßweiner Willkommensbündnis spricht von einem Angriff rechter Täter. Der Polizei liegt keine Anzeige vor.

Von Tina Soltysiak und Elke GörlitzUnd Heike Heisig

Auf dem Roßweiner Marktplatz soll ein junger Mann von bislang unbekannten Tätern mit einem Messer so schwer an der Hand verletzt worden sein, dass er notoperiert werden müsste. Die Polizei hat bis jetzt keine Anzeige vorliegen.
Auf dem Roßweiner Marktplatz soll ein junger Mann von bislang unbekannten Tätern mit einem Messer so schwer an der Hand verletzt worden sein, dass er notoperiert werden müsste. Die Polizei hat bis jetzt keine Anzeige vorliegen.

© Symbolfoto: dpa/Ingo Wagner

Roßwein. Große Aufregung in Roßwein. Es soll zu einer Auseinandersetzung zwischen Sympathisanten des Bündnisses „Willkommen in Roßwein“ (WiR), einem Asylbewerbern und Anhängern der rechtsextremen Szene gekommen sein. „In Roßwein wurden am Sonnabendabend junge, erwachsene Roßweiner, die dem Bündnis nahe stehen, sowie ein Asylbewerber von bisher unbekannten Tätern angegriffen“, verbreitet das Bündnis in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook am Dienstag. Weiter heißt es, ein junger Mann sei bei dem Übergriff mit einem Messer so schwer verletzt worden, dass er noch in der Nacht im Uniklinikum Dresden notoperiert werden musste. Das Merkwürdige daran: Die Polizei weiß davon nichts.

„Ein wie in Facebook beschriebener Sachverhalt am Samstagabend in Roßwein ist uns bis heute nicht angezeigt geworden“, teilte Jana Kindt, Leiterin der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz, am Dienstag auf DA-Nachfrage mit.

War das Opfer allein?

Laut Bündnis soll sich Folgendes zugetragen haben: Das mutmaßliche Opfer habe eine Information erhalten, dass ein Freund auf dem Markt in Roßwein bedroht werde. Der sei aber nicht mehr vor Ort gewesen, als das Opfer ankam und dann am Schuldurchgang von Unbekannten angegriffen wurde. Beim Abwehren eines Messerangriffes habe es sich schwer an der Hand verletzt. Die Täter hätten, als andere Freunde nach ihm riefen, vom mutmaßlichen Opfer abgelassen und seien geflüchtet. Aufgrund seiner stark blutenden Wunde sei dem Opfer schwindelig geworden, woraufhin es in die Fensterscheibe des Restaurants Herkules gefallen sei und diese zerstört habe.

Das Opfer selbst wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage beim Bündnis gegenüber dem DA nicht äußern. Auf die Frage nach möglichen Zeugen sagte ein Bündnismitglied, das Opfer sei bei dem Angriff allein gewesen. Dabei war im Facebook von mehreren Personen die Rede.

Polizeisprecherin Jana Kindt bestätigt, dass die Polizei am Herkules war. „Das einzige Vorkommnis, das uns am Samstagabend in Roßwein bekannt wurde, hat sich kurz vor 21 Uhr am Markt ereignet. Ein Zeuge informierte uns darüber, dass eine Gruppe junger Leute, geschätzt 16 Personen, die Eingangstür eines alten Hotels sowie eine daneben befindliche äußere Fensterscheibe beschädigt haben. Der Sachschaden wurde auf rund 50 Euro geschätzt. Die Gruppe, die sich in Richtung Unterstadt entfernt haben soll, konnte bei der Tatortbereichsfahndung nicht festgestellt werden.“

Opfer soll sich bei Polizei melden

Aufgrund des Facebook-Beitrages, von dem die Polizei auf DA-Nachfrage erst Kenntnis erhielt, haben die Beamten am Dienstag Anzeige von Amts wegen aufgenommen. „Wir ermitteln zunächst wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Aus diesem Grund bitten wir, dass mögliche Geschädigte sowie Zeugen der Tat, die es dem Beitrag zufolge zu geben scheint, sich bei der Döbelner Polizei zu melden und die Ermittlungen zur Ergreifung der Täter zu unterstützen“, so Kindt.

Der Döbelner SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann hatte aufgrund der Veröffentlichung des Bündnisses eine Mitteilung herausgegeben: „Schon länger ist zu beobachten, wie sich die rechte Szene in Mittelsachsen radikalisiert. Der brutale bewaffnete Übergriff stellt dabei eine neue Qualität dar.“ Persönlich habe er mit dem Opfer nicht sprechen können, sondern nur mit Mitgliedern des Willkommensbündnisses. Er vertraue diesen Informationen.

Einen Bezug zur rechtsextremen Szene hatte das Bündnis in seinem Beitrag hergestellt: „Nach Angaben der Geschädigten wurden sie mit ,Zeckenpack‘ beschimpft und einer der Angreifer hatte ein Hakenkreuz in den Nacken tätowiert.“