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Fußball und Kebab gehören zusammen

Der Imbiss in der Poststraße hat eine lange Tradition. Ein türkischer Gastronom schreibt sie seit fünf Jahren fort.

07.10.2017
Von Steffen Gerhardt

nd Kebab gehören zusammen
Louis, wie er von vielen Nieskyern genannt wird, steht in seinem Bistro an der Poststraße in Niesky. Geöffnet ist es bereits ab 9.30Uhr, um auch das Kaffee-Geschäft seinen Gästen anbieten zu können, sagt der Inhaber.

© jens trenkler

Gastronomie für die Familie bietet Resit Colak in seinem Bistro Bar Café in der Poststraße. Und darauf ist er stolz, dass er aus dem zum Penner-Treff heruntergekommenen Imbiss wieder etwas gemacht hat, „zudem auch Mütter mit ihren Kindern gern kommen“, sagt Louis. Unter diesem Spitznamen ist er seinen Kunden und Gästen wohl bekannter – und er mag es selbst auch lieber, Louis genannt zu werden. Dass er nun hinter dem Tresen in der Poststraße steht, verdankt er eher einem Zufall, erzählt der 39-Jährige.

Für das einstige Grill-Eck wurde ein neuer Mieter gesucht, und Louis griff zu. Seit 1. Juli 2012 ist er Pächter dieses der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft gehörenden Ladengeschäfts. Mit der Übernahme musste er nicht nur aus einer Räucherhöhle wieder ein einladendes Lokal machen, auch einige Umbauten warteten auf dem Gastronom. „Hierbei hat mir mein Bruder und meine Familie sehr geholfen, wir haben alles selbst gemacht“, betont er. Auch wenn im Gastraum wieder Rauchverbot herrscht, die Raucher ganz verprellen möchte er nicht. So schaffte er noch einen zweiten Raum für die Raucher und stellte dort Spielautomaten auf.

Die eigentliche Attraktion ist aber der riesige Flachbildfernseher, der hoch oben im Gastraum steht. „Hier läuft vor allem Sport“, sagt er. Und der zieht besonders in Zeiten von Meisterschaften die Leute in sein Lokal. „Aber nur herkommen, um Fernsehen zu schauen, das mag ich nicht“, betont er. Umsatz muss also auch beim Fußball sein. Und nicht nur da wartet er mit seinen gastronomischen Angeboten auf. Louis legt Wert darauf, dass er Kebab verkauft. Im Gegensatz zu Döner ist Kebab aus Kalbfleisch gemacht. Schließlich wird das Kebab auch nicht im Fladenbrot verkauft, sondern in einem Brötchen, hebt Louis hervor. Auch bei der Pizza achtet er auf Qualität. Statt dem sonst üblichen Pizza-Käse nimmt er Mozzarella. Und knusprig wird bei ihm das runde italienische Nationalgericht im Steinofen.

Vieles, was das Anrichten seiner Speisen betrifft, hat sich Louis selbst beigebracht. Dennoch kann er eine fundierte Ausbildung vorweisen. „Drei Jahre habe ich in meiner Heimat in der Türkei in einem Hotel Gastronomie gelernt“, berichtet er. Nach Deutschland ist er 1999 gekommen – durch seinen Onkel. Und irgendwie hat dieser Onkel Louis auf Niesky neugierig gemacht. Wie er sagt, sei er vor 20 Jahren das erste Mal in der Stadt gewesen. Weil dort sein Onkel bereits ein Dönergeschäft betrieb. „Er hatte den ersten Dönerladen in der Stadt“, sagt er stolz.

Seit fünf Jahren setzt Louis diese Familientradition fort. Nicht allein, er beschäftigt noch zwei Stundenkräfte. Die beiden Frauen kümmern sich einerseits um die Reinigung des Lokals, andererseits um die Vorbereitungen in der Küche. Das alles geschieht an einem Ort, der gleichfalls eine Tradition hat. Der Imbiss in der Poststraße hat in Niesky eine lange Geschichte. Der „Schiefe Emil“ war Jahrzehnte Anlaufpunkt für Bockwurst, Kaffee, Bier und manchen „Kurzen“. Das graue Holzhäuschen ist vielen Nieskyern noch in fester Erinnerung. Bis es ausgedient hatte und sich die Wohnungsbaugesellschaft entschloss, einen neuen Imbiss in den Wohnblock zu integrieren. 1996 öffnete er als Grill-Eck. Heute steht auf blauem Untergrund „Mala’ Me – Bistro Bar Café“.

Louis ist davon überzeugt, dass er das Geschäft länger betreibt als sein Vorgänger. Denn „die Nieskyer Kunden sind für mich okay“ und auch selbst fühlt er sich in der Stadt wohl. Zusammen mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter wohnt der Imbissbetreiber in Niesky. Seine Arbeit macht ihm Spaß – und der Sport. Dabei meint er nicht nur den im Fernsehen, sondern auch live auf dem grünen Rasen. „Ich bin ein großer Fan von Dynamo Dresden und Borussia Dortmund“, bekennt er und zeigt stolz auf seine Sammlung an Spielertrikots in seinem Geschäft. In dieser Zusammenstellung sind die Trikots auch noch von anderen namhaften Mannschaften zu finden. Diese haben ihm Gäste mitgebracht und geschenkt. Am liebsten sind ihm aber die zwei Shirts seiner Lieblingsmannschaften, zumal bei beiden das Gelb dominiert, wie auf seinem Hemd, das er trägt.