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Für die Tschechen würden zwei Tankstellen reichen

Knapp 40 Tankstellen stehen direkt an der Grenze zur Region Löbau-Zittau. Die meisten leben von den Deutschen.

06.10.2017
Von Petra Laurin

schechen würden zwei Tankstellen reichen
Eine Tankstelle nach dem Grenzübergang Neugersdorf zu Jirikov (Georgswalde). Auch hier tanken vorwiegend deutsche Autofahrer.

© Bernd Gärtner

Über etwa 150 Autos an nur einem einzigen Sonnabendnachmittag freut sich Vaclav Kopacek. Er ist Mitarbeiter an der Pap-Oil-Tankstelle in Rozany bei Schluckenau in Tschechien. „Das ist mein Rekord“, sagt er. Die meisten seiner Kunden sind Deutsche, von jenseits der Grenze, aus dem Oberland und aus Löbau. „Die Autos kommen aber nicht nur aus der unmittelbaren Grenzregion, auch mit Bautzener Kennzeichen fahren welche vor“, berichtet Kopacek. Etwa 90 Prozent seines Umsatzes macht er mit den deutschen Fahrern.

Vier Zapfstellen hat die Tankstelle bei Kopacek. Benzin ist für 1,20 Euro pro Liter zu haben. Diesel kostet 1,05 Euro. „Deutsche tanken immer voll und nehmen noch einen Kanister voller Kraftstoff mit“, erzählt der Tankwart. Bei jedem Tanken sparen sie so rund sechs Euro. Gefragt seien auch Zigaretten, gleich kartonweise. Viel mehr bietet die kleine Tankstelle an der Grenze auch gar nicht an.

Nur ein paar Meter weiter stehen gleich drei weitere Tankstellen. Jeden Tag sei der Umsatz anders, aber man wolle sich nicht beklagen, sagt die Frau vom Service. Vieles hänge vom Wetter ab. Auch hier in Vilemov machen die Deutschen etwa zwei Drittel der Kundschaft aus. Tankwart Robert Mensa bestätigt, dass viele Kunden die Fahrt zur Tankstelle gleich mit einem Einkauf oder dem Mittagessen verbinden.

Fast 40 Tankstellen bieten ihre Dienste an der deutsch-tschechischen Grenze rings um Hradek nad Nisou (Grottau) bis zum Schluckenauer Zipfel an, vier davon in Rozany, vier in Petrovice, drei in Vilemov und weitere in Dolni Poustevna. „Für die Einheimischen aus der Gegend würden zwei Tankstellen genügen“, meint Ivan Indracek, Vorstandsvorsitzender der tschechischen Union unabhängiger Erdölverwerter. Für das Überangebot der Tankstellen im tschechischen Grenzgebiet macht er die unterschiedlich hohe Verbrauchersteuer in Tschechien und Deutschland verantwortlich. In Tschechien ist diese Steuer vor allem beim Benzin viel niedriger. Immerhin 150 Euro macht das auf 1 000 Liter aus. Billiger zu tanken sei für die Deutschen zudem ein Bonus zum Einkaufen auf den Märkten, beim Konditor und beim Gaststättenbesuch, ergänzt er.

Euphorie verspüren aber nur die Tankstellen ganz dicht an der Grenze. Weiter im Landesinneren seien die Preise noch günstiger. „Zu uns kommen die Deutschen aber schon nicht mehr“, bedauert Jan Bevar von der Benzina-Tankstelle in Schluckenau. Autoschlangen gebe es nur bei der MOL Tankstelle am Kaufhaus Tesco. Ähnlich sieht das in Grottau aus, die Deutschen tanken eher in Polen, meint Bevar.

Mit einem weiteren Ausbau des Tankstellennetzes rechnet Ivan Indracek nicht. Der Markt ist bereits gesättigt. Reserven gebe es nur noch für Zapfsäulen, die Flüssiggas (LPG) und Strom anbieten. Die Organisation Czech Tourist rät übrigens deutschen Kunden, beim Tanken mit Karte die Abrechnung in tschechischen Kronen (CZK) und nicht in Euro vorzunehmen. Damit könne man einen besseren Umtauschkurs erzielen, heißt es.