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Mittwoch, 06.12.2017

Fünf würdige Preisträger

Der Görlitzer OB verleiht den Meridian des Ehrenamtes in einer Feierstunde. Die meisten Geehrten leben auf dem Dorf.

Von Ingo Kramer

Stephan Weilandt, Christina Kloppe, Günter Meißner, Elisabeth Bischoff und Lutz Heinke (v. l.) wurden am Dienstagabend von OB Siegfried Deinege (ganz rechts) im Großen Saal des Görlitzer Rathauses mit dem Meridian des Ehrenamtes ausgezeichnet.
Stephan Weilandt, Christina Kloppe, Günter Meißner, Elisabeth Bischoff und Lutz Heinke (v. l.) wurden am Dienstagabend von OB Siegfried Deinege (ganz rechts) im Großen Saal des Görlitzer Rathauses mit dem Meridian des Ehrenamtes ausgezeichnet.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Die Überraschung ist dem 1. Görlitzer Karateverein auf jeden Fall geglückt. Kaum hatte Vorstandsmitglied Kristian Giertz seine Laudatio auf Vereinschef Lutz Heinke gehalten, ging am Dienstagabend die Tür des Großen Saals im Görlitzer Rathaus auf. Herein stürmten vier Nachwuchssportler des Vereins – und zeigten ohne Scheu vor all den versammelten Preisträgern, Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern, Sponsoren und Gästen, was sie im Verein schon alles gelernt haben. Drei, vier Stücke, ein Fototermin, und schon waren die weiß gewandeten Kinder wieder weg.

Sie haben Lutz Heinke viel zu verdanken. Er ist seit fast 35 Jahren Karatesportler. 1983 fing er bei der ISG Hagenwerder damit an – „zunächst noch geheim, weil Karate in der DDR verboten war“, verriet Giertz den Anwesenden. 1990 gründete Heinke dann den 1. Görlitzer Karateverein – und leitet ihn seither. Heute hat der Verein laut Giertz 350 Mitglieder, von denen manche auch ganz andere Sportarten trainieren, etwa Boxen oder Kickboxen. Für sein langjähriges Engagement im Verein wurde Heinke am Dienstagabend mit dem Meridian des Ehrenamtes ausgezeichnet. Neben Stephan Weilandt, Christina Kloppe, Günter Meißner und Elisabeth Bischoff ist er einer von fünf Preisträgern 2017.

Was in diesem Jahr auffällt: Längst nicht mehr nur Leute über 70 Jahren erhalten den Preis, sondern zunehmend auch Jüngere, die sich über viele Jahre hinweg ehrenamtlich engagieren. Und: Fast alle Geehrten des Jahres 2017 leben auf dem Dorf: Lutz Heinke in Leuba, Günter Meißner in Trebus, Stephan Weilandt und Elisabeth Bischoff in Ludwigsdorf/Ober-Neundorf. Doch sie alle und auch Christina Kloppe eint der Fakt, dass sie sich ehrenamtlich in oder für Görlitz engagieren.

Der singende Töpfermeister Günter Meißner etwa hat nicht nur den Schlesischen Tippelmarkt 1999 ins Leben gerufen und ist bis heute in die Organisation eingebunden, sondern er reist deutschlandweit zu Töpfermärkten – und wirbt überall für Görlitz. „Werbung für die Stadt ist ihm ein Anliegen“, begründete „Tippelweib“ Marianne Scholz-Paul in ihrer Laudatio.

Karsten Günther-Töpert, Ortsvorsteher von Ludwigsdorf/Ober-Neundorf, durfte gleich auf zwei Preisträger die Laudatio halten – und war sichtlich beeindruckt vom Engagement der Bewohner „seiner“ Dörfer, die 1999 nach Görlitz eingemeindet wurden. Stephan Weilandt ist seit 1996 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsdorf/Ober-Neundorf und seitdem ununterbrochen aktiv dabei. 16 Jahre leitete er die Jugendfeuerwehr Ludwigsdorf, 2006 übernahm er die Leitung der Stadtjugendfeuerwehr Görlitz und 2011 wurde er zum Zugführer bestellt. Er leitet Ausbildungen und Einsätze. Seit 2005 arbeitet er zusätzlich bei der Landesjugendfeuerwehr Sachsen mit. Doch damit nicht genug. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Feuerwehrvereins Görlitz und 2018 wird er die Leitung der Ludwigsdorfer Wehr übernehmen. „Er engagiert sich meist still und ohne großes Aufsehen“, lobt der Ortsvorsteher.

Letzteres gilt auch für Elisabeth Bischoff, seit 2005 Leiterin der Ortsgruppe der Volkssolidarität Ludwigsdorf/Ober-Neundorf/Klingewalde. Ihre Mitgliedschaft bei der Volkssolidarität begann 1997. Mit sehr viel Engagement hält sie die Senioren der Ortsgruppe auf Trab und immer in Bewegung. Elisabeth Bischoff nimmt an Veranstaltungen und Beratungen im Kreisverband regelmäßig teil und vertritt ihre Ortsgruppe. Sie ist hilfsbereit, aufgeschlossen für neue Dinge, unterstützt andere in Notlagen und gibt gute Ideen, um das Leben für die Senioren in den Orten angenehm zu gestalten. Seit 2014 pflegt sie zudem das Kriegerdenkmal in Ludwigsdorf.

Christina Kloppe schließlich wurde geehrt als ehrenamtliche Koordinatorin der Kinder- und Jugendarbeit des ASB Rauschwalde. „Seit 1978 arbeitet sie mit Kindern, seit 1999 beim ASB“, sagte ASB-Geschäftsführer Norbert Wege in seiner Laudatio. Den ASB-Jugendclub leite sie seit 18 Jahren. OB Siegfried Deinege schließlich zitierte für alle ehrenamtlich engagierten Görlitzer den Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“ Insgesamt 95 Menschen haben seit 1999 den Meridian des Ehrenamtes erhalten. Nächstes Jahr findet die Verleihung zum 20. Mal statt, dann steigt die Anzahl der Preisträger auf 100. Daran, dass es auch dann wieder einige Kandidaten geben wird, hat der OB keinen Zweifel: „Die Palette des Ehrenamtes ist sehr breit.“