Montag, 12.11.2012

Fünf sächsischen Ex-Bankern droht Klage

Ein neues Gutachten bestätigt offenbar Versäumnisse einstiger Landesbank-Vorstände.

Von Tino Moritz

Hamburg/Leipzig. Im Finanzskandal um die ehemalige Landesbank Sachsen LB werden fünf Ex-Banker durch ein neues Gutachten schwer belastet. Die Kanzlei Freshfields und Wirtschaftsprüfer von Deloitte kommen in dem 556-seitigen Papier zu dem Schluss, dass der einstige Bankvorstand die akute Krise der Sachsen LB 2007 hätte abfedern können. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Die Expertise halte den Managern vor, einen Schaden von 114 Millionen Euro netto verursacht zu haben. Damit drohe den fünf Männern 2013 eine Anklage wegen Untreue.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig wollte sich gestern nicht zum Inhalt des Gutachtens äußern. Bereits am vergangenen Freitag hatte Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann gesagt, dass erst nach Stellungnahme der Verteidiger entschieden werde, ob die Ermittlungen gegen fünf Ex-Manager in eine Anklage münden werden.

Die Landesbank hatte damals im Zuge der weltweiten Immobilien- und Finanzkrise wegen Spekulationen ihrer irischen Tochter kurz vor der Pleite gestanden. Im letzten Moment folgte der Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Für Ausfälle bürgt der Freistaat allerdings immer noch mit bis zu 2,75 Milliarden Euro. Bislang musste Sachsen bereits 429 Millionen Euro zahlen.

Laut „Spiegel“ kostet das Gutachten, an dem die Experten 19 Monate lang arbeiteten, den Steuerzahler mindestens 1,8 Millionen Euro. Die Prüfer wägten darin ab, ob „tatsächlich Ahnungslosigkeit oder nicht vielleicht Rat- und Planlosigkeit“ das Verhalten mancher Vorstände geprägt habe. Die Manager, so das Fazit, hätten sich nicht genügend über die riskanten Auslandsgeschäfte informiert. Die Anwälte der Manager wiesen den Untreue-Vorwurf zurück und bezweifelten, dass sich Vorsatz nachweisen lasse, schreibt das Magazin weiter. (dpa)