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Freitag, 14.07.2017

Frische Garnelen aus Kirschau

Die Aquakulturen erweitern ihr Angebot. Ein geglücktes Experiment ist Auslöser für weitere Aktivitäten.

Von Carmen Schumann

Frisch auf Eis: Björn Dominick zeigt die ersten Garnelen aus Kirschau. Sie wurden in einer neuen Anlage der Aquakulturen herangezogen. Ab sofort gibt’s die Krustentiere im Werksverkauf.
Frisch auf Eis: Björn Dominick zeigt die ersten Garnelen aus Kirschau. Sie wurden in einer neuen Anlage der Aquakulturen herangezogen. Ab sofort gibt’s die Krustentiere im Werksverkauf.

© carmen schumann

Kirschau. Die Garnelen mögen es warm und dunkel. Schließlich kommen sie aus tropischen Regionen. Die große Halle in Kirschau, in der einst Webstühle des VEB Vegro ratterten, ist jetzt die Kinderstube für die exotischen Krustentiere. In großen runden Wasserbehältern wachsen sie bei Temperaturen um die 30 Grad auf und werden mit einem speziellen Futter versorgt. Das besteht aus Getreide, Fischmehl und pflanzlichen Proteinen. An diesem Freitag werden die Garnelen erstmals geerntet. Dann kommen sie ganz frisch in den Verkaufsladen der Kirschauer Aquakulturen. „Frischer geht es nicht“, sagt Unternehmer Karl Dominick. Er ist gespannt, wie die Kunden das neue Angebot annehmen.

Bisher produzieren die Kirschauer Aquakulturen Tilapia, Pangasius und Rotscherenkrebse. Gemeinsam mit einem Schweizer Unternehmen werden Flussbarsche gezüchtet, außerdem experimentiert man mit der Aufzucht von Zandern. Auf die Idee, sich mit der Produktion von Garnelen zu befassen, kam Karl Dominick durch einen Geschäftspartner aus Bayern, der ihn fragte, ob er eine Aufzuchtanlage für diese Krustentiere entwickeln könnte. Gemeinsam stellten sie die Testanlage auf die Beine. „Nach einem Jahr hat sich das Experiment als geglückt erwiesen“, sagt Karl Dominick. Da das Pilotprojekt Erfolg hatte, lässt der Kooperationspartner nun eine Zuchtanlage in Bayern bauen.

Rückenwind für Neuinvestition

Doch auch Karl Dominick selbst gibt das geglückte Experiment Rückenwind für eine neue Investition. „Wir werden eine weitere Halle mit 2 000 Quadratmetern auf dem früheren Vegro-Gelände ausbauen“, kündigt er an. In sechs Wochen soll damit begonnen werden. Nach etwa drei Monaten Bauzeit können dann die ersten Garnelen in die Behälter eingesetzt werden. Danach wird es noch rund ein halbes Jahr dauern, bis die Krustentiere in größeren Mengen geerntet werden können. „Die neue Anlage ist auf etwa zwölf Tonnen pro Jahr ausgelegt“, sagt Karl Dominick.

Die Testanlage, deren Produkte jetzt in den Verkauf gelangen, liefert rund eine Tonne Garnelen pro Jahr. Da eine Garnele 20 bis 30 Gramm wiegt, können pro Woche 800 bis 1 000 Stück verkauft werden. Natürlich denkt Karl Dominick daran, die Neuentwicklung auch den Gastronomen anzubieten. „Doch zunächst sollen unsere treuen Kunden des Werksverkaufs die Produkte testen dürfen“, sagt der umtriebige Unternehmer. Allerdings bedauert er, dass er mit seinen Erzeugnissen beim deutschen Einzelhandel bisher nicht wie gewünscht punkten kann.

Gegen die überwiegend in Massenproduktion hergestellten und als Tiefkühlware gelieferten Krustentiere aus Asien könne er preislich nicht mithalten. Dafür liefere er aber eine andere Qualität. Er habe nicht den Anspruch, die hochintensiven Produktionsmethoden der Asiaten nachzuahmen, sondern setze auf Qualität „Gewachsen in Sachsen“. „Wir liefern unsere frischen Garnelen auf Eis und per Kühltransporter nach Italien, in die Schweiz und nach England“, sagt er stolz. Nur der kleinere Anteil der Produktion werde in der Region bleiben. Aber Karl Dominick hofft, dass das Thema Regionalität und Qualität zunehmend auch bei deutschen Kunden einen höheren Stellenwert erlangt. Um den Kunden die Schwellenängste zu nehmen, soll künftig der Tilapia, der ein barschartiger Fisch ist, unter dem Namen „Sachsen-Barsch“ vermarktet werden.

Name fürs Unternehmen gesucht

Zur Betreuung der Garnelen-Testanlage konnte Karl Dominick einen neuen Mitarbeiter einstellen, seinen Sohn Björn. Wenn die neue Anlage fertig ist, werden weitere Mitarbeiter gebraucht. „Wir benötigen dann drei Fischwirte und einen Meister“, sagt Karl Dominick. Insgesamt sind momentan bei den Kirschauer Aquakulturen 17 Mitarbeiter beschäftigt. Die neue Garnelenzuchtanlage wäre dann das dritte Standbein des Unternehmens. Dafür wird auch noch ein Eigenname gesucht. Vielleicht bietet ja der Fachbegriff für die in Kirschau gezüchteten Garnelen einen Ansatzpunkt. Es sind Gambas, oder auch Pacific-Shrimps genannt, der Sorte „Vannamei White Leg“.

Wer die Garnelen probieren möchte, kann sie ab sofort im Werksverkauf bekommen. Auch beim traditionellen Fischerfest werden sie verkauft, das am 16. September auf dem Gelände der Aquakulturen stattfindet. Erstmals betreibt das Unternehmen auch einen Verkaufsstand beim „Tag der Sachsen“ der vom 1. bis 3. September in Löbau stattfindet.