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Freitag, 13.04.2018

Freital braucht mehr Krippenplätze

Die Stadt muss in ihren Kitas Platz für weitere 50 Kinder schaffen. Eine Idee, das Problem zu lösen, gibt es schon.

Von Annett Heyse

Eveline und Oskar haben Spaß auf der Rutsche der Freitaler Kita Storchenbrunnen. Für Kinder wie sie gibt es in der Stadt bald nicht mehr ausreichend Betreuungsplätze. Das Rathaus muss handeln.
Eveline und Oskar haben Spaß auf der Rutsche der Freitaler Kita Storchenbrunnen. Für Kinder wie sie gibt es in der Stadt bald nicht mehr ausreichend Betreuungsplätze. Das Rathaus muss handeln.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Ein Vormittag in der Kita Storchenbrunnen. Die Zweijährigen toben auf dem Spielplatz und haben gerade die Rutsche für sich entdeckt. Schon bald werden einige von ihnen zu den Größeren zählen und dann ganz offiziell nicht mehr in die Krippe, sondern in den Kindergarten gehen – auch wenn der im gleichen Haus untergebracht ist. Für jeden Krippenplatz, der dann frei wird, gibt es schon einen Interessenten, nicht nur in der Kita Storchenbrunnen an der Albert-Schweitzer-Straße. In ganz Freital könnten bald mehr Eltern einen Krippenplatz beantragen, als tatsächlich vorhanden sind.

Das zumindest ist aus den Einwohnerdaten ersichtlich, wie Freitals Erster Bürgermeister Peter Pfitzenreiter am Donnerstagabend im Stadtrat vortrug. Demnach gibt es in der Stadt laut Melderegister vom Ende des vergangenen Jahres 361 Mädchen und Jungen, die jünger als ein Jahr alt sind. Weitere 734 Kinder sind jünger als drei Jahre – macht 1 095 Knirpse im Krippenalter. Weil die meisten Krabbler bis zum ersten Geburtstag zu Hause betreut werden, rechnet die Stadt vor allem mit den Ein- bis Dreijährigen als Krippenkinder. Erfahrungsgemäß liegt die Betreuungsquote bei 90 Prozent. Es werden also rein rechnerisch 663 Krippenplätze spätestens ab dem Sommer 2018 gebraucht.

Dazu kommen dann noch bis zu 25 Anmeldungen von Eltern, die nicht in Freital wohnen, aber ihr Kind hier betreuen lassen wollen – unter anderem, weil sie hier arbeiten. Momentan gibt es in Freital aber nur 637 Krippenplätze. Die 24 Tagesmütter mit ihren 117 Plätzen sind da schon eingerechnet. Und nun?

Bürgermeister Pfitzenreiter will nicht um den heißen Brei herumreden. „Wir gehen weiter von einer positiven Geburtenentwicklung aus.“ Es werden also perspektivisch noch mehr Betreuungsplätze gebraucht, nicht nur im Krippenbereich, sondern auch in den Kindergärten und Schulhorten.

Die Zeichen stehen in Freital durchaus auf Wachstum. Zwar waren die Einwohnerzahlen 2017 etwas zurückgegangen, dies vor allem wegen der Tatsache, dass die Zahl der Todesfälle die Geburtenzahlen überstieg und wegen etlicher Wegzüge. Das könnte sich schon bald wieder drehen. Grundsätzlich herrscht in Dresdens Speckgürtel seit Jahren Zuzug. In Freital werden dieses Jahr neue Mehrfamilienhäuser gebaut, die Stadt plant bis 2021 ein neues Stadtzentrum mit etlichen Wohnungen, und in Pesterwitz entsteht gerade ein neues Baugebiet für Eigenheime. Bis ins Jahr 2024 rechnet die Stadtverwaltung mit zunehmender Nachfrage nach Krippen- und Kindergartenplätzen.

Fürs erste muss nun Platz für die Krippenkinder geschaffen werden. Und da gibt es schon eine Idee. Um die fehlenden 25 Plätze für Freitaler Kinder zu schaffen, könnte in den Kindergärten umgeräumt werden. Denn im Augenblick verfügt die Stadt über 1 413 Kitaplätze, aber nur 1 343 werden gebraucht. Berücksichtigt man die Kinder, die erfahrungsgemäß aus anderen Gemeinden hinzukommen, gibt es trotzdem einen Überschuss von 39 Plätzen. Diese könnten zu Krippenplätzen umgewandelt werden, schlägt Pfitzenreiter vor. „Welche Kapazitätsänderungen konkret umgesetzt werden, wird derzeit noch mit den Einrichtungen beraten.“

Die Stadträte stimmten dem Verfahren ohne große Diskussionen zu. Sie machten sich aber auch mit dem Gedanken vertraut, dass Freital bald wieder eine Kindertageseinrichtung bauen muss. Bleibt es bei den prognostizierten Zahlen, fehlen spätestens ab dem Jahr 2021 Betreuungsplätze. Alle Kitas könnten dann so voll sein, dass der Mangel im Krippenbereich nicht mehr kompensiert werden kann. Erst ab 2026 könnte die Nachfrage wieder sinken – falls die Geburtenzahlen zurückgehen. Der Stadtrat hat deshalb in der Haushaltsplanung für die Jahre 2019 bis 2021 bereits 3,2 Millionen Euro eingeplant, um die Kindergärten zu erweitern oder einen Neubau zu errichten.