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Freitag, 12.01.2018

Freistaat stimmt Wolfsabschuss zu

Das Tier hatte nahe Weißwasser zwei Hunde gerissen. Der Landkreis Görlitz prüft jetzt das weitere Vorgehen. Bürger sind besorgt.

Von Steffen Bistrosch und Christian Köhler

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In die Fotofalle tappte dieser Wolf in Krauschwitz. Deutlich ist zu erkennen, dass er sich auf einem Grundstück befindet.
In die Fotofalle tappte dieser Wolf in Krauschwitz. Deutlich ist zu erkennen, dass er sich auf einem Grundstück befindet.

© Archivfoto: Dennis Ewald

  • In die Fotofalle tappte dieser Wolf in Krauschwitz. Deutlich ist zu erkennen, dass er sich auf einem Grundstück befindet.
    In die Fotofalle tappte dieser Wolf in Krauschwitz. Deutlich ist zu erkennen, dass er sich auf einem Grundstück befindet.
  • Andreas W. vor seinem Grundstück in Krauschwitz. Hier verschwand sein Hund nachts unbemerkt.
    Andreas W. vor seinem Grundstück in Krauschwitz. Hier verschwand sein Hund nachts unbemerkt.

Weißwasser. Der Landkreis Görlitz will den Wolf, der Ende Dezember in Weißkeißel und Krauschwitz zwei Hunde gerissen hat, abschießen. Das bestätigt Frank Meyer, Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, auf Nachfrage der SZ: „Der Landkreis hat eine Sondergenehmigung für die Wolfsentnahme beantragt und wir haben die Genehmigung erteilt.“ Die Ausnahmegenehmigung für die Entnahme des Tieres gelte laut Meyer unbefristet. Auf Nachfrage beim Landkreis bestätigte man das Verfahren, wollte sich aber nicht zu den Einzelheiten äußern. „Es wird in den kommenden Tagen entschieden, wie die Entnahme erfolgen soll“, hieß es lediglich.

In Krauschwitz sind die Einwohner unterdessen wegen der neuerlichen Wolfssichtungen besorgt. Mehrere Bürger haben das Tier in der Nähe von Grundstücken und am Waldesrand beobachtet. Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) nimmt die Sorgen der Krauschwitzer ernst. Er stehe im Kontakt mit dem Landratsamt. „Bislang ist aber noch kein Betroffener an mich persönlich herangetreten“, so Rüdiger Mönch. Er hofft auf eine schnelle Lösung der Angelegenheit, weiß aber um die Emotionalität bei dem Thema „Wolf“.

Sorge wiegt schwer

Emotional ist beispielsweise Andreas W. – der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Bei ihm wiegt die Sorge besonders schwer: Er hatte Ende Dezember seinen Hund „Rex“ vermisst und kurze Zeit später seinen treuen Vierbeiner, wenige Meter von seinem Grundstück entfernt, zerfleischt entdeckt. „Mein Hund ist weg und wir sind traurig über den Verlust von Rex“, sagt der Krauschwitzer. Der Wachhund fehle der Familie sehr. In der Gemeinde an der Neiße soll der Wolf aber nicht nur Hunde heimgesucht haben.

Wie die SZ erfuhr, soll das gleiche Tier auch einem 13-jährigen Mädchen an der Wilhelmstraße auf dem Schulweg begegnet sein. Das Mädchen sei daraufhin in Panik geraten und zurück aufs eigene Grundstück geflüchtet. In der Folge haben sich einige der betroffenen Einwohner in der Nachbarschaft getroffen, um über die jüngsten Vorfälle zu diskutieren. Einig sind sich die Krauschwitzer während der Debatte darüber, dass das verhaltensauffällige Tier eine Gefahr für Haustiere darstellt und für Menschen unberechenbar sein könnte. „Ich bin nicht dafür, alle Wölfe abzuschießen“, sagt einer der besorgten Nachbarn, „aber muss denn erst etwas passieren, bis die Behörden aufwachen? Wir machen uns große Sorgen.“

Mitarbeiter des Lupus-Institutes für Wolfsmonitoring und Forschung sind in den vergangenen Tagen regelmäßig vor Ort gewesen, wie Ilka Reinhardt erläutert. Die Wolfsexperten haben zunächst den Kadaver des getöteten Hundes zu weiteren Untersuchungen mitgenommen und eine Fotofalle aufgestellt. Anschließend haben sie den Bürgern ihre Hilfe angeboten.

Inzwischen aber kursiert eine größere Anzahl von Bildern in den sozialen Medien, die ein abgemagertes und möglicherweise verletztes Tier zeigen. So ist es vermutlich zu erklären, dass sich in den vergangenen Tagen, wie die Krauschwitzer Anwohner berichten, viele Neugierige in der Nachbarschaft nach dem Wolf erkundigt haben.

Die zuständigen Behörden, wie etwa das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“, warnen eindringlich davor, sich dem Tier unvorsichtigerweise zu nähern. „Wer einen Wolf sieht, soll uns schnellstmöglich kontaktieren“, erklärt Sophia Liehn vom Kontaktbüro in Rietschen.

Unterdessen gehen die Diskussionen in Krauschwitz wohl weiter: Wie etwa soll die Entnahme des Wolfes erfolgen? Erleichtert zeigten sich am Donnerstagabend die Anwohner, dass die Behörden nun entschieden haben, den Wolf zu entnehmen. Auch wenn noch nicht endgültig klar ist, wie genau das erfolgen soll, sorgt es zunächst mehrheitlich für Zustimmung.