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Donnerstag, 31.03.2016

Freier Geist

FILM-ESSAY: „Morgenröte im Aufgang“

Der Philosoph Jacob Böhme, wie er vermutlich gern über die großen Fragen sinnierte. | Foto: nootheater
Der Philosoph Jacob Böhme, wie er vermutlich gern über die großen Fragen sinnierte. | Foto: nootheater

Hegel sagte, er sei der „erste deutsche Philosoph“. Ernst Bloch meinte, dergleichen werde „seit Heraklit nicht mehr gehört“. Vor allem aber war Jacob Böhme Theosoph, Mystiker und Visionär - im 17. Jahrhundert.

„Morgenröte im Aufgang“ ist ein echtes Gemeinschaftswerk von gleich vier Regisseuren. Max Hopp, Jan Korthäuer, Ronald Steckel und Klaus Weingarten wollen ihren Film keinesfalls als biografische Dokumentation verstehen. Es sollte kein Streifen über Böhme, sondern mit ihm werden. Also haben sie sich entschlossen, den 1575 in Altseidenberg bei Görlitz geborenen sprachmächtigen Denker über seine eigenen Schriften in Bild und Ton zu setzen. Und die hatten es in sich, denn Jacob Böhme legte sich offen mit den schon damals verkrusteten kirchlichen Autoritäten an und entwickelte gerade in jenem Werk, das dem Film seinen Namen gibt, Visionen des Freigeistes. Dass man Böhme als Ketzer geißelte, ließ nicht lange auf sich warten.

„Morgenröte im Aufgang“ soll ein filmisches Poem und eine Hommage sein. Max Hopp, der vor allem als Schauspieler bekannt ist, leiht den erleuchteten und erleuchtenden originalen Böhme-Gedanken seine Stimme, Darsteller Klaus Weingarten spielt den Protagonisten als „schreibenden Mann“. Die Bilder sind langandauernd, poetisch und lassen Luft an bedeutungsvolle Worte. Immer wieder ist die Natur zu sehen, enge Räume würden im wahrsten Sinne zu sehr „verengen“ und damit Jacob Böhmes nicht gerecht. MkF

  • Zur Vorführung am Donnerstag, 20.15 Uhr, kommt Regisseur Ronald Steckel ins Kino im Dach, wo der Film ausschließlich startet.