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Freitag, 01.07.2016

Freie Sicht aufs Dinglingerhaus

Eines der berühmtesten barocken Bürgerhäuser zeigt seit Freitag, wie gelungen seine Rekonstruktion ist.

Von Lars Kühl

Enthüllt: Das Dinglingerhaus am Jüdenhof am 1. Juli.
Enthüllt: Das Dinglingerhaus am Jüdenhof am 1. Juli.

© C. Juppe

Dresden. Langsam fallen die Hüllen, das Schöne kokettiert mit seiner ganzen Pracht. Erotisch wird es trotzdem nicht, lediglich Gerüste verschwinden und geben den Blick auf ein wahres Schmuckstück am Neumarkt frei. Das Dinglingerhaus am Jüdenhof kam am Freitag zum Vorschein.

Das Barock-Gebäude gehört wie das Triersche Haus zu den Leitbauten des Quartiers, das die Familienfirma Kimmerle seit Anfang 2015 für 30 Millionen Euro errichten lässt. Im Oktober vorigen Jahres war Richtfest, jetzt sind bereits die Fassaden erkennbar. Bis August soll das gesamte Ensemble samt Innenhof fertiggestellt sein.

Was die Passanten, die das Johanneum (Verkehrsmuseum) rechts liegen lassen, nun sehen, dürfte viele begeistern. Mit viel Liebe zum Detail ist eine beeindruckende Rekonstruktion gelungen. Die Proportionen stimmen und das Original ist deutlich wiederzuerkennen. Der Eckbau am Jüdenhof - seit jeher ein Platz am Neumarkt - geht auf einen Entwurf von Matthäus Daniel Pöppelmann zurück, dessen wohl berühmtestes Bauwerk der Zwinger ist.

Errichtet wurde das Haus bis 1716. Das Jahr, in dem es Georg Christoph Dinglinger kaufte. Der war Juwelier, gehörte zu einer berühmten Goldschmiede-Dynastie und arbeite in einer Schmuckwerkstatt am Hofe August des Starken. Der Kunsthistoriker Fritz Löffler bezeichnete das Bürgerhaus als einziges Beispiel, in dem sich der Zwinger-Stil in einem Wohngebäude wiederfindet.

Seine wechselvolle Geschichte mit mehr oder weniger berühmten Bewohnern fand in der Bombennacht im Februar 1945 ein jähes Ende. Was stehenblieb, wurde später abgerissen. Zu DDR-Zeiten gab es auf dem Areal einen Parkplatz für den benachbarten Kulturpalast.

Reste der Kellergewölbe blieben allerdings erhalten. Gefundene Originalsteine ließ das Unternehmen Kimmerle jetzt mit verbauen. Später können sie die Gäste eines italienischen Restaurants sehen, das am 20. Juli als einer der Mieter im Dinglingerhaus eröffnet. Im Gesamtkomplex gibt es zudem Wohnungen, ein Hotel und Gewerbe.