erweiterte Suche
Donnerstag, 05.10.2017

„Frauke Petry hat die Wähler im Landkreis betrogen“

Der AfD-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis, André Barth, ist enttäuscht über Frauke Petrys Austritt aus der Partei.

Von Franz Werfel

André Barth (l.) sitzt seit 2014 für die AfD im Landtag. Er ist Vorstandsmitglied der Kreis-AfD. Von seiner Ex-Fraktionschefin (r.) fühlt er sich hintergangen.
André Barth (l.) sitzt seit 2014 für die AfD im Landtag. Er ist Vorstandsmitglied der Kreis-AfD. Von seiner Ex-Fraktionschefin (r.) fühlt er sich hintergangen.

© Baldauf, dpa

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Er habe auf seinen Sommerurlaub verzichtet und drei Wochen lang intensiven Wahlkampf gemacht. Für die Frauke, für die AfD und ein bisschen für sich selbst. Eine Woche nach der Bundestagswahl, bei der die Alternative für Deutschland nirgendwo so viele Stimmen bekam wie in Sachsen und im Freistaat nirgendwo mehr als im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, ist André Barth immer noch aufgewühlt.

Die Ereignisse rund um seine Partei, für die der 47-Jährige aus Dippoldiswalde seit 2014 im Sächsischen Landtag sitzt, haben sich vor einer Woche überschlagen. Erst das hohe Ergebnis der AfD in Sachsen, das mit dem Gewinn dreier Direktmandate in Ostsachsen einherging. Und dann das: Einen Tag nach der Wahl verkündete Frauke Petry vor der versammelten Hauptstadtpresse, nicht Teil der AfD-Fraktion im Bundestag sein zu wollen. Und am Dienstag erklärte sie ihren Parteiaustritt, den sie am Freitag vollzog. Viele Menschen, die Petry ihre Stimme gegeben haben, fragen sich nun, wie sie als Einzelabgeordnete in Berlin die Interessen der Wähler und des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vertreten will. Auch nach einem Interview, das Petry der Sächsischen Zeitung vorige Woche gab, zweifeln viele an ihr.

„Ich habe mich immer vor Frauke Petry gestellt“, sagt André Barth. Er spielt damit auf die vielen innerparteilichen Kritiker an, die in den vergangenen Monaten gegen die Ex-AfD-Chefin geschossen haben. Noch im Juli versuchten Teile der Kreis-AfD auf einem Parteitag, ihre Direktkandidatur zu verhindern. Doch die Abwahlanträge scheiterten. Auf dem Parteitag habe Barth gesagt: „Es ist doch egal, was wir über Frauke Petry denken. Wichtig ist, was der Wähler über sie denkt.“ So erinnert er sich. „Leider muss ich nun feststellen: Hätten wir sie noch abgewählt, hätten wir den ehrlicheren Stimmzettel gehabt.“ Wenn Petry noch vor der Wahl ihren Austritt aus der AfD erklärt hätte, ist Barth überzeugt, hätten sie nicht so viele Menschen gewählt. Deswegen kommt er zu dem Schluss: „Was Frauke Petry gemacht hat, ist Wählerbetrug.“

Viele, gerade auch ihre früheren Befürworter, seien nun enttäuscht von der einstigen Landes- und Bundeschefin, so Barth. Neben Frauke Petry sind mittlerweile auch der sächsische AfD-Generalsekretär Uwe Wurlitzer sowie Andrea Kersten und Kirsten Muster aus der Landtagsfraktion ausgetreten. Für sich selber sei das keine Option, sagt André Barth. Er, der in der Fraktion oft versucht hat, zwischen dem extremen und dem gemäßigten Flügel der Partei zu vermitteln, hat sich entschieden zu bleiben.

Offen ist bisher noch, wie sich Verena Hartmann aus Königstein in dem Richtungsstreit positioniert. Ihr Listenplatz neun reichte der 43-Jährigen, die dem gemäßigten Teil der AfD zugeordnet wird, für den Einzug in den Bundestag. Hartmann ist wie André Barth Mitglied im Vorstand der Kreis-AfD. Denkt sie auch darüber nach, die AfD-Fraktion im Bundestag zu verlassen? Oder wird sie vielmehr AfD-Ansprechpartnerin für die Bürger des Landkreises sein? Fragen der SZ dazu beantwortet Verena Hartmann bisher leider nicht.

Wie blicken Sie, liebe Leser, auf den Austritt der einstigen AfD-Bundeschefin aus der Partei? Haben Sie möglicherweise Frauke Petry Ihre Stimme gegeben? Sind Sie nun enttäuscht oder können Sie ihr Verhalten nachvollziehen? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook oder schreiben Sie uns eine E-Mail.