erweiterte Suche
Dienstag, 13.06.2017

Frauenfußball auf dem Kilimandscharo

Petra Landers lebt für den Frauenfußball. Ihr Traum ist eine eigene Fußballschule in Sambia. Zuvor geht es zum Weltrekordspiel auf knapp 5 800 Meter Höhe.

Bild 1 von 2

Die ehemalige Fußballnationalspielerin Petra Landers will gemeinsam mit 30 anderen Fußballerinnen auf 5600 Metern Höhe das höchste jemals ausgetragene FIFA Regelspiel bestreiten.
Die ehemalige Fußballnationalspielerin Petra Landers will gemeinsam mit 30 anderen Fußballerinnen auf 5 600 Metern Höhe das höchste jemals ausgetragene FIFA Regelspiel bestreiten.

© Ina Fassbender/dpa

  • Die ehemalige Fußballnationalspielerin Petra Landers will gemeinsam mit 30 anderen Fußballerinnen auf 5600 Metern Höhe das höchste jemals ausgetragene FIFA Regelspiel bestreiten.
    Die ehemalige Fußballnationalspielerin Petra Landers will gemeinsam mit 30 anderen Fußballerinnen auf 5 600 Metern Höhe das höchste jemals ausgetragene FIFA Regelspiel bestreiten.
  • Der 5895 Meter hohe Kilimandscharo in Tansania ist der höchste Berg Afrikas.
    Der 5 895 Meter hohe Kilimandscharo in Tansania ist der höchste Berg Afrikas.

Bochum. Das Vorhaben ist ein wenig verrückt, doch Petra Landers kann das nicht abschrecken. Die ehemalige deutsche Fußball-Nationalspielerin zögerte keine Sekunde, als sie Ende Januar das Angebot bekam, Teil des wohl ambitioniertesten Projekts im Frauenfußball zu sein, das es je gab. „Ich habe sofort zugesagt, weil es für eine gute Sache ist. Es steckt ja ein Sinn dahinter“, sagte die 55 Jahre alte Bochumerin der Deutschen Presse-Agentur.

Gemeinsam mit 30 Fußballerinnen aus 20 Ländern - von Afghanistan über Libanon bis USA - wagt Landers in knapp zwei Wochen einen Weltrekordversuch, der auch einen Eintrag ins Guinness-Buch bringen soll: Auf dem höchsten und berühmtesten Berg Afrikas, dem 5 895 Meter hohen Kilimandscharo, wollen zwei Frauenteams ein Spiel über 90 Minuten austragen. Nie zuvor gab es ein Match in so großer Höhe, weder bei Frauen noch bei Männern. „Wir spielen etwas unterhalb des Gipfels, auf 5 730 Metern. Einen Fußballplatz gibt es da oben natürlich nicht. Den müssen wir selbst bauen, auf Sand“, erläutert Landers. Auch die Tore werden von den Trägern hinaufgeschleppt.

An diesem Mittwoch bricht die Europameisterin von 1989 auf zu ihrem Abenteuer in Tansania. Vier Tage später soll der Aufstieg zum Gipfel beginnen. „Sechs bis sieben Tage soll der dauern. Wir gehen langsam, um uns allmählich an die dünne Luft zu gewöhnen“, sagt Landers, der kurz vor der Mission schon ein wenig mulmig wird. Was erwartet mich dort? Habe ich meine Ausrüstung zusammen und an alles gedacht?

Landers war in ihrem Leben noch nie in den Bergen, nun will sie gleich ganz hoch hinaus. Doch vor dem Kilimandscharo musste erst mal der Tippelsberg im Bochumer Norden bezwungen werden. Mehr als drei Monate bereitete sie sich akribisch auf das waghalsige Unterfangen vor. Auf der begrünten ehemaligen Bauschutthalde entstand vor Jahren ein Naherholungsgebiet mit Aussichtsfläche und Rundumblick über das ganze Ruhrgebiet - satte 150 Meter über Meereshöhe. Dort rannte die 55-Jährige fast täglich Treppen und Wege rauf und runter. Unterstützt wurde sie in der Vorbereitung von der Sportärztin Petra Platen von der Sportfakultät der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Auch die Höhenkammer nutzte sie, um die Verhältnisse vor Ort zu simulieren.

Abgesehen von der Fotografin Dana Rösiger aus Heidelberg ist Landers die einzigen Deutsche im Tross - und die älteste Spielerin. Zur Crew gehören auch ein Filmteam, Ärzte und erfahrene Bergsteiger. Die geplante Film-Dokumentation soll später dazu beitragen, das aufwendige Projekt zu refinanzieren.

Landers, die früher eine kleine Druckerei besaß und seit einigen Jahren in einer Kindertagespflege-Einrichtung arbeitet, erhält von offizieller Seite keine Unterstützung. Weder von der Stadt Bochum noch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Beim Verband hat sie wegen einer Schiedsrichterin für das Gipfel-Duell angefragt, aber einen Korb bekommen. „Und die Stadt Bochum hat für sowas auch kein Budget.“ Immerhin kamen inzwischen knapp 2 000 Euro an Spenden zusammen. „Das hilft. Ich schätze aber, dass die Reise knapp 4 500 Euro kosten wird.“

Die Initiative „Equal Playing Field“ (EPF), die sich weltweit für die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen im Sport, insbesondere im Fußball einsetzt, hat das mutige Projekt auf den Weg gebracht. Auch Organisationen wie „Discover Football“ oder „Football for Peace“ unterstützten das Projekt, das ein Zeichen setzen will gegen Diskriminierung von Mädchen und Frauen im Fußball.

EPF-Organisatorin Laura Youngson hofft, dass die Aktion aufmerksam macht auf die Probleme, die Mädchen insbesondere in vielen Ländern der Dritten Welt noch immer haben: „Sport schafft Freundschaft und Gemeinschaft, verlangt Engagement und fördert das Selbstvertrauen, die Stärke und Gesundheit. Kein Mädchen auf dieser Welt sollte wegen ihres Geschlechts um diese Vorteile gebracht werden.“

Nicht zuletzt deshalb engagiert sich Landers seit Jahren in Sambia für den weiblichen Fußballnachwuchs. Dort fehle es an allem: an geeigneten Plätzen, Bällen, Schuhen, Trikots, Hosen usw. „Die Mädchen spielen barfuß. Auf den staubigen und holprigen Plätzen liegen zum Teil Scherben. Trotzdem haben sie leuchtende Augen, kicken mit Herz und Leidenschaft. Dort muss man einfach helfen.“ Landers‘ Traum ist, eine eigene Fußballschule in Sambia aufzubauen. Doch zuvor wartet im wahrsten Sinne des Wortes noch ein Höhepunkt ihrer Fußball-Karriere. (dpa)