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Freitag, 10.02.2017

Flüchtlingsgräber vor der Semperoper

Eine Fotoausstellung zeigt Bilder von Gräbern ertrunkener Bootsflüchtlinge. Größere Pöbeleien blieben aus.

Dresden. Mit der Eröffnung einer weiteren Kunstinstallation in Dresden geht die Auseinandersetzung um das Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg weiter. Die Fotoausstellung „Lampedusa 361“, die heute um 14 Uhr vor der Semperoper eröffnet wurde, zeigt Bilder von Gräbern ertrunkener Bootsflüchtlinge auf sizilianischen Friedhöfen. 90 Fotomatten auf dem Theaterplatz sollen einen imaginären Friedhof darstellen. Das Kunstprojekt ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt und des Vereins Friends of Dresden Deutschland.

"Lampedusa" vor der Oper

Die Eröffnung

Um 14 Uhr sprach Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) - und wurde dabei zunächst kaum gestört. Zwar waren vereinzelt Pfiffe zu hören, doch die mittlerweile üblichen Pöbler standen etwas entfernt. Hilbert sprach davon, dass der 13. Februar in diesem Jahr im Zeichen der Menschlichkeit stünde. Das Werk auf dem Theaterplatz soll dazu anregen, genau darüber nachzudenken, was Menschlichkeit bedeute, so der OB. Danach wurde ein Brief der Bürgermeisterin von Lampedusa verlesen. Etwa 14.15 Uhr wurde die umzäunte Installation dann eröffnet, Menschen hatten die Möglichkeit, Grabkerzen aufzustellen.

Vereinzelt gab es Diskussionen zwischen sogenannten besorgten Bürgern und den etwa 500 Menschen, die das Kunstwerk betrachten. Sobald es lauter wurde, bildete sich sofort eine Menschentraube, aus der sehr viele Kameras blickten. Das Medieninteresse ist nach dem tumultartigen Dienstag vor der Frauenkirche noch einmal gestiegen. Dazu beigetragen dürften auch verschiedene rechte Gruppen, darunter auch Pegida, haben. Diese hatten online zum Widerstand gegen die Installation und den OB aufgerufen. Es fanden sich einige Dutzend Protestierer ein, darunter auch Menschen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.

Nachdem Störversuche auf dem Theaterplatz nicht gelangen, liefen die „Lampedusa361“-Gegner zum Neumarkt. Dort versammelten sich etwa 80 Menschen am Luther-Denkmal. Pegida-Vize Siegfried Däbritz ist dabei, Lutz Bachmann hingegen begnügte sich damit, aus der Ferne umfangreich auf Facebook zu kommentieren. Zu den Pegida-Dauerdemonstranten gesellten sich Anhänger der AfD, der Kleinstpartei “Deutsche Mitte“ sowie der rechten Ein-Prozent-Bewegung.

Einige der Demonstranten waren bereits am Dienstag vor der Frauenkirche dabei, wo es bei der Einweihung der drei senkrecht aufgestellten Busse zu massiven Pöbeleien gekommen war. Die Stadt will den Jahrestag der Zerstörung am 13. Februar in diesem Jahr mit der künstlerischen Thematisierung von Krieg und Leid in der Gegenwart verbinden. OB Hilbert war dafür heftig angegriffen worden - bis hin zu Mordaufrufen im Netz. (szo/mja mit dpa)