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Fliegen gegen den Neujahrs-Kater

Bei der vierten Dresdner Meisterschaft im Skispringen verteidigt der Vorjahressieger seinen Titel. Das Event war spontan anberaumt worden.

02.01.2015
Von Anna Hoben

egen den Neujahrs-Kater
Hätte es einen Preis fürs beste Kostüm gegeben, er wäre dem Mann mit der Schapka und dem grellbunten Outfit sicher gewesen. Den weitesten Sprung machte allerdings ein anderer.

© Sven Ellger

Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein: Gestern herrschte nicht nur schönstes Neujahrswetter, sondern auch schönstes Skisprungwetter. Um 12.30 Uhr hatten die Organisatoren sich deshalb entschieden, das Schanzenspringen im Alaunpark stattfinden zu lassen. Da die warmen Temperaturen schon ziemlich viel Schnee hatten schmelzen lassen, trugen die Hobbyspringer ihn aus allen Richtungen zusammen, bauten auf der sogenannten Pionierschanze im linken oberen Eck des Parks eine Anlaufbahn und markierten die Absprungstelle mit roter Kreide. Was es damit auf sich hat, war aber auch kurz vor Start noch nicht jedem klar: „Soll das etwa eine Skisprungrampe werden?“, fragte ein kleines Mädchen verblüfft.

Um 15 Uhr ist es so weit: Sechs Hobbyspringer haben ihre Skier neben der Schanze aufgereiht, jetzt gehen sie hoch zur Anlaufbahn. Erster Sprung: Anlauf, Flug, Landung. Ein Schrei, ein eleganter Schwung – und Stopp. Sechs Meter für den Vorjahressieger mit dem Künstlernamen „Jens W. aus O.“, eine Anspielung auf Jens Weißflog. Das Publikum klatscht, „Jens W.“ schnallt seine Skier ab und reckt sie in die Höhe, obwohl er zu dem Zeitpunkt noch keinen Grund hat, siegessicher zu sein. Im vergangenen Jahr hatte er den Titel geholt, der Schanzenrekord liegt bei 9,50 Metern. Ziel in diesem Jahr: ein zweistelliges Ergebnis.

Dieses bleibt zunächst in weiter Ferne. Die Ergebnisse pendeln sich um die sechs Meter ein, der vierte Sprung liegt bei sieben Metern. „Das lässt hoffen auf Weiten jenseits der zehn Meter“, witzelt der Moderator. Doch kurz vor dem ersten Wertungsdurchgang kommt bei den Springern Verwirrung auf: Wer misst eigentlich? Und an welcher Stelle? An der Bindung oder am Ende der Skier? Das Publikum lacht. Die Leute haben Kaffeebecher mitgebracht und Thermoskannen, manche verbergen ihre Silvester-Kater-Augen hinter Sonnenbrillen, eine Zuschauerin trägt solidarisch eine Skibrille auf der Stirn.

„Ich weiß gar nicht, wie es in Garmisch heute steht“, sagt der Moderator. Davon kann auch der nächste Starter nicht berichten, obwohl er nach eigenen Angaben extra aus Garmisch hergekommen ist, „ganz super Sache“, bayert der Mann mit der russischen Pelzmütze, dem Schnurrbart und dem knallbunten 80er-Jahre-Dress.

Dem nächsten Springer fliegt im Flug der Helm – ein Strohhut – vom Kopf. Am Ende gibt es nach dem dritten Wertungsdurchgang noch einen vierten, weil alle gleichauf bei sieben Metern lagen. „Jens W. aus O.“ holt schließlich mit 7,60 Metern erneut den Titel und bekommt als Preis eine Flasche Rotkäppchen Rosé.

„Der Anlauf war in diesem Jahr nicht schnell und lang genug“, sagt Organisator Georg. Zufrieden sind er und die anderen mit dem Neujahrsspringen trotzdem. Wenn es demnächst noch mehr Schnee gibt, wollen sie das Ganze wiederholen.