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Mittwoch, 06.12.2017

Fleischlos heißt nicht immer gesund

Verbraucherschützer bemängeln Inhaltsstoffe und Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Ersatzprodukten.

Von Tobias Hoeflich

Immer mehr Kunden greifen beim Einkauf zu veganen und vegetarischen Produkten. Ein gängiges Siegel ist die Blume der Vegan Society.
Immer mehr Kunden greifen beim Einkauf zu veganen und vegetarischen Produkten. Ein gängiges Siegel ist die Blume der Vegan Society.

© dpa

Sojamilch, Tofuschnitzel, veganer Aufschnitt: Ersatzprodukte für Fleisch, Käse und andere Lebensmittel liegen im Trend. Neun von zehn Deutschen haben sie schon wenigstens einmal probiert, ergab eine nicht repräsentative Umfrage der Verbraucherzentrale unter 6 000 Teilnehmern. Die Gründe sind vielfältig: Vor allem Tierschutz und Ethik, aber auch generell ein gesünderes Essen wurden genannt.

Dieser Trend spiegelt sich in der steigenden Zahl derer wider, die kein Fleisch essen. Zu den 7,8 Millionen Bundesbürgern kommen laut dem Vegetarierbund noch 900 000 Veganer dazu, die also auf jegliche tierische Produkte verzichten. Laut einer Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim von 2013 liegt der Anteil an Vegetariern bei 3,5 Prozent der Bevölkerung– immerhin noch knapp 2,9 Millionen. Anlass für die Verbraucherzentralen, die fleischlosen Alternativen einem Marktcheck zu unterziehen.

Der Test: Über hundert Produkte und große Unterschiede

Bei dem Marktcheck wurden 127 Produkte gekauft und unter anderem auf den Gesundheitswert, verwendete Siegel und Transparenz auf der Verpackung überprüft. Die Tester haben die Produkte in drei Kategorien unterteilt: Fleisch-, Wurst- sowie Ersatzprodukte für Joghurt, Frischkäse, Eis und Quark. Diese wurden dann noch in Unterkategorien aufgeteilt.

„Vegetarische und vegane Ersatzprodukte bieten nicht zwangsläufig eine gesündere Alternative. Verbraucher müssen genau hinschauen und jedes Produkt anhand der Zutaten bewerten“, so das Fazit von Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Eine generelle Aussage zum Gesundheitswert ist aufgrund der Variationsbreite der Zusammensetzung aber nicht möglich.“

Zutaten: Viel Salz und viele Zusatzstoffe

Zwar enthalten Ersatzprodukte für Fleisch und Wurst im Schnitt weniger Kalorien und gesättigte Fette als die originalen. In 80 Prozent der untersuchten Produkte sei jedoch zu viel Salz, kritisiert Brendel, denn: „Viele erwarten, dass Ersatzprodukte eine gesündere Alternative zu tierischen Produkten sind.“ Ebenso greifen viele Hersteller auf Zusatzstoffe zurück. Während nur zwölf Prozent der getesteten Produkte überhaupt keine aufwiesen, enthielten manche bis zu acht Zusatzstoffe.

Transparenz: Haltungsform von Legehennen unklar

Bei einem Viertel der getesteten Ersatzprodukte wird Hühnerei als Zutat verwendet, überwiegend in den Ersatzprodukten für Wurst und Fleisch. Aber: Bei fast einem Drittel ist nicht eindeutig ersichtlich, woher die Eier kommen. Brendel plädiert daher für eine durchgängige Kennzeichnung der Haltungsform, „da der Tierschutz eine große Rolle für Verbraucher spielt“. Ebenfalls ist bislang der Hinweis nicht Pflicht, dass vielleicht Spuren tierischer Bestandteile in einem Produkt enthalten sind. Auf nur knapp zehn Prozent der getesteten Produkte fanden sich entsprechende Angaben.

Kennzeichnung: Wirrwarr durch Begriffe und Siegel

Fast die Hälfte aller getesteten Produkte trägt weder das Wort „vegan“ noch „vegetarisch“ im Namen. Die Ersatzbasis für Tiererzeugnisse wird sogar bei 54 Prozent nicht im Namen genannt. Die Kennzeichnung sollte von den Herstellern verbessert werden, fordert Brendel. „Hierzu sind gesetzliche Regelungen erforderlich.“

Viele Hersteller schmücken ihre Verpackungen mit Siegeln von bestimmten Organisationen oder Labeln. Am häufigsten – bei knapp zwei Dritteln – findet sich das Vegetarisch- oder Vegansiegel des Vegetarierbundes Deutschland auf der Verpackung. Knapp ein Sechstel wirbt mit der Vegan-Blume der Vegan Society, einer Organisation aus Großbritannien. Informationen zu diesem Siegel gibt es aber im Internet nur auf Englisch, bemängeln die Verbraucherschützer. Hinzu kommt eine Vielzahl an Labeln auf den Verpackungen. Dabei reicht die Palette von „fleischfrei“ oder „vegetarisch“ bis zu „natürlich veggie“, „pflanzliche Genussideen“ oder „100% pflanzlich“. Die Vielzahl an verwendeten Siegeln und Labeln könne ebenfalls eher zur Verwirrung als zur Aufklärung der Käufer beitragen, so die Verbraucherschützer.

Kompletter Marktcheck

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