Johannstadt-Nord Montag, 26.11.2012

Fledermaus-Autobahn für Johannstadt

920 Sträucher sollen die Hufeisennasen sicher unter der Waldschlößchenbrücke hindurchleiten.

Von Peter Hilbert

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Landschaftsgärtner Christian Ziegenbalg zeigt den Weißdornstrauch, den er gerade neben der Waldschlößchenbrücke gepflanzt hat. Auf zehn Metern Breite stehen jetzt die Buschreihen, an denen sich Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen orientieren sollen.Fotos: SZ/Peter Hilbert (2)
Landschaftsgärtner Christian Ziegenbalg zeigt den Weißdornstrauch, den er gerade neben der Waldschlößchenbrücke gepflanzt hat. Auf zehn Metern Breite stehen jetzt die Buschreihen, an denen sich Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen orientieren sollen.Fotos: SZ/Peter Hilbert (2)

Am Fuße der Waldschlößchenbrücke schrumpfen die Baustellenflächen sichtbar. Sie machen Platz für frisches Grün. Dafür sorgen auf der Altstädter Seite derzeit Landschaftsgärtner der Firma Grünwerk aus dem Wilsdruffer Stadtteil Mohorn-Grund. Sie haben auf einer Breite von zehn Metern bis zu sechs Strauchreihen gepflanzt. Entstanden ist somit eine Fledermausautobahn, die die Kleine Hufeisennase, das Große Mausohr und andere Fledermausarten sicher unter der Waldschlößchenbrücke hindurchleiten soll.

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  • Landschaftsgärtner Christian Ziegenbalg zeigt den Weißdornstrauch, den er gerade neben der Waldschlößchenbrücke gepflanzt hat. Auf zehn Metern Breite stehen jetzt die Buschreihen, an denen sich Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen orientieren sollen.Fotos: SZ/Peter Hilbert (2)
    Landschaftsgärtner Christian Ziegenbalg zeigt den Weißdornstrauch, den er gerade neben der Waldschlößchenbrücke gepflanzt hat. Auf zehn Metern Breite stehen jetzt die Buschreihen, an denen sich Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen orientieren sollen.Fotos: SZ/Peter Hilbert (2)
  • Schon gut gewachsen sind die Sträucher neben dem Neustädter Elberadweg. Sie waren im April gepflanzt worden. Foto: SZ/Peter Hilbert
    Schon gut gewachsen sind die Sträucher neben dem Neustädter Elberadweg. Sie waren im April gepflanzt worden. Foto: SZ/Peter Hilbert

Auf einer Länge von rund 400 Metern stehen jetzt 920 Sträucher parallel zum Käthe-Kollwitz-Ufer. Dabei handelt es sich um Weiden-, Haßelnuss-, Weißdorn- und Kornelkirschsträucher. „Dazwischen werden noch 43 Linden, Ahorn und Ulmen gepflanzt“, kündigt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz an. Allein für die Altstädter Fledermausautobahn investiert die Stadt rund 100.000 Euro.

Auf der Neustädter Seite wurde diese sogenannte Leitstruktur bereits im April dieses Jahres gepflanzt. Dort waren die Arbeiten noch aufwendiger, was insgesamt rund 150.000 Euro kostete.

„Damit setzen wir Forderungen um, die sich aus dem Naturschutz ergeben“, erklärt Koettnitz. An diesen Buschreihen sollen sich die Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen durchs flache Gelände orientieren. Die Tiere erzeugen dabei Laute im Ultraschallbereich, die von der Umgebung reflektiert werden. Diese Echoortung ermöglicht den Fledermäusen ein „räumliches Sehen“ im Dunkeln.

Blitzer gegen Brückenraser

Die Sträucher werden bis zu vier Meter groß. Das halten Fachleute für die richtige Höhe, damit die Fledermäuse sicher von ihren Quartieren entlang der Elbe zu den Jagdrevieren kommen. Die Tiere sollen unter der Brücke hindurchgeleitet werden, sodass sie nicht durch Autos gefährdet werden. Diese und viele andere Informationen zum Leitsystem und den Fledermäusen bieten jetzt zwei Tafeln auf der Neustädter Brückenseite. In Johannstadt sollen zwei weitere gegenüber der Neubertstraße aufgestellt werden, kündigt Koettnitz an.

Um jegliche Gefahren für Fledermäuse auszuschließen, wird die Waldschlößchenbrücke zwischen April und Oktober zur nächtlichen Tempo-30-Zone. Blitzer, die noch aufgestellt werden müssen, wachen dann über die Einhaltung. Dazu war die Stadt durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes verpflichtet worden, das im November 2007 den Weg zum Bau der umstrittenen Brücke frei machte.

Die Grünwerk-Landschaftsgärtner wollen in zwei Wochen sämtliche Pflanzungen abgeschlossen haben. „Für uns ist das ein Großauftrag“, sagt Firmenchef Tobias Welde. Der 47-Jährige, der das Unternehmen 1996 gegründet hatte, beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter.

An der Waldschlößchenbrücke haben sie bereits Erfahrung. 2008 hatten die Landschaftsgärtner beim Ausbau der Altstädter Anschlüsse der Fetscherstraße schon Bäume gepflanzt. An der Fledermausautobahn werden sie in den kommenden zwei Jahren regelmäßig vorbeischauen. Vor allem in den Wachstumsperioden ab dem Frühjahr, erklärt Welde. Dann rollt regelmäßig der Wasserwagen an und bringt frisches Nass für Sträucher und Bäume. Die Faustregel besage, dass wöchentlich 20 Liter Wasser pro Quadratmeter nötig sind.

Sträucher wachsen kräftig

Waldes Kollege Ralf Kohout kann auf der Neustädter Seite dadurch schon Erfolge vorweisen. Der Baumschulmeister aus Elstra bei Kamenz kümmert sich mit seiner Firma seit dem Frühjahr um die dortige Fledermausautobahn. „Die Sträucher haben das gemacht, was sie sollen“, sagt Kohout schmunzelnd. Mittlerweile ragen die Buschreihen über zwei Meter empor. Möglich ist das, da Kohouts Tankfahrzeuge die Sträucher seit April bereits 15-mal bewässert haben. „Im nächsten Jahr werden sie die Höhe von drei Metern erreichen“, zeigt sich der Fachmann zuversichtlich.

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