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Donnerstag, 07.12.2017

Flammen, Rauch und Zerstörung

Eine Feuerwalze zieht durch Südkalifornien. Sie bedroht ländliche Gebiete und Promi-Viertel am Rand von Los Angeles. Trockenheit, Wärme und heftige Winde verschärfen die Lage.

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Ein Autofahrer blickt auf dem Highway 101 in Richtung einer Feuerwand.
Ein Autofahrer blickt auf dem Highway 101 in Richtung einer Feuerwand.

© dpa/Noah Berger

  • Ein Autofahrer blickt auf dem Highway 101 in Richtung einer Feuerwand.
    Ein Autofahrer blickt auf dem Highway 101 in Richtung einer Feuerwand.
  • Ein Buschfeuer frisst einen Abhang hinunter.
    Ein Buschfeuer frisst einen Abhang hinunter.
  • Rauchschwaden liegen über Bel Air.
    Rauchschwaden liegen über Bel Air.

Bel Air. Dichter Rauch hängt über den Stränden, Landstriche sind verkohlt, die Hügel um Luxusvillen stehen in Flammen. Schon wieder erlebt das kalifornische Paradies ein Schreckensszenario. Erst im Oktober tobte in den malerischen Weinregionen um Sonoma und Napa ein Flammeninferno - 44 Menschen starben, zeitweise waren 100 000 Anwohner vor den Flammen auf der Flucht. Nun trifft es den Süden des Bundesstaates.

Die berüchtigten Santa-Ana-Winde treiben heftige Buschfeuer an und damit Zehntausende Menschen aus ihren Häusern. Auch vor teuren Villen in den durch hohe Mauern geschützten „Gated Communities“ machen die Flammen nicht halt. Im Nobelviertel Bel Air im Westen von Los Angeles sitzen Promis auf gepackten Koffern. „Ich habe wichtige Unterlagen, zwei Gemälde meiner Frau und ihre Urne ins Auto gepackt“, sagte Prinz Frederic von Anhalt am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Tod seiner Frau Zsa Zsa Gabor vor einem Jahr lebt der gebürtige Deutsche weiter in der Villa in Bel Air.

Frühmorgens habe die Feuerwehr mit Anrufen und über Lautsprecher in den Straßen die Anwohner aus dem Schlaf gerissen, erzählt von Anhalt. Sie sollten in ihren Häusern die Lage abwarten und für den Notfall packen. Von seiner Terrasse aus könne er den Rauch im Westen sehen. „Ich stehe parat“, sagt der 74-Jährige.

Andere haben die bedrohte Reichen-Enklave zwischen dem Mulholland Drive und dem Sunset Boulevard schon verlassen. Sein Moraga-Weingut in den Hügeln von Bel Air sei geräumt worden, teilte der Medien-Mogul Rupert Murdoch dem „Hollywood Reporter“ mit. Die Flammen hätten Teile des Millionen-Anwesens erfasst, berichteten US-Medien. Vier Villen in dem bedrohten Viertel sind nach Angaben der Behörden abgebrannt, elf seien beschädigt worden. Dort besitzen Stars wie Jennifer Aniston, Gwyneth Paltrow, Jennifer Lopez, Jay-Z und Beyoncé teure Domizile.

Sänger Lionel Richie erklärte auf Twitter, dass er seiner Familie dabei helfe, einen „sichereren Ort“ zu finden. Die Feuer seien „so verdammt schrecklich“, schrieb Model Paris Jackson bei dem Kurznachrichtendienst. TV-Star Kim Kardashian und Schauspielerin Elizabeth Banks dankten den vielen Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Rapper Common twitterte ein Video von brennenden Hügeln entlang der 405-Autobahn. Er bete für all die mutigen Helfer.

Tausende Feuerwehrleute sind an mehreren Stellen in Südkalifornien im Einsatz. Am schnellsten breiteten sich die Flammen im Bezirk Ventura County über eine Fläche von mehr als 260 Quadratkilometern aus. Am Mittwoch fraß sich die Feuerwalze bis zur Pazifikküste durch. Zehntausende Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Es sei ein „Wunder“, dass bisher keine Todesopfer aus den Brandgebieten gemeldet wurden, sagte Eric Garcetti, der Bürgermeister von Los Angeles. Nach vorläufigen Schätzungen brannten mehr als 180 Häuser ab, doch diese Zahl könnte noch steigen.

Die ständige Feuer-Bedrohung, besonders wenn die heftigen Santa-Ana-Winde wehen, ist die Kehrseite des Lebens im sonnenverwöhnten Kalifornien. Schon vor zwei Jahren, nach einer Serie schwerer Buschbrände, hatte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown ein düsteres Bild gezeichnet. Die häufigen Feuer seien ein echter „Weckruf“ für den dürregeplagten Westküstenstaat. Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen.

Einige der schwersten Brände in der Geschichte Kaliforniens wüteten in den Herbstmonaten im Anschluss an einen trockenen Sommer. Im Oktober und November 2007 zerstörten Flammen in Südkalifornien mehr als 1500 Häuser, 1900 Quadratkilometer Land verbrannten - eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Berlin.

In diesem Dezember sollte längst der Winterregen begonnen haben, doch der ist bisher ausgeblieben. Trocken und bis zu 28 Grad Wärme, so die Prognose für die nächsten zehn Tage in Los Angeles. „Feuer in den Wintermonaten sind ungewöhnlich“, sagte Daniel Berlant von der kalifornischen Behörde für Brandschutz der „New York Times“. Doch in den letzten zehn Jahren habe es mehr und mehr Brände außerhalb der typischen Feuersaison gegeben. Ein deutliches Zeichen dafür, wie sich das Klima in Kalifornien ändere, bilanziert der Experte. (dpa)

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