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Freitag, 08.12.2017

Fischhändler mit Rauschebart

Gerd Schneider führt eigentlich einen Laden auf der Kirchstraße. Im Advent verwandelt er sich jedoch schon seit Jahren in den Schiebocker Weihnachtsmann.

Von Nicole Preuß

Gerd Schneider ist schon seit einigen Jahren der Schiebocker Weihnachtsmann. Der Großdrebnitzer beschenkt aber nicht nur die Kinder auf dem Bischofswerdaer Weihnachtsmarkt, er ist auch in Schulen, Kitas und zu Heiligabend unterwegs.
Gerd Schneider ist schon seit einigen Jahren der Schiebocker Weihnachtsmann. Der Großdrebnitzer beschenkt aber nicht nur die Kinder auf dem Bischofswerdaer Weihnachtsmarkt, er ist auch in Schulen, Kitas und zu Heiligabend unterwegs.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Die Verwandlung ist mit einigen Handgriffen erledigt. Die Hose übergestreift, den Mantel übergeworfen, die Perücke und den Bart zurechtgerückt und die Mütze auf dem Kopf drapiert. Gerd Schneider wird in Null Komma Nichts zum Weihnachtsmann, genauer gesagt zu dem wohl bekanntesten Schiebocker Weihnachtsmann. Denn der Fischhändler von der Kirchstraße ist nicht nur der freundliche Rauschebart, der jedes Jahr wieder die Kinder auf dem Bischofswerdaer Weihnachtsmarkt beschenkt. Er tritt in seinem Kostüm auch bei vielen anderen Weihnachtsmärkten, in Schulen und in Kitas auf. Sogar zum Heiligabend beschert der Großdrebnitzer jedes Jahr wieder vier bis fünf Familien, inklusive seiner eigenen. Denn drei seiner vier Enkel erkennen den 62-Jährigen im Kostüm noch nicht.

Gerd Schneider gestaltet sein Kostüm allerdings auch so, damit es dabei bleibt. Der Gewerbetreibende wurde schon vor mehr als zehn Jahren Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt. Die Statur des Mannes stimmte bereits damals, der Vollbart erinnert noch heute entfernt an Knecht Ruprecht. Die Stadt stellte ihm ein Kostüm zur Verfügung. „Eine Perücke und ein Bart waren auch dabei, doch die hab ich nicht genommen“, sagt der Händler. „Ich hab mir etwas noch Hochwertigeres gekauft, das sah einfach besser aus.“

Gerd Schneider wusste schon damals durch seine Erfahrung aus dem Verein „Napoleonstraße 1813“ wie es ist, vor vielen Menschen zu sprechen. „Das konnte ich früher nicht, doch das muss man ja auch als Weihnachtsmann“, sagt er. Der Fischhändler hatte damals gerade erst Gerds Fischeck eröffnet. Die Stadt kam auf ihn zu und Gerd Schneider überlegte nicht lange. „Ich will kein Geld dafür, ich mache das für die Kinder“, sagt er.

Der Großdrebnitzer hat schon zu DDR-Zeiten mit Kindern gearbeitet. Damals trainierte er eine Fußballmannschaft in seinem Heimatort. Mit der Wende war Schluss. „Doch ich kann nicht daheeme sitzen“, sagt Gerd Schneider, auch nicht nach der Arbeit. Deshalb begann er, die Zeit der Napoleonischen Kriege zu erforschen. Später trat er in den Verein ein, in dem er noch heute Schatzmeister ist. Die Mitglieder des Vereins stellen neben ihrer historischen Recherche auch immer wieder die Zeit in Biwaks nach. Die schauspielerische Dimension dieses Hobbys brachte ihn zum Amt des Weihnachtsmanns.

Auch mal Schwierigkeiten

Das bringt es mit sich, dass viele Kinder erst einmal Respekt vor ihm haben. Sie verstecken sich hinter ihren Eltern oder weinen schlimmstenfalls. „Dabei nehme ich nie eine Rute mit. Ich will den Kindern keine Angst machen, ich will ein lieber Weihnachtsmann sein“, sagt er. Der Großdrebnitzer hat daher eine Strategie entwickelt, um die vorsichtigen Kinder für sich zu gewinnen. Er geht auf sie zu, hält erst einmal nur die Hand hin und versucht dann, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Das klappt dann auch meistens“, sagt er. Einige Kinder haben aber auch keine Hemmungen, dem Weihnachtsmann ihre Wünsche zu verraten. Einige Begebenheiten bleiben ihm dabei im Kopf. Ein Mädchen hat ihm zum Beispiel im vergangenen Jahr erklärt, er solle ihr doch nur die Hälfte ihrer Geschenke zu Weihnachten bringen und die andere Hälfte den Kindern geben, die nichts bekommen würden. „Das ging mir schon ziemlich nah“, sagt er. „Ich wusste gar nicht so richtig, was ich sagen sollte.“

Der Weihnachtsmann hat aber auch ein paar Schwierigkeiten. Er kann zum Beispiel mit dem langen Bart nicht die Geschenke aus dem Sack holen, die für die täglich 40 bis 50 Kinder bestimmt sind. Der Bart hängt dann stets im Weg. Deshalb unterstützen ihn seit ein paar Jahren zwei Engel des Karnevalsvereins. Der Fischhändler weiß trotzdem noch nicht, ob er auch im kommenden Jahr als Weihnachtsmann über den Weihnachtsmarkt spaziert. Er wird seinen Laden wahrscheinlich im Sommer aufgeben. Der Aufwand lohnt sich nicht mehr. Die Kinder würden ihn vermissen – den Schiebocker Weihnachtsmann.

Der Weihnachtsmann Gerd Schneider und seine Engel sind Freitag bis Sonntag, jeweils 16 Uhr zu erleben.

Freitag (16-21 Uhr): 17 Uhr Extrem Drum, 18.30 Uhr Arek Frog

Sonnabend (14-21 Uhr): 15 Uhr Märchenstunde im Kleiderfundus, Bautzener Straße 13, 17 Uhr Neustädter Fitness- und Aerobicverein ‘93, 18 Uhr Live-Musik mit Patrick Patzschke

Sonntag (14 bis 19 Uhr): 14 Uhr Adler Modenschau, 15 Uhr Märchenstunde im Kleiderfundus, 16 Uhr Weihnachtskonzert im Rathaussaal, 17 Uhr Live-Musik mit Christoph Richter