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Montag, 13.11.2017 Gerichtsbericht

Finanzberater muss im Gefängnis bleiben

Ein Mann soll mehrere Anleger aus der Region um Tausende Euro betrogen haben. Nun wurde er verurteilt.

Von Stephan Klingbeil

© dpa

Dippoldiswalde. Mal stand er, mal saß er dann doch: Der 62-jährige Bamberger, der das Schöffengericht in Dippoldiswalde und auch das deutsche Strafgesetzbuch nicht anerkennt und stumm gegen den Betrugsprozess gegen ihn protestierte, wurde nun nach mehreren Verhandlungstagen verurteilt. Der selbst ernannte Finanzberater soll mehrere Leute aus dem Tharandter Ortsteil Kurort Hartha und aus Klingenberg um Zigtausende Euro geprellt haben (SZ berichtete).

Am Amtsgericht Dipps wurde der gesundheitlich angeschlagene Mann, dessen Familie betont, er wäre kein sogenannter „Reichsbürger“, in elf Fällen schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 62-Jährige die Anleger zwischen 2008 und 2013 bei seinen vermeintlichen Investmentgeschäften betrogen hat.

Zwar sei den Geldgebern bei Vertragsabschluss bekannt gewesen, dass es sich um „Hochrisikogeschäfte“ handelte. Also, dass ihr Geld auch in den Sand gesetzt werden könnte. Dennoch geht das Gericht von Betrug aus. Es bezweifelt, dass der Mann die in mehreren Chargen meist in bar übergebenen Summen tatsächlich investiert hat. Wo genau der Angeklagte, der als Alleingesellschafter des französischen Unternehmens Edita Consultations auftrat, das Geld investierte, erfuhren die Anleger nie. Viele fragten aber auch nicht nach, solange ihre Investitionen vermeintlich fruchteten.

Der Angeklagte, der einst in Dresden Energiespar-Vorträge hielt, lockte die Anleger mit satten Gewinnmöglichkeiten. Ein Plus von monatlich sechs Prozent wäre jeweils möglich, hieß es. Das hatte sich wohl herumgesprochen. Es gab stetig Anfragen.

Manche zahlten sogar mehrmals ein, um noch bessere Rendite zu bekommen, meist in bar, teils ohne Quittung. Dann erhielten sie regelmäßig Abrechnungen, die hohe Zinsen und ein Guthaben von jeweils deutlich über 100 000 Euro vorgaukelten. Als einige von ihnen ihr Investiertes zurück wollten, flog der Schwindel auf.

Laut Verteidigung hatte der Angeklagte das Geld bei dem milliardenschweren Unternehmen Liberty Reserve mit Sitz in Costa Rica investiert. Über das Internet-Bezahlungssystem der Firma konnte man die Währungen US-Dollar als „Liberty Dollar“, Euro in „Liberty Euro“ sowie Gold als „LR-Gold“ aufbewahren, Zahlungen an andere Benutzer senden und empfangen.

Ein- und Auszahlungen erfolgten über dritte Anbieter, die dafür einen Anteil der Summe für sich behielten. So ließ sich Geld über Landesgrenzen hinweg auf Konten buchen – ohne Aufsicht von Behörden. Vorwürfe der Geldwäsche standen im Raum. Im Mai 2013 wurde der Betrieb des Online-Finanzdienstleisters eingestellt. Das US-Justizministerium soll Konten eingefroren haben. Der Geldfluss kam zum Erliegen und somit auch die Geschäfte des Bambergers.

Da Summen bei Liberty Reserve anonym transferiert wurden, lässt sich nicht nachweisen, dass der Angeklagte dort tatsächlich das Geld seiner Anleger eingezahlt hatte. Nachweisen muss das der Beschuldigte jedoch nicht. Da hier gar kein Betrug vorläge, plädierten seine Verteidiger auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft forderte indes zwei Jahre und sieben Monate Haft für den wegen ähnlicher Vergehen in Bayern bereits vorbestraften Angeklagten.

Das Gericht blieb bei seinem Urteil einen Monat unter dieser Forderung. Zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass der Bamberger seine Anleger betrog und mit deren Geld seinen Lebensunterhalt bestritt. Dazu zählte auch der Umstand, dass sich die Kunden selbst um die Versteuerung der – obendrein angeblich stetig wachsenden – Gewinne kümmern sollten. Nachweise dafür blieb er den Anlegern indes schuldig.

Darüber hinaus soll der Mann einem ebenfalls von ihm geprellten Unternehmer aus Klingenberg, der als Nebenkläger auftrat, Schadensersatz zahlen: 10 000 Euro plus Zinsen, die fünf Prozent über dem jeweils seit 2013 geltendem Zinssatz liegen.

Zudem soll der Bamberger trotz gesundheitlicher Probleme in Haft bleiben. Laut Gericht bestünde Fluchtgefahr. Er hatte mehrere Prozesstermine platzenlassen, ehe er vor rund vier Monaten in Bayern festgenommen wurde. Die Verteidigung will gegen den erneuten Haftbefehl Beschwerde einlegen – und geht in Berufung.