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Sonntag, 27.01.2013

Feuerhölle in Diskothek

Die Fassade des ausgebrannten Clubs „Kiss“ nach dem verheerenden Brand.
Die Fassade des ausgebrannten Clubs „Kiss“ nach dem verheerenden Brand.

© dpa

Brasilia. Inferno in einer brasilianischen Diskothek: Bei einem Brand in einem Nachtclub in der Stadt Santa Maria im Süden des Landes sind in der Nacht auf Sonntag mindestens 245 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 200 seien verletzt worden, teilten Polizei und Feuerwehr mit. Es habe lediglich ein Ausgang offen gestanden und die meisten Opfer seien auf der Flucht zu Tode getrampelt worden, zitierten lokale Medien Polizeimajor Cleberson Braida.

Die Leichen würden zur Identifizierung in eine örtliche Sporthalle gebracht, hieß es weiter. Die Brandursache wurde am Sonntag noch untersucht. Ermittler sagten lokalen Medien allerdings, das Feuer sei ausgebrochen, als die Band auf der Bühne ein Feuerwerk zündete. Jemand habe „Feuer“ gerufen und damit eine Panik ausgelöst, wurde die 22-jährige Michele Schneid zitiert. „Viele Leute sind zu den Toiletten gerannt und schließlich erstickt“, sagte die Kassiererin.

Die Zeitung „Diario de Santa Maria“ zitierte den 23-jährigen Ezekiel Corte Real, der nach eigenen Angaben den Menschen bei der Flucht half. „Ich bin bloß rausgekommen, weil ich sehr stark bin“, sagte er. Nach Schätzungen der Polizei waren zum Zeitpunkt des Unglücks rund 900 Menschen in der Diskothek.

Präsidentin Dilma Rousseff brach angesichts der Katastrophe ihren Besuch beim EU-Lateinamerika-Gipfel im chilenischen Santiago ab und kehrte nach Brasilien zurück. „Das ist eine Tragödie für uns alle“, sagte sie. „Aus offensichtlichen Gründen kann ich nicht weiter an dem Gipfel teilnehmen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte der brasilianischen Delegation, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich bestürzt über das Unglück. „Unsere Gedanken sind in diesem traurigen Moment bei den vielen Opfern und ihren Familien, Angehörigen und Freunden“, sagte er am Sonntag in Berlin.

Der Gouverneur des südbrasilianischen Staats Rio Grande do Sul, Tarso Genro, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Trauriger Sonntag.“ Er kündigte an, am Sonntag zum Unglücksort zu reisen.

In Santa Maria leben rund 250.000 Menschen. Die Universitätsstadt liegt im südlichen Zipfel von Brasilien in der Nähe der Grenze zu Argentinien und Uruguay. (dapd)

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