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Montag, 16.04.2018

Feueralarm im Kloster

Zwei Schwelbrände mussten im Kloster St. Marienthal bei der Übung bekämpft und Personen gerettet werden.

Von Rolf Hill

Bei der Feuerwehrübung im Kloster St. Marienthal mussten am Wochenende mit der Drehleiter Menschen gerettet werden. Wegen der starken Rauchentwicklung sind Atemschutzgeräteträger im Einsatz gewesen.
Bei der Feuerwehrübung im Kloster St. Marienthal mussten am Wochenende mit der Drehleiter Menschen gerettet werden. Wegen der starken Rauchentwicklung sind Atemschutzgeräteträger im Einsatz gewesen.

© Matthias Weber

Ostritz. Es ist Sonnabendmorgen, 8.30 Uhr. Gewohnte Ruhe liegt über dem Kloster St. Marienthal bei Ostritz und dem Internationalen Begegnungszentrum (IBZ). Doch das soll sich schnell ändern, denn vor wenigen Augenblicken wurde per Pieper Alarm für die Feuerwehren von Ostritz und auch die Ortswehren von Leuba und Dittersbach ausgelöst. „Es wird eine geplante Übung unter realen Bedingungen“, erklärt Stadtwehrleiter Matthias Franke.

Mit den für das kommende Wochenende in Ostritz geplanten Veranstaltungen habe das nichts zu tun. Dabei schaut er etwas missmutig zur Uhr, denn wertvolle Minuten verstreichen. Etwa 15 Minuten dauert es, bis die schweren Einsatzfahrzeuge das Gelände erreicht haben. Inzwischen hat Frankes Stellvertreter Maik Pfalz die Regie übernommen – für ihn, nach eigenen Worten, ist das eine Premiere. Er schildert die Ausgangslage: „Es handelt sich hier gleich um zwei Schwelbrände, die gleichzeitig bekämpft werden müssen. Der erste entwickelte sich hier drüben im Obergeschoss des Wohnhauses. Hier wird eine dreiköpfige Familie vermisst.“ Das ist der Aufgabenbereich für die Kameraden aus Ostritz und Leuba. Ähnlich ist die Lage in der Werkstatt in Richtung Neiße. Auch in dem Gebäude wird eine starke Rauchentwicklung angenommen und zudem zwei vermisste Bauarbeiter. Hier sind die Dittersbacher Feuerwehrleute vor Ort. Eigentlich sollte die Wehr aus dem Schönau-Berzdorfer Ortsteil Kiesdorf auch dabei sein, doch in letzter Minute kam eine Absage.

Für die festgelegten Führungskräfte entwickelt sich ein schwieriges und offenbar bisher wenig trainiertes Szenario. Besonders der Einsatzleiter hat es schwer, beide Orte gleichzeitig im Blick zu behalten. Da er befürchtet, dass die Rettung der Menschen trotz Einsatz schwerer Atemschutztechnik mit herkömmlichen Mitteln problematisch sein könnte, wurde inzwischen die Drehleiter der Feuerwehr Zittau zur Unterstützung angefordert.

Inzwischen werden die Löschwasserversorgungen installiert. Das geschieht im Fall des oberen Brandherdes vom Tanklöschfahrzeug und einem außerhalb gelegenen Hydranten und bei der Werkstatt direkt aus dem Fluss. Die Schläuche werden gefüllt, die Verteiler aber bleiben geschlossen. Nachdem bereits der Angriffstrupp das Wohnhaus betreten und die Lage sondiert hat, beginnt gegen 9.20 Uhr die Bergung der aufgefundenen Personen mit einer Drehleiter. Dabei geht zuerst beim Öffnen des Fensters von innen eine Scheibe zu Bruch. Wenig später schlägt der Korb mit der Plattform etwas heftig auf das Dach. Mehrere Ziegel bersten bei dem Aufprall. Als die gerettete Familie im Betreuungsraum versorgt wird, ist die Drehleiter vor der Werkstatt postiert. Auch hier wird einer der Bauarbeiter durch das Fenster im Obergeschoss evakuiert. Der zweite konnte auf normalem Wege geborgen werden.

Nach rund einer Stunde ist die Übung abgeschlossen. Maik Pfalz lässt die etwa 30 eingesetzten Kameraden antreten und beginnt mit der Auswertung. Grundsätzlich sei das Ziel der Übung erfüllt worden, stellt er fest. Die vermissten Personen wurden alle gerettet, die beiden Brandherde lokalisiert und gelöscht. Auch die Mängel spricht der Einsatzleiter an. So habe es von Anfang an gewisse Unsicherheiten gegeben, wozu auch der instabile Funkverkehr beigetragen habe. Das Fehlen von erfahrenen Führungskräften sowie der Kiesdorfer Ortswehr habe sich ebenfalls negativ ausgewirkt. Sein Fazit: „Ich glaube, dass wir so etwas viel öfter trainieren sollten.“