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Samstag, 19.03.2016

Fest auf Beton gebaut

Die Kobra Formen GmbH aus Lengenfeld im Vogtland ist in einer kleinen Nische zum Weltmarktführer gereift.

Von Marco Henkel

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Kobra-Geschäftsführer Holger Stichel zeigt, dass Betonsteine heute Natursteinen erstaunlich ähnlich sehen können. Fotos: Thomas Kretschel
Kobra-Geschäftsführer Holger Stichel zeigt, dass Betonsteine heute Natursteinen erstaunlich ähnlich sehen können. Fotos: Thomas Kretschel

© kairospress

  • Kobra-Geschäftsführer Holger Stichel zeigt, dass Betonsteine heute Natursteinen erstaunlich ähnlich sehen können. Fotos: Thomas Kretschel
    Kobra-Geschäftsführer Holger Stichel zeigt, dass Betonsteine heute Natursteinen erstaunlich ähnlich sehen können. Fotos: Thomas Kretschel
  • Diesen und weitere Artikel über die sächsische Wirtschaft und ihre Macher finden Sie in der neuen Ausgabe von „Wirtschaft in Sachsen“ – dem Entscheidermagazin der Sächsischen Zeitung. Sie bekommen es ab sofort an Zeitungskiosken und in Bahnhofsbuchhandlungen.
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Noch ist unterhalb des Firmengeländes der Kobra Formen GmbH nur grüne Wiese. Doch nicht mehr lange. Auf den 22 000 Quadratmetern soll eine neue Produktionshalle entstehen. Es wäre die achte des mittelständischen Unternehmens im vogtländischen Lengenfeld.

Der zusätzliche Platz wird dringend benötigt: „Wir haben zuletzt schon unsere Maschinen neu angeordnet, um Platz für zusätzliches Gerät zu schaffen“, erzählt Holger Stichel, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter. Doch auch dieser Kniff reichte nicht. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. „Von der Nachfrage her könnten wir uns auf einen Schlag verdoppeln. Aber wir wachsen lieber kontinuierlich“, schiebt Stichel nach. Als Ziel peilt er jährlich zwischen fünf und zehn Prozent Wachstum an. Im vergangenen Jahr waren es rund acht.

Etwa 52 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen 2015 mit seinen Stahlformen für die Betonwarenindustrie. Hergestellt werden mit den Formen aus Lengenfeld alle Arten von Betonsteinen – vom klassischen viereckigen Pflasterstein, wie er in jedem zweiten Hof liegt, über den Bord-, Begrenzungs- und Rasengitter- bis zum Hohlblockstein. Dazu kommen verschiedene Oberflächen-Varianten, die heute die Beschaffenheit von Natursteinen verblüffend genau imitieren können. „Der Fantasie sind quasi keine Grenzen gesetzt. In unseren Computern schlummern die Vorlagen für 33 000 verschiedene Steine“, erzählt Holger Stichel.

Mit seinem Umsatz und einer Exportquote von 70 Prozent ist die Kobra Formen GmbH auf ihrem Gebiet zum Weltmarktführer aufgestiegen. „Natürlich stellen wir ein totales Nischenprodukt her, aber wir können etwas, das sonst niemand kann“, sagt Stichel selbstbewusst. Doch er weiß auch, dass er sich auf dem derzeitigen Erfolg nicht ausruhen kann. Die Branche, in der Kobra unterwegs ist, ist übersichtlich. „Weltweit gibt es vielleicht 6 000 Hersteller von Betonsteinen, davon rund 1 200 in Deutschland und den Benelux-Ländern.“ Kobra befindet sich so in einem ewigen Rennen um Marktanteile und Kunden. Dabei versuche man nicht mit Preisdumping zu punkten, sondern durch Qualität, betont Stichel. „Das ist der schwerere Weg, weil wir nicht billig sind.“

Laut Stichel versucht das Unternehmen, seine Produkte immer weiter zu verbessern. So wurde zuletzt etwa die Haltbarkeit der zwischen 6 000 und 45 000 Euro teuren Formen verdoppelt. Um die Qualität weiter hochzuhalten und zusätzlich die Produktion auszubauen, investieren die Vogtländer jährlich zwischen drei und fünf Millionen Euro in die Modernisierung ihres Maschinenparks, dessen Herzstück drei Öfen zum Aushärten der Formen sind. „Die laufen das ganze Jahr durch und verbrauchen so viel Erdgas wie die Stadt Auerbach“, erklärt Stichel.

Auch der Verbrauch des eigens im Saarland hergestellten Stahls ist enorm. Pro Jahr benötigt Kobra rund 10 000 Tonnen davon. Rund die Hälfte davon wird durch das Ausfräsen der Formen zum Abfall – der natürlich wieder eingeschmolzen werden kann.

Darüber hinaus investieren die Vogtländer auch in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Derzeit beschäftigt das Unternehmen zwischen 25 und 30 Auszubildende. Stichel: „Wir können hier Spezialwissen vermitteln, das man in keiner Schule lernen kann. Es ist natürlich auch eine große Aufgabe, dieses Wissen zu erhalten.“

Das hat dazu geführt, dass heute bereits über ein Drittel der Belegschaft in der Kobra-eigenen Lehrwerkstatt eine Ausbildung erhalten hat. „Nur so können wir Innovations- und Qualitätsführer bleiben. Es ist einfacher, Jäger zu sein als der Gejagte.“

Die Rolle als Gejagter hat Kobra noch nicht lange inne. Wie bei vielen Unternehmen in Sachsen beginnt die Firmengeschichte erst kurz nach der Wende. Damals kommt Firmengründer Rudolf Braungardt, dessen Sohn Jürgen heute mit Stichel die Firma leitet, aus der Nähe von Ulm zufällig nach Lengenfeld. Er arbeitet als Betriebsleiter für den bis heute größten Konkurrenten der Kobra Formen GmbH, träumt aber von seiner eigenen Firma.

Im Lengenfelder Industriegebiet stößt Braungardt auf eine relativ neue Halle, die er schließlich von der Treuhand erwirbt. 1991 gründet er mit einem Geschäftspartner die Kobra Formen GmbH. Vom ersten Jahr an schreibt die Firma schwarze Zahlen. Die Belegschaft, die zunächst aus 30 Mitarbeitern besteht, wächst kontinuierlich. Heute beschäftigt man rund 350 Leute – davon rund 300 in Lengenfeld. „Wir haben nirgendwo auf der Welt eine verlängerte Werkbank“, so Stichel. „Wir produzieren im Vogtland.“

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