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Freitag, 04.01.2013

Fed-Notenbankpolitik vor Kehrtwende - interne Kritik

Überraschung bei der Fed: Einige US-Zentralbanker haben anscheinend Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen und wollen die Notenpresse lieber früher als später wieder anhalten. Hintergrund sind die Nebenwirkungen der umstrittenen Geldpolitik.

Das Gebäude der US-Notenbank in Washington (Symbolfoto).
Das Gebäude der US-Notenbank in Washington (Symbolfoto).

© dpa

Washington. Die US-Notenbank Federal Reserve könnte ihre milliardenschweren Anleihekäufe zur Konjunkturstützung früher als erwartet beenden. Die Zentralbank hatte ihre Geldschleusen erst vor einem Monat noch weiter geöffnet. Zeitgleich jedoch setzte im geldpolitischen Ausschuss der Fed eine Diskussion über den Ausstieg aus den Anleihekäufen ein. Dies zeigt das am späten Donnerstagabend veröffentlichte Protokoll zur jüngsten Zinssitzung im Dezember. Man sei sich uneinig gewesen, ob das Anwerfen der Notenpresse in dieser Form bis Ende 2013 nötig sei oder schon früher beendet werden solle.

Mehrere Mitglieder hielten es für angemessen, die Käufe deutlich vor dem Jahresende zu stoppen oder zu reduzieren. Sie befürchten schädliche Nebenwirkungen des Kaufprogramms, das als historisch einmalig gilt. Die deutliche Kritik wurde von den Finanzmärkten als Überraschung gewertet. Einige Vertreter wollten laut dem Protokoll die Käufe jedoch bis zum Jahresende fortsetzen, während andere Mitglieder gar keinen Zeitrahmen nannten.

Die US-Notenbank hatte im Dezember ein neues Programm zum Kauf von Staatsanleihen zur Stützung der Konjunktur beschlossen. Zinssenkungen, die klassische Maßnahme zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums, sind nicht mehr möglich, da der Leitzins bereits praktisch bei null liegt.

Ab diesem Januar wird die Fed jeden Monat für 45 Milliarden US-Dollar (34,3 Mrd. Euro) Rentenpapiere kaufen. Dadurch sollen Unternehmen und Verbraucher ermuntert werden, in andere Anlageklassen zu investieren oder Kredite aufzunehmen. Mit dem neuen Programm sind die regelmäßigen monatlichen Anleihekäufe auf insgesamt 85 Milliarden Dollar gestiegen.

Einige Experten vermuten, dass die Notenbanker zusehends vor den Gefahren ihrer expansiven Geldpolitik zurückschrecken. Die Volkswirte der Commerzbank etwa mutmaßen, die Fed könnte „Angst vor der eigenen Courage“ bekommen. Viele Ökonomen - nicht zuletzt aus den USA - warnen seit langem, dass die Geldschwemme der Fed ähnliche Blasen heraufbeschwören könnte wie die, die als Auslöser der schweren Finanz- und Bankenkrise 2008 gelten.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren Grund, warum die Fed bereits jetzt über ein Ende ihrer Anleihekäufe nachdenkt: die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Obwohl die Arbeitslosigkeit in den USA immer noch ungewöhnlich hoch ist, hat sich die Lage am Jobmarkt in den letzten Monaten zusehends gebessert. Erst im Dezember hatte die Fed ihre Geldpolitik faktisch an die Lage am Stellenmarkt gekoppelt. Spätestens seitdem gilt die Arbeitslosigkeit als wichtigste Orientierungsgröße für die amerikanische Geldpolitik. (dpa)

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