Der SZ-Gerichtsreport Samstag, 17.11.2012

Falscher Doktor

Ein langjähriger Betrüger soll sich das Vertrauen von Homosexuellen erschlichen haben, um mit deren Daten an Kredite zu kommen.

Von Alexander Schneider

Wegen einer schamlosen Betrugsserie in der Homosexuellen-Szene und einer Reihe weiterer Taten muss sich ein 44-jähriger Angeklagter seit Freitag am Amtsgericht Dresden verantworten. Dirk B. soll zwischen 2007 und 2009 zwei Männer aus Dresden um einige Tausend Euro erleichtert haben, indem er deren Kontodaten für eigene Zwecke genutzt habe.

Laut Anklage beglich er etwa Spielschulden im Internet über Abbuchungen von den Konten der Geschädigten. Außerdem habe er mit deren Daten bei Onlinebanken Kreditkarten erworben und den Dispo-Rahmen dann abgeräumt. Für einen Geschädigten aus Cottbus habe der 44-Jährige eine Opferrente beantragt – und mehr als 5000 Euro auf sein Konto umgeleitet. Weiter soll B. unter zahlreichen falschen Identitäten Konten eröffnet und die Kreditlinien ausgereizt haben. So gab er sich mehrfach als Doktor oder Pathologe aus Düsseldorf aus. Der Gesamtschaden, um den es in diesem Prozess geht, liegt im fünfstelligen Bereich. Dirk B. wird unter anderem gewerbsmäßiger Betrug in 18 Fällen vorgeworfen.

Ein geschädigter Rentner (72) sagte, er habe Dirk B. in der Bar „Boys“ in der Alaunstraße kennengelernt. Der angebliche „promovierte Jurist“ habe ihm seine Hilfe angeboten, etwa beim Abschluss eines Handyvertrages. Später habe der Rentner unbekannte Abbuchungen auf seinen Kontoauszügen festgestellt – darunter für Glücksspiele im Internet. „Im Internet war ich nie“, sagte der Rentner. Er sei technisch nicht bewandert, habe sich nach der Wende gerade mal eine elektrische Schreibmaschine geleistet.

Ein anderer Zeuge sagte, Dirk B. habe sich ihm als Jugendrichter aus Berlin vorgestellt. Er habe 2007 einige Monate bei ihm gewohnt – auf seinen Namen habe B. dann Kreditkarten bestellt und eingesetzt.

Der Angeklagte machte keine Angaben. Jurist ist er nicht, aber Erfahrung hat er schon mit dem Strafrecht: nämlich weit über ein Dutzend einschlägige Vorstrafen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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