erweiterte Suche
Mittwoch, 27.02.2013

Falsch gestempelte Eier führen Ermittler nach Sachsen

Der Freistaat ist großer Ei-Produzent. Jetzt werden Hühner zum Fall für den Staatsanwalt.

Jedes elfte deutsche Ei kommt aus Sachsen. Gestern haben die Ermittlungen aus dem führenden Eier-Produktionsland Niedersachsen auch den Freistaat erreicht, der 900 Millionen Eier pro Jahr produziert. Sachsen liegt mit dieser Menge auf Rang 2 in Deutschland, etwa gleichauf mit Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Der Verdacht: In Legeställen in Sachsen und in acht anderen deutschen Ländern werden mehr Hühner gehalten als erlaubt und gemeldet. Ihre Eier erhielten möglicherweise Stempel mit der Nummer 1 für „Freilandhaltung“ oder mit der Nummer 2 für „Bodenhaltung“, obwohl sie die Vorschriften dafür nicht erfüllten. Nach dem Stempel richtet sich der Preis: In einem Dresdner Supermarkt kostet die Zehnerpackung Eier 1,29 Euro bei Bodenhaltung, 1,59 bei Freilandhaltung und 2,55 Euro, wenn die Bio-Anforderungen erfüllt sind.

Die Oldenburger Oberstaatsanwältin Frauke Wilken sagte gestern, es gehe „ausschließlich um Überbelegung“ von Ställen. Wilken widersprach dem Verdacht, es seien Käfig-Eier fälschlich als Bio-Eier deklariert und mit dem Bio-Stempel 0 versehen worden. In Niedersachsen geht es um etwa 150 Fälle. Wilken berichtete gestern, die Oldenburger Staatsanwaltschaft habe etwa 50  Fälle in andere Bundesländer abgegeben, auch nach Sachsen.

Welche Staatsanwaltschaft zwischen Leipzig und Görlitz dabei Akten bekam, konnte die Oberstaatsanwältin der SZ am späten Nachmittag nicht sagen. Auch in sächsischen Behörden war noch nicht mehr bekannt. „Wir wissen noch von nichts, kümmern uns aber um Auskünfte“, sagte Agrarminister Frank Kupfer (CDU).

Niedersachsens neuer Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sagte, es gebe „einen Legehennen-Skandal, keinen Bio-Eier-Skandal“. Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein Zivilverfahren vor dem Osnabrücker Landgericht. Dabei war aufgefallen, dass ein Landwirt aus dem Emsland statt der im Biostall erlaubten 12 000 Junghennen 15 000 Tiere hielt.

In Sachsen gibt es 488 Legehennenbetriebe, von denen die meisten Freilandhaltung angeben und 25 Ökohaltung. Die sieben größten Betriebe halten jeweils mehr als 100 000 Tiere, etwa Landkost Ei in Radeburg. Laut Agrarministerium in Dresden gab es voriges Jahr 600 Kontrollen von Ställen und Packstellen. In der Regel kontrolliere das zuständige Landesamt jährlich jeden Betrieb, nach Ankündigung. Dabei werden laut Ministerium vor allem Papiere geprüft, aber nicht Hühner gezählt. Der Berufsverband der Lebensmittelkontrolleure forderte gestern mehr Personal. (SZ/mz/dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.