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Fahrradhändler braucht mehr Platz

Von West nach Ost: Stefan Wiesner zieht mit seinem Bikepoint ans andere Ende von Bautzen.

03.03.2018
Von Madeleine Siegl-Mickisch

ndler braucht mehr Platz
Noch deutet nur die Aufschrift auf dem Firmentransporter darauf hin, was sich auf dem Gelände neben der Aral-Tankstelle an der Muskauer Straße tut: Stefan Wiesner plant hier einen Neubau für seinen Fahrradladen Bikepoint.

© Uwe Soeder

Bautzen. Das Grundstück neben der Aral-Tankstelle lag bisher richtig gut versteckt. Wer auf der Muskauer Straße dran vorbeifuhr, sah nur eine dichte Baumreihe. Die ist jetzt – zumindest zur Hälfte – verschwunden. Dahinter wird sich bald was tun. Hier entsteht ein neuer Fahrradladen. Stefan Wiesner zieht mit seinem Geschäft quasi von einem ans andere Ende der Stadt.

Mit seinem Bikepoint ist er bisher an der Schliebenstraße ansässig. Doch dort, auf dem Gelände eines früheren Autohauses, reicht ihm der Platz nicht mehr. Das Geschäft läuft gut, „vor allem der E-Bike-Bereich wächst extrem“, sagt Wiesner. Und das durch alle Altersklassen. Selbst E-Mountainbikes würden immer öfter gekauft. Dazu kommt: Die Fahrradhersteller hätten heute oft sehr lange Lieferfristen. Damit die Kunden möglichst trotzdem nicht lange auf ihr Wunschrad warten müssen, „versuchen wir, selbst viele Modelle vorzuhalten“. Doch dafür braucht es Lagerfläche, auch die fehle an der Schliebenstraße.

Stefan Wiesner hat sich daher schon seit Längerem in Bautzen nach einem neuen Standort umgesehen, zunächst erfolglos. Hilfreich sei schließlich der Kontakt zur Wirtschaftsförderung im Rathaus gewesen. Dort habe er den Tipp bekommen, dass die versteckte Fläche zwischen Aral-Tankstelle und Marienfriedhof zum Verkauf steht. Noch am selben Tag habe er sich mit dem Immobilienmakler vor Ort getroffen. Nun gehört gut die Hälfte des bisher brachliegenden Areals ihm. Wahrscheinlich im April oder Mai soll es mit dem Bau losgehen. Wiesner nimmt damit bereits seinen dritten Neubau in Angriff. Erst vor einem Jahr hat er in Görlitz einen neuen Laden und damit seinen dritten Standort eröffnet. Gegründet hat er sein Geschäft 2002 in Hoyerswerda. Der 43-Jährige stammt von dort, wohnt aber mittlerweile schon seit einigen Jahren in Großpostwitz. „Wenn es in einer Stadt noch keinen richtigen Fahrradladen gab, dann war es Hoyerswerda“, erklärt er rückblickend, warum er dort in die Selbstständigkeit startete.

Laden ist zu klein geworden

Dann kam in Bautzen eine zweite Filiale dazu – ein relativ kleiner Laden in der Wendischen Straße. Die Entscheidung dafür bezeichnet Wiesner heute als Reinfall. Zu wenig Verkaufsfläche, keine Parkplätze und keine Möglichkeit für die Kunden, das ausgewählte Rad gleich vorm Laden zu testen. Also folgte 2010 der Umzug an die Schliebenstraße. Seitdem stehen Fahrräder verschiedener Hersteller statt Chrysler-Modelle im Verkaufsraum des ehemaligen Autohauses. Damit hatte die Bautzener Bikepoint-Filiale gleich dreimal so viel Platz wie zuvor, doch nun sei sie eben wieder zu klein. Ein Neubau habe zudem den Vorteil, sich nach den eigenen Vorstellungen einrichten zu können. In Görlitz und Hoyerswerda, wo Wiesner zehn Jahre nach seinem Start auch in ein neu errichtetes Objekt gezogen ist, habe er damit sehr positive Erfahrungen gemacht. Auch wenn vorher immer einige Genehmigungshürden zu nehmen waren.

Ein Hindernis gab es zunächst auch in Bautzen: Hier regelt ein Bebauungsplan den „Schutz zentraler Versorgungsbereiche“. In einem festgelegten Gebiet dürfen sich Händler mit bestimmten Sortimenten – auch Fahrräder gehören dazu – nur in der Innenstadt oder in den Einkaufszentren Husarenhof und Kaufland ansiedeln. Vor einigen Jahren hatte das zu großen Diskussionen geführt, weil aufgrund dieser Regelung die Erweiterung des Netto- und des Expert-Marktes an der Dresdner Straße mehrfach abgelehnt wurde.

Doch diesmal sah es anders aus: Der Bauausschuss des Stadtrates gab einstimmig sein Okay. Auch die Verwaltung warb – anders als einst bei Netto und Expert – dafür, eine Ausnahme zu genehmigen. Ein Gutachten habe ergeben, dass der Neubau des Fahrradmarktes an der Muskauer Straße mit den städtebaulichen Zielen – eben dem Schutz des innerstädtischen Handels – zu vereinbaren ist, hatte Stadtplanerin Birgit Uhlig in der Ausschusssitzung erläutert. Mit der geplanten Größe von 650 Quadratmetern gelte der Markt noch nicht als großflächiger Einzelhandel.

Stefan Wiesner kann nun also loslegen. Im nächsten Winter hofft er, umziehen zu können. Der dritte soll aber der letzte Neubau sein, sagt er. Er habe zwar schon Anfragen für weitere Standorte bekommen, aber stets abgelehnt. Mehr als drei Filialen, in denen insgesamt 20 Leute arbeiten, sollen es nicht werden. Dafür will er, wenn das Bauen dann mal durch ist, auch Fahrradevents bis hin zu Radreisen veranstalten.