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Dienstag, 18.06.2013

Facettenreiches Gedenken an den 17. Juni 1953

Eine neue Veranstaltung hat überraschend viele Zuhörer angelockt. Bei einer rechten Demo in der Innenstadt blieb es am Abend friedlich.

Von Juliane Richter, Tobias Wolf und Alexander Schneider

Demonstration und Gegendemonstration

Auch mit Seifenblasen demonstrierten zahlreiche junge Menschen gegen die NPD-Kundgebung am Postplatz. Foto: K.-L. Oberthür
Auch mit Seifenblasen demonstrierten zahlreiche junge Menschen gegen die NPD-Kundgebung am Postplatz. Foto: K.-L. Oberthür

Geschichte hat viele Facetten und Töne. Mal plätschern die Ereignisse leise und nahezu unbemerkt dahin, mal erfüllen Wut und Gewalt schrill die Luft. Eine eigens arrangierte musikalische Lesung der Staatsoperette Dresden hat diese Vielfalt gestern eindrucksvoll verdeutlicht.

Demonstration und Gegendemonstration

Zum 60. Jahrestag des Volksaufstandes der DDR hatte die Stadt diesmal nicht an das Mahnmal, die Panzerkette auf dem Postplatz, geladen. Diesmal wurde im Festsaal der Dreikönigskirche an die Ereignisse des 17. Juni 1953 erinnert. Das klagende Spiel des Streichquartetts der Staatsoperette wurde ergänzt durch einen Dialog von Staatsoperetten-Intendant Wolfgang Schaller und Regisseur Andreas Schwarze. Im Wechselspiel aus historischen Zitaten und analysierender Einordnung haben sie den Zuhörern nahegebracht, wie der Aufstand vor 60 Jahren in Dresden verlief. Sie haben erzählt, wie die Sachsenwerker aus Niedersedlitz mit ihren Forderungen nach freien und geheimen Wahlen oder dem Rücktritt der Regierung in die Innenstadt zogen und sich ihnen auf dem Weg das Ensemble der Staatsoperette anschloss.

900 Polizisten sichern Demo ab

„Die handelnden Personen von 1953 dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos). Der polnische Historiker Krzysztof Ruchniewicz berichtete abschließend über die Auswirkungen des Aufstandes auf die polnischen Nachbarn. Die Idee einer Neuerung des Gedenkens scheint geglückt. Mehr als 100 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil.

Während sich viele von ihnen im Anschluss auf den Rundgang zu den historischen Stätten machten, versammelten sich am Abend mehrere Dutzend Neonazis am Postplatz. Dort protestierten mehrere Hundert Menschen gegen die NPD-Versammlung – betont friedlich, aber extrem lautstark und nur durch einen Zaun von den Rechten getrennt.

Mehr als 150 Neonazis marschierten schließlich über die Freiberger-, Ammon- und Reitbahnstraße und zurück zum Denkmal am Postplatz. Rund 900 Uniformierte sicherten die Runde durch die Wilsdruffer Vorstadt ab. Sie sorgten dafür, dass sich die gegnerischen Lager nicht zu nahe kamen. Es gab vereinzelte Versuche von Sitzblockaden in der Ammonstraße und vor der Centrum-Galerie. Die Beamten zerrten die Störer sofort von der Straße, um eine größere Menschenansammlung schon im Ansatz zu verhindern. In der Folge kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei. Kurz nach 20 Uhr war der rechte Aufmarsch beendet. Nach Angaben der Polizei verlief die Demo ohne nennenswerte Zwischenfälle.