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Montag, 24.04.2017

Extrem, extremer, Treppenlauf

Beim Höhenmarathon an der Radebeuler Spitzhaustreppe mussten die Läufer sogar mit Eisschauern kämpfen.

Von Nina Schirmer

Der Treppenlauf 2017

Schon am Sonntagmittag war ihm der Tagessieg nicht mehr zu nehmen. Am Ende schaffte Stefan Wilsdorf aus Jena (hier beim Aufstieg) 135 Runden innerhalb von 24 Stunden. Eine Runde sind 88,48 Meter Aufstieg und 88,48 Meter Abstieg sowie eine Strecke von 843,9 Metern.
Schon am Sonntagmittag war ihm der Tagessieg nicht mehr zu nehmen. Am Ende schaffte Stefan Wilsdorf aus Jena (hier beim Aufstieg) 135 Runden innerhalb von 24 Stunden. Eine Runde sind 88,48 Meter Aufstieg und 88,48 Meter Abstieg sowie eine Strecke von 843,9 Metern.

© Arvid Müller

Radebeul. Schritt für Schritt, Stufe um Stufe. Es muss wehtun. Der Läufer mit der blauen Steppjacke stützt die Hände in den Rücken. Er versucht wohl, den Schmerz etwas abzufedern. Ein anderer ist gerade wieder oben angekommen. Peter steht auf seiner Startnummer. „Sie sehen noch richtig gut aus“, ruft ihm eine Zuschauerin aufmunternd zu. Peter winkt ab.

Sonntag, 13 Uhr an der Spitzhaustreppe: Es ist ein trügerisches Bild, das sich um diese Zeit beim Sächsischen Mount Everest Treppenmarathon zeigt. Da sind die schnellen Staffelflitzer, die in rasantem Tempo die Treppe herunter jagen. Auch hochwärts geht’s im Laufschritt. Und da sind die Langsamen, die sich am Geländer festhalten. Angestrengt, ja gequält, wirken sie. Doch diese Läufer sind die eigentlichen Helden des Wettkampfs. Denn Peter und die anderen 59 Einzelstarter sind schon eine gefühlte Ewigkeit auf der Treppe.

22 Stunden zuvor: Von Müdigkeit ist nichts zu spüren kurz vor dem Start zum 13. Treppenlauf. 100 Runden – 397 Stufen runter und wieder hoch – wollen die Starter schaffen. Dafür haben sie 24 Stunden Zeit. Die ganz Harten rennen auch nach der 100. Runde weiter. Wer innerhalb eines Tages die meisten Runden schafft, gewinnt das Rennen. Stephan Leischner aus Grumbach bei Wilsdruff will einfach nur durchhalten. Er ist zum ersten Mal dabei. Seit Weihnachten hat er sich auf diesen Tag vorbereitet. „Ich bin jedes Wochenende an die Treppe zum Trainieren gekommen“, sagt er. Kurz vor dem Start steigt die Nervosität. Die Schaulustigen ringsherum haben sich mit Bier und Bratwurst eingedeckt. Ob er jetzt auch lieber in dieser Runde stehen würde? „Nein“, sagt Stephan. „Ich will, dass es jetzt losgeht.“ Seinen Ehrgeiz hat sein Bruder geweckt. Daniel Leischner ist im letzten Jahr mitgerannt und hat die 100 Runden geschafft. „Es war eine tolle Erfahrung“, erinnert er sich. Auch wenn er danach erst mal drei Tage nicht mehr richtig gehen konnte.

Hartes Training ist nötig

Die meisten Läufer sind kurz vor dem Start noch im Zelt. Draußen ist es zu kalt. Manche trippeln auf und ab, machen sich warm. Es geht wohl auch darum, die Nervosität in den Griff zu kriegen. Andere prüfen ein letztes Mal ihre Laufklamotten. „Wo ist meine Vaseline?“, ruft eine Frau ihrem Begleiter zu. „Falls ich die nachher brauche.“ Auch das ist harte Realität bei einem so langen Lauf: Man kann sich wund reiben. Unter den Achseln, zwischen den Beinen. Der Treppenmarathon zählt nicht umsonst zu den Extremläufen.

Der Treppenlauf 2017

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Sieger bei den Männern ist Stefan Wilsdorf aus Jena. Er schaffte in 24 Stunden 135 Runden.

Bei den Frauen gewinnt Antje Müller aus Rötha mit 110 Runden.

Das schnellste Dreier-Team ist der Citylauf-Verein Dresden bei den Männern und Team Athletik 45 bei den Frauen.

Einen neuen Rundenrekord stellte Robin Duhna auf: 4:26 Minuten.

Zum ersten Mal ging auch ein Japaner an den Start. Hiroshi Ando schafft die 100 Runden trotz Jetlag.

Doch eine extreme Erfahrung wollen die Läufer schließlich. Marc Slongo ist dafür extra aus Luxemburg nach Radebeul gereist. Zweimal hat er in den vergangenen Jahren die 100 Runden schon geschafft. Zweimal musste er auch vorher aufgeben. Bis zu achtmal die Woche trainiert der 48-Jährige, der auch regelmäßig an Marathons und Trailläufen teilnimmt. Kurz vor vier geht’s an die Startlinie. „Um 11 hab ich einen Tisch bestellt“, scherzt noch einer der Läufer. „Bis dahin muss ich fertig sein.“ Startschuss.

Den Rekord hält Andreas Allwang. Der Bayer schafft 2015 in 24 Stunden 156 Runden. Das toppt in diesem Jahr niemand. Bei so einem Wetter ist das auch kaum möglich. Die Läufer müssen mit starkem Wind und immer wieder mit Regen kämpfen. Am Sonntagvormittag ergießt sich sogar ein Eisschauer über ihre Köpfen.

Kurz nach 13 Uhr geht Stephan Leischner in seine 100. Runde. Er hat es geschafft. Durchgehalten. Der Zwillingsbruder musste nach 55 Runden aufgeben. Während Stephan Leischner schon zum Auto geht, kämpfen andere tapfer weiter. Noch zwei Stunden bleiben ihnen.