erweiterte Suche
Donnerstag, 23.06.2016

Experimente stoppen

Die Landtags-Abgeordneten streiten hitzig über neue Strategien für die Manufaktur Meissen. Einer war zu hitzig.

Von Nina Schirmer

Aus der Masse hervorstechen oder alltagstauglich sein? Vielleicht wird das Meissener Porzellan bald nicht mehr ausschließlich per Hand bemalt.
Aus der Masse hervorstechen oder alltagstauglich sein? Vielleicht wird das Meissener Porzellan bald nicht mehr ausschließlich per Hand bemalt.

© kairospress

Dresden/Meißen. Wer ist der am besten angezogene Abgeordnete im Sächsischen Landtag? Nach Meinung von Peter Wilhelm Patt (CDU) muss sich sein Kollege Sebastian Scheel von den Linken nur mit Platz zwei zufrieden geben. Trotzdem könne Scheel seine Luxus-Attitüde auch einmal auf die Manufaktur Meissen ausweiten und dort Porzellan einkaufen, findet Patt. So würde er dem Betrieb wenigstens helfen, anstatt ihn zu schädigen.

Was der Marke Meissen schadet und was nicht – darüber gingen die Meinungen am Mittwochvormittag bei einer Aktuellen Stunde im Landtag weit auseinander. Eingebracht hatte das Thema die Fraktion der Linken. Unter dem Titel „Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen – Tradition stärken, Vertrauen wieder herstellen, Experimente beenden!“ wollte die Partei über den künftigen Kurs des Unternehmens diskutieren. Ausgangspunkt für den Unmut der Linken ist eine Ankündigung von Meissen-Chef Tillmann Blaschke, in Zukunft nicht nur handbemaltes, sondern auch maschinell bedrucktes Porzellan zu produzieren. Das bedruckte Tafelgeschirr ist spülmaschinenfest und im Preis um die Hälfte günstiger. In den nächsten Wochen soll der Aufsichtsrat über einen Kurswechsel entscheiden. Blaschkes Vorgänger Christian Kurtzke hatte versucht, die Manufaktur zu einem Luxuskonzern umzubauen und war gescheitert. Allein 2014 entstand ein Verlust von 19,2 Millionen Euro.

Linken-Abgeordneter Scheel bezeichnete diesen Kurs hin zum Luxuslabel am Mittwoch als kindlichen Übermut. Wer glaubte, sich mit den Großen der Branche messen zu können, müsse von irgendetwas in Meißen zu viel getrunken haben, so Scheel. Von einer Billigproduktion will er jedoch erst recht nichts wissen. Er forderte im Landtag eine Rückbesinnung auf hochwertiges Porzellan und künstlerische Aufbereitung. „Wenn handbemaltes Porzellan zu industrieller Tischware verkommt, schädigen Sie das Image der Manufaktur“, sagte er an die Landesregierung gewandt.

Auf den Kern zurückführen

Mario Pecher von der SPD entgegnete, dass er sehr gern seinen Kaffee aus Meissener Porzellan trinken und die Tassen anschließend in der Spülmaschine waschen würde. Das hochwertige Image von Meissen sei es wert, auch auf Gebrauchsgegenstände übertragen zu werden. Anders sah das Grünen-Abgeordnete Franziska Schubert. „Entweder man will Gebrauchsgegenstände oder man will Meissener Porzellan“, antwortete sie. Beides passe nicht zusammen. Die Manufaktur müsse auf ihren Kern zurückgeführt werden: handbemaltes Porzellan. Zweifelhafte Expansionsstrategien auf dem asiatischen und italienischen Markt müssten gestoppt werden, so Schubert.

Für die CDU stand derweil fest: Die Intervention von Linken-Mann Scheel schade dem Image der Marke Meissen. Man dürfe Investitionen in die Zukunft nicht entgegenstehen. „Meissen darf nicht als politischer Spielball verkommen“, sagte Daniela Kuge. Sie als Meißner Wahlkreisabgeordnete sei in Wirklichkeit diejenige, die sich schützend vor die Manufaktur stelle. Frauke Petry, Parteivorsitzende der sächsischen AfD, sprach sich für eine Teilprivatisierung der Manufaktur aus, um das defizitäre Wirtschaften zu beenden. Porzellan mache Meissen aus und nicht Handtaschen und Krawatten, so Petry.

Dass die Diskussion von Anfang an hitzig geführt wurde, lag nicht zuletzt an den Anfangsworten von Sebastian Scheel. Er hatte, mit Verweis darauf, lediglich einen ehemaligen Bundesminister zu zitieren, den Präsidenten des Sächsischen Landtages als „Arschloch“ bezeichnet.

Es folgten Empörungsrufe im Parlament. Danach sah sich Scheel vielen persönlichen Anreden der Abgeordneten ausgesetzt. CDU-Mann Patt sagte, Scheel erinnere ihn in seinem grauen Anzug an einen Elefanten. Und den könne man in der Porzellanmanufaktur nicht gebrauchen. Dem entgegen standen die abschließenden ruhigen Worte von Finanzminister Georg Unland (CDU). Wichtige Strategieentscheidungen seien noch nicht getroffen, sagte er. Im Vordergrund bei allen Überlegungen stände der Erhalt des kulturellen Erbes und der Arbeitsplätze in der Manufaktur.