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Dienstag, 13.02.2018 Gerichtsbericht

Es wird eng für Sara K.

Trotz Bewährungsstrafe beging eine alkoholabhängige Freitalerin weitere Straftaten. Trotzdem erwartet sie Nachsicht.

Von Yvonne Popp

Auf dem Netto-Parkplatz an der Körnerstraße schlug Sara K. mit ihrem Lebensgefährten zwei Männer zusammen. Nur eines von vielen Vergehen.
Auf dem Netto-Parkplatz an der Körnerstraße schlug Sara K. mit ihrem Lebensgefährten zwei Männer zusammen. Nur eines von vielen Vergehen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Beleidigung, Sachbeschädigung, Körperverletzung – nach jeder Verurteilung versprach Sara K. Besserung. Allein bei den Worten ist es bis heute geblieben. Es scheint, als ob sich die Alkoholikerin auf ihrer Sucht ausruht. „Ich bin krank, ich kann nichts dafür“, soll die Freitalerin laut Zeugen bei verschiedenen Vorfällen in der Vergangenheit geäußert haben.

Auch wenn Alkoholismus als Krankheit anerkannt ist, so ist er doch kein Freifahrtschein, um Straftaten begehen zu können. Erst recht nicht für Menschen wie Sara K., die wissen, dass sie ausfällig werden, sobald sie getrunken haben. Seit Jahren aber wird die heute 30-Jährige immer wieder straffällig. Vor allem mit nächtlichen Ruhestörungen und massiven Beleidigungen setzt sie ihrem jeweiligen Umfeld massiv zu. Im Juni 2015 kam es nach solchen zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit einem genervten Mieter. Damals rief sie ihren Vater und einen Ex-Freund zu Hilfe. Zu dritt verprügelten sie den Mann auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes an der Dresdner Straße. Dafür kassierte Sara K. später eine Geldstrafe vom Amtsgericht Dippoldiswalde. Zu unrecht, wie sie sagte, denn nur Vater und Ex sollen geschlagen haben.

Am 25. Januar 2016 kam es zum nächsten Vorfall. Gemeinsam mit ihrem aktuellen Lebensgefährten hatte sie zwei Männer am Netto-Markt an der Körnerstraße in Freital attackiert. Beide Opfer wurden bei der Schlägerei verletzt – eines so schwer, dass es auf einem Auge erblindete. Wegen schwerer Körperverletzung kassierte Sara K. eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, ihr Freund sogar 28 Monate.

Die Berufungskammer am Dresdner Landgericht aber ließ Gnade vor Recht ergehen und setzte die Haftstrafen für beide Angeklagte zur Bewährung aus. In Hinblick auf Sara K. war sich die Kammer sicher, dass sie in einer Therapie besser aufgehoben wäre als im Gefängnis. Ihr wurde auferlegt, eine Entgiftung mit anschließender Langzeittherapie zu absolvieren.

Doch sowohl während der Zeit vor der Berufungsverhandlung, als auch danach war die Deutsche wiederholt straffällig geworden. Im Freitaler Stadtteil Deuben, wo ihr Freund seine Wohnung hat, terrorisierte sie über Monate hinweg dessen komplette Nachbarschaft. Ruhestörungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen im Vollrausch waren an der Tagesordnung. Ein Hausverbot zeigte keinerlei Wirkung, auch eine dreiwöchige Entgiftung nicht. Sara K. trinkt nach wie vor. Wegen einer Trunkenheitsfahrt auf dem Fahrrad, Sachbeschädigung und Beleidigung wurde sie Anfang September 2017 am Amtsgericht Dippoldiswalde erneut zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt – ohne Bewährung.

Vergangene Woche folgte das nächste Urteil. Diesmal lautete es zehn Monate Haft. Sara K. war des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, viermaliger Beleidigung und der Nötigung für schuldig befunden worden.

Mit beiden Entscheidungen muss sich demnächst das Landgericht in Dresden befassen. Sara K.s Verteidiger hat auch hier Berufung eingelegt. Mit der ersten Bewährung, so sagt er, habe man seiner Mandantin einen Brocken hingeworfen, den ihr das Dippoldiswalder Amtsgericht nun wieder wegnimmt. Seiner Meinung nach sei das ein unfaires Vorgehen, da eine Gefängnisstrafe Sara K. nicht helfe. Das könne nur eine Langzeittherapie. Allerdings verlaufen die Bemühungen seitens der Angeklagten, sich einen Therapieplatz zu sichern, derzeit eher schleppend.

Ob das Landgericht auch dieses Mal Milde zeigen wird, bleibt abzuwarten.