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Donnerstag, 20.04.2017

Es kann nur einen geben – in Dresden

Im Stadtmuseum eröffnet eine neue Ausstellung zum Kulturpalast. Kuratorin Claudia Quiring gibt einen Überblick über gezeigte Exponate und Kontroversen.

Kuratorin Dr. Claudia Quiring kennt sich mit dem Kulturpalast nun bestens aus.
Kuratorin Dr. Claudia Quiring kennt sich mit dem Kulturpalast nun bestens aus.

© Stefan Becker

Darin sind sich alle einig: Der Kulturplast ist Dresdens umstrittenster Bau der Nachkriegsmoderne. Der Diskurs begann bereits bei Walter Ulbricht und dessen stalinistischer Zuckerbäcker-Attitüde. „Ulbricht wollte einen Turm“, bringt es Dr. Claudia Quiring auf den Punkt.

Die erste Ausstellung der Kuratorin im Stadtmuseum trägt den Titel „Der Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag“. Wie es hätte aussehen können, wären Ulbrichts Wünsche wahr geworden, zeigen Modelle , die Studenten der TU Dresden anhand der damaligen Wettbewerbspläne nachbauten. Der Visionär aber hieß Leopold Wiel. Auch wenn sein Entwurf später die geplante Kuppel einbüßte und wegen Geldmangels auf Zubauten verzichten musste, seine Konstruktion aus Glas und Beton prägte die Ostmoderne bis heute.

So sieht's aus: Architektur als Auftrag

Als Hommage an den günstigen wie stabilen Baustoff präsentiert sich die Ausstellung ziemlich Grau im Grundton, Farbe bringen die Exponate in die acht nach Themen gegliederten und miteinander verbundenen Räume. Die erzählen vom langen Weg bis zur Eröffnung 1969, zeigen Parolen auf Fahnen wie Poster von Popstars. Als größtes dreidimensionales Element der Ausstellung fungiert der hochhängende Gobelin aus dem einstigen Restaurant, Allegorie auf die Liebe und die Freiheit in der Natur – Kunst im Bau.

Als Beispiele für die nicht verwirklichte Kunst am Bau zeigt die Schau unter anderem den wächsernen Entwurf eines Wandreliefs von A. R. Penck sowie Modelle des Künstlerkollektivs um Rudolf Sitte. Am Ende siegte bekanntlich das Mosaik „Der Weg der roten Fahne“. Eine komprimierte Geschichte zur Kulturpalast-Kunst bietet das sogenannte Leseplakat 6 der Ausstellung.

Diesmal ersetzen acht kostenlose Poster den sonst obligatorischen Katalog. Sie zeigen noch einmal die wichtigsten Exponate in den acht Räumen samt erklärender Texte. Poster 7 erzählt von den Kontroversen nach er Wende und Poster 5 von den nicht minder modernen Nachbarn der damaligen Zeit. Das Rahmenprogramm biete neben Vorträgen auch Stadtrundgänge mit dem Fokus auf die einst nicht minder modernen Nachbarn des Kulti.

„Der Kulturpalast Dresden / Architektur als Auftrag“ Eröffnung Freitag 21. April um 19 Uhr im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2 (Eingang Landhausstr.)