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Samstag, 29.08.2015

Es hat sich ausgepumpt

Der Energiekonzern Vattenfall weiß endlich, was aus dem Pumpspeicherwerk werden soll – nicht mehr viel.

Von Jana Mundus

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Das Pumpspeicherwerk am Stausee Niederwartha bei Dresden
Das Pumpspeicherwerk am Stausee Niederwartha bei Dresden

© Sven Ellger

  • Das Pumpspeicherwerk am Stausee Niederwartha bei Dresden
    Das Pumpspeicherwerk am Stausee Niederwartha bei Dresden
  • Das jahrelange Hin und Her um die Zukunft des Niederwarthaer Pumpspeicherwerk hat ein Ende. Allerdings kein gutes.
    Das jahrelange Hin und Her um die Zukunft des Niederwarthaer Pumpspeicherwerk hat ein Ende. Allerdings kein gutes.

Das Wort verspricht mehr als es am Ende hält. Ab 1. Januar 2016 beginnt im Pumpspeicherwerk Niederwartha der sogenannte Übergangsbetrieb. Das teilte der schwedische Energiekonzern Vattenfall jetzt mit. Was der Begriff eigentlich bedeutet, weiß Helfried Hertting nur allzu gut. „Abschalten“, erklärt der Vorsitzende der Bürgerinitiative, die sich seit Jahren für den Erhalt des Werks einsetzt. Damit ist das jahrelange Hin und Her um die Frage nach der Zukunft des Standorts erst einmal beendet. Doch es könnten sich in Zukunft neue Probleme einstellen.

Noch vor ein paar Jahren hatte Vattenfall prüfen lassen, wie eine Modernisierung der Anlage aussehen könnte. Nachdem der Energiekonzern 2008 sogar einen Neubau plante, war das später keine Option mehr. Ursprünglich sollten die zwei Turbinen durch eine Großturbine mit einer Leistung von 120 Megawatt ersetzt werden. Doch dann änderten sich die Bedingungen auf dem Strommarkt. So fallen seit einigen Jahren etwa Nutzungsentgelte für Pumpstrom an. Vattenfall ruderte zurück.

„Wichtige Bauteile der Anlage sind nun veraltet“, erklärt Vattenfall-Sprecher Lutz Wiese den Zustand des Pumpspeicherwerks. Das Unternehmen habe durchaus verschiedene Szenarien diskutiert, wie das Werk fortbestehen kann. Doch letztlich bliebe aus wirtschaftlichen Gründen nur der Übergangsbetrieb als Möglichkeit. „Große Investitionen sind unter den momentanen Marktbedingungen einfach nicht möglich“, fügt Wiese hinzu.

Für die Bürgerinitiative war vor allem eines wichtig: Dass das Stauseebad Cossebaude in seiner heutigen Form erhalten bleibt. Das Unterbecken des Pumpspeicherwerks beherbergt seit 1936 das beliebte Freibad. Das profitierte bisher auch von einem Mangel der Anlage: Weil dort Wasser versickert, wird regelmäßig Frischwasser in den Stausee geleitet – was die Qualität erhöht. „Darüber haben wir auch immer mit Vertretern von Vattenfall gesprochen“, führt Hertting aus.

Lutz Wiese unterstreicht, dass sich für die Badegäste auch in Zukunft nichts ändern wird. „Wir werden auch weiterhin alle unsere vertraglichen Pflichten einhalten.“ Das bedeutet, dass Vattenfall auch künftig dafür sorgen wird, dass sich der Pegelstand des Wassers in einem vertraglich festgelegten Bereich bewegt. Von all dem weiß Dresdens Bäderchef Matthias Waurick allerdings noch nichts. „Vattenfall hat mit uns über dieses Thema noch nicht gesprochen“, erklärte der Geschäftsführer der Dresdner Bäder GmbH.

Seiner Aufgabe im Rahmen des Hochwasserschutzes wird Vattenfall weiter nachkommen. „Die Sicherheit des Damms hat dabei die höchste Priorität“, so Wiese. Für eine weitere Notlage hält der Konzern die Anlage ebenfalls bereit, für den sogenannten Schwarzstart. Darüber gibt es einen Vertrag mit der Drewag. Sollte in Dresden flächendeckend der Strom ausfallen, könnte in wenigen Augenblicken mit der gespeicherten Energie aus Niederwartha Abhilfe geschaffen werden. „Zur Sicherung all dieser Belange sind für die kommenden Jahre entsprechende Budgets vorgesehen“, bekräftigt der Vattenfall-Sprecher.

Helfried Hertting sieht allerdings trotzdem ein Problem: den Zustand der Bauwerke des Pumpspeicherwerks. Rohrbahn und Betriebsgebäude, die so prägend für die Landschaft sind, könnten in den nächsten Jahren langsam verfallen. Die Bürgerinitiative bekäme dann eine neue Aufgabe. „Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig das alles für den Ort ist.“

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