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Freitag, 08.12.2017

„Es hat einen faden Beigeschmack“

Füchse-Kapitän André Mücke spricht vor dem Sachsenderby in Dresden über den Trainerwechsel.

Von Alexander Hiller

Wie weiter? André Mücke schaut konsterniert, hat aber eine Idee.
Wie weiter? André Mücke schaut konsterniert, hat aber eine Idee.

© Thomas Heide

Derbys haben stets etwas Besonderes. Auch im Eishockey, wo die Sachsen aus Dresden und Weißwasser in der DEL 2 in der Punkterunde viermal aufeinandertreffen. Füchse-Kapitän André Mücke (34), von 2010 bis 2014 in Dresden unter Vertrag, blickt auf eine turbulente Woche zurück und auf das Derby bei den Eislöwen am Freitag, 19.30 Uhr, voraus.

André Mücke, die Lausitzer Füchse vermeldeten am Mittwoch, dass der Verein weiter mit Robert Hoffmann als Cheftrainer plant. Wie bewerten Sie das?

Wir haben uns als Mannschaft eindeutig dahingehend positioniert, Hoffi die Chance als Cheftrainer zu geben.

Was hat der bisherige Co-Trainer anders gemacht, dass er so schnell den Hebel umlegen konnte?

Man kann das Rad nicht neu erfinden, wir haben am Wochenende auch nicht gerade Top-Eishockey gespielt, aber gekämpft bis zum Umfallen. Da hatten wir das Glück auf unserer Seite. Hoffi hat viel mit Einzelgesprächen gearbeitet, wollte in die Köpfe der Spieler. Ich denke, das hat er geschafft. Er hat jedem Mut zugesprochen, uns gesagt, dass wir Eishockey spielen können. Er stellte die Aufstellung etwas um, das war ein guter Schachzug und hat zumindest am ersten Wochenende funktioniert.

Wie hat das Team auf den Rückzug von Hannu Järvenpää als Trainer reagiert?

Er hat uns das am Donnerstag voriger Woche mitgeteilt, dass er denkt, dass wir ohne ihn besser dastehen und zu neuen Impulsen kommen. Die andere Mitteilung haben wir dann durch die Presse erfahren.

Sie spielen auf das übergangslose Engagement von Järvenpää bei seinem früheren Verein Fehérvár AV in Budapest an. Fühlen Sie sich im Stich gelassen?

Es hat einen faden Beigeschmack, dass er danach sofort einen anderen Arbeitgeber gefunden hat. Im ersten Moment waren wir geschockt, weil Hannu die Mannschaft zum größten Teil zusammengestellt hat – und dann einfach geht. Das ist ein komisches Gefühl. Ich denke, wir haben am Wochenende mit „Hoffi“ und den fünf Punkten die richtige Reaktion gezeigt.

Können Sie sich als Kapitän erklären, weshalb ein im Vorjahr erfolgreicher Trainer offenbar nicht mehr an das Team herankommt?

Man muss beachten, dass uns sieben Leistungsträger verlassen haben. Das konnten wir nicht kompensieren. Der Trainer wollte das anders lösen, mit mehr Spielern. Im Endeffekt verfügen wir jetzt aber nur über drei Reihen. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass unsere Förderlizenzspieler häufig bei der Nationalmannschaft oder bei den Eisbären in Berlin sind. Aber die Auslegung des Trainers, mit vier Reihen zu agieren, ist nie aufgegangen. Wir sind ein neues, ein anderes Team als das aus der Vorsaison.

Sie haben am Wochenende fünf Punkte gewonnen. Spricht vor dem Sachsen-Derby gegen die Eislöwen das Momentum für Ihre Mannschaft?

Würde ich nicht sagen. Dresden hat zuletzt gute Ergebnisse erzielt, spielt zudem zu Hause. Natürlich haben wir eine Chance, aber die Eislöwen sind Favorit. Wir brauchen auf jeden Fall eine geschlossene Mannschaftsleistung, jeder muss an seine Grenzen gehen. Nur so haben wir wirklich Chancen, Punkte mitzunehmen. Dann ist natürlich im Derby immer alles möglich.

Sind die eigenen Derby-Gesetze nicht nur ein lockerer Spruch?

Nee, ich denke, da ist wirklich etwas dran. Da sind alle angespannter, bei so einem Spiel geht es irgendwie um mehr als nur drei Punkte – vor allem für die Fans. Dann ist speziell meist die Heimmannschaft etwas nervöser. Gut, die meisten Eislöwenspieler haben jetzt nicht den Bezug zur Stadt wie wir zur Lausitz mit unseren vielen einheimischen Akteuren.

Dennoch: Was halten Sie von der Entwicklung bei den Eislöwen?

Ich denke, dass sich Dresden kontinuierlich entwickelt. Mein Ex-Kollege David Hajek ist ja jetzt da Nachwuchstrainer geworden. Das ist ein guter Standort.

Bewegt es Sie persönlich noch, dass Sie in Dresden vier Jahre verbracht haben?

Mit der Zeit geht das. Anders ist das erste Spiel nach dem Wechsel. Ich spiele ja seitdem schon das vierte Jahr in Weißwasser. Es ist ein Derby, man freut sich drauf, aber ich werde nicht total nervös sein.

Das Interview führte Alexander Hiller.

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