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Samstag, 26.03.2016

Es geht nur ums Fleisch

Kamel ist billiger als Rind oder Lamm. Deshalb landen die Tiere häufig in der Pfanne. Vorher geht es recht rabiat zu.

Von Benno Schwinghammer

So viele Kamele: Gedränge auf dem Kamelmarkt in Birasch bei Kairo.
So viele Kamele: Gedränge auf dem Kamelmarkt in Birasch bei Kairo.

© dpa

Ob das Tier sein Schicksal ahnt? Hände reißen grob an seinem Schwanz. Ein Mann stemmt sich mit aller Kraft nach hinten, in der Hand ein Seil, das am Hals des Kamels endet. Dieses mag eine halbe Tonne wiegen. Und es will sich einfach nicht auf die Ladefläche des Pick-ups zerren lassen. In der nächsten Sekunde ist das Klatschen eines Zuckerrohrstocks auf dem massiven Körper zu hören, gefolgt von einem tiefen, schmerzerfüllten Röhren. Wenig später wird das Tier vom Gelände gefahren, einem der größten Kamelmärkte Afrikas. Es geht zur Schlachtbank.

Freitage in Kairo, der ägyptischen Hauptstadt, sind für gewöhnlich ruhig. Doch in Birasch, knapp 40 Kilometer entfernt von der Smogglocke der 20-Millionen-Metropole, ist es der geschäftigste Tag der Woche. Bis zum Mittagsgebet wechseln Hunderte Kamele aus Ägypten, dem Sudan und Somalia sowie umgerechnet Hunderttausende Euro die Besitzer. Hier auf dem breiten, sandigen Weg mit den Dutzenden angeschlossenen Gattern befindet sich einer der größten Kamelmärkte Afrikas.

Ausgewachsene Tiere können bis zu 1 500 Euro kosten, erzählt Händler Mohammed. Er kauft sie manchmal, um sie direkt mit Gewinn weiterzuveräußern. Dass sie ihrem Schicksal nicht entfliehen, verhindert er mit einem Band: Eines der Vorderbeine wird am Kniegelenk eingeklappt, Ober- und Unterschenkel zusammengebunden. Kamele in Birasch stolzieren nicht, sie humpeln auf drei Hufen.

Die besten Tiere seien die ägyptischen, wohingegen die weit gereisten günstiger seien, erzählt Mohammed. Es sind häufig Kamele, die auf den Märkten im Sudan oder in Südägypten niemand kaufen wollte. Auf Lastwagen werden sie 24 Stunden lang nach Birasch kutschiert. Einige von ihnen sterben auf dem Weg. Und landen am Straßenrand. „Eigentlich geht es aber nur ums Fleisch. Wir schlachten die Kamele und das war’s“, sagt Mohammed. Kamelfleisch ist günstiger als Rind oder Lamm und wird daher eher von ärmeren Ägyptern gegessen. In teureren Kairoer Restaurants landet es nicht in der Pfanne. Nur wenige der Kamele hier auf dem Markt haben noch einige Jahre vor sich. Sie werden zur Arbeit eingesetzt. (dpa)