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Dienstag, 15.05.2018

Erster Sparkassen-Räuber von Zabeltitz steht vor Gericht

Ein Mann muss sich jetzt im oberpfälzischen Weiden verantworten. Auch vier Frauen aus Zabeltitz waren in Bayern als Zeuginnen eingeladen.

Von Jörg Richter

Diese Aufnahme wurde beim Überfall am 4. September 2015 in der Sparkassenfiliale in Tännesberg gemacht. Ein paar Monate zuvor hielten die gleichen Täter in Zabeltitz vier Frauen Pistolen entgegen.
Diese Aufnahme wurde beim Überfall am 4. September 2015 in der Sparkassenfiliale in Tännesberg gemacht. Ein paar Monate zuvor hielten die gleichen Täter in Zabeltitz vier Frauen Pistolen entgegen.

© Polizei

Zabeltitz. Wenn drei Kleinkriminelle eine Bank ausrauben wollen, aber statt eines Geldtresors nur einen Friseurladen vorfinden, so klingt das irgendwie nach den Pechvögeln der Olsenbande. Doch das, was sich am 17. Juni 2015 in Zabeltitz abgespielte, war kein Spaß mehr. Zwei bewaffnete Männer stürmten die Beratungsstelle der Sparkasse, die an einen Friseursalon angrenzt. Dort erlebten eine Bankangestellte und drei Friseurinnen die wohl schlimmsten Minuten ihres Lebens. „Ich habe erst gedacht, mich will jemand veralbern“, sagte jetzt die Bankkauffrau im Zeugenstand aus. Denn seit letzter Woche muss sich der Tscheche Pavel S. vorm Landgericht Weiden (Bayern) verantworten. Denn auch im oberpfälzischen Tännesberg hatte er mit seinen beiden Komplizen Oldrich Z. und Jakub T. am 4. September des gleichen Jahres eine Bank überfallen. Und das mit Pistolen.

„Er hat mir die Waffe vor mein Gesicht gehalten“, erzählte eine Friseurin den Richtern. Eine weitere Zeugin aus Zabeltitz berichtete, dass sie damals schwanger war und deshalb für sie der Raubüberfall zusätzlicher Stress bedeutete. Pavel S. entschuldigte sich zwar nachträglich bei ihr. Doch das dürfte das Urteil kaum mildern. Genauso wenig, wie der Fakt, dass seine Pistole mit Kaliber 7,65 Millimeter nicht funktionstüchtig war. In der Waffe hatte sich eine Patronenhülse verklemmt. Und bei der anderen Pistole, die Oldrich Z. mit sich führte, handelte es sich um eine Reizstoffwaffe. Aber beides sieht man ihnen nicht an. Die vier Zabeltitzerinnen und auch die anderen Opfer, die Zeugen der Raubüberfälle wurden, mussten davon ausgehen, dass ihr Leben in Gefahr ist.

Die Nachricht, dass Pavel S. jetzt in Weiden vor Gericht steht, ist auch im brandenburgischen Kolkwitz mit Genugtuung aufgenommen worden. Dorthin waren die drei Tschechen noch am gleichen Tag weitergefahren, als sie gewahr wurden, dass in der Zabeltitzer Sparkassen-Beratungsstelle nichts zu holen ist. Während die sächsische Polizei noch hoffte, das Trio an einer der schnell errichteten Straßenkontrollen zu fassen, waren Pavel S. und seine Kumpels längst auf neuer Raubtour.

Sie überfielen die Sparkasse Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße und erbeuteten 20 000 Euro und 2 000 australische Dollar. Auch der brandenburgischen Polizei konnten sie entwischen. Trotz Verfolgung durch einen Polizeihubschrauber. Auch die Bundespolizei unterstützte die Suche nach den Bankräubern. Doch die Beamten verloren die Spur des Fluchtautos, das die drei Tschechen in ihrer Heimat gestohlen und mit einem ebenfalls gestohlenen Rosenheimer Kennzeichen versehen hatten.

Einen Tag später fand ein Jagdpächter das demolierte Luxusauto, einen Audi A 8, auf einem Waldweg bei Simmersdorf. Aber die drei Tschechen hinterließen DNA-Spuren, die die Cottbuser Polizei sicherte und die nun voraussichtlich zur ersten Verurteilung führen dürften. Zudem gab es Blitzerfotos vom Fluchtfahrzeug. Zusammen mit der tschechischen Polizei kamen die Ermittler relativ schnell auf die Spur von Pavel S. und seinen beiden Komplizen. Sie sind den tschechischen Behörden nicht unbekannt.

In dieser Woche wird das Urteil für den mutmaßlichen Bankräuber am Landgericht Weiden erwartet. Pavel S. hat auch die Beteiligung an den Überfällen in Zabeltitz und Kolkwitz gestanden. Wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Waffe drohen ihm in Deutschland bis zu 15 Jahren Haft. Das Landgericht Weiden hat zudem die Auslieferung von Oldrich Z. beantragt.