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Erste Berufsausbildung in der E-Commerce-Branche

Der Online-Handel ist seit Jahren ein wachsendes Wirtschaftsfeld, das noch lange weiter wachsen dürfte.

13.09.2017

ufsausbildung in der E-Commerce-Branche
Bildrechte: Flickr education process Thomas Morris CC0 1.0 Öffentliche Domäne

Jährlich zweistellige Wachstumsraten – bis Ende 2017 werden 11 Prozent erwartet – erfordern aber auch entsprechend viel Personal in der Branche. Eine neue Berufsausbildung soll diese nun für junge Menschen attraktiv machen. Der erste Jahrgang soll im August 2018 die dreijährige Ausbildung zur Kauffrau bzw. zum Kaufmann im E-Commerce beginnen. Dabei handelt es sich um einen dualen Ausbildungsweg, das heißt, dass die Kenntnisse den jungen Menschen sowohl in der Berufsschule als auch im Betrieb vermittelt werden. Mitkonzipiert wurde die Ausbildung vom Handelsverband Deutschland (HDE). Dieser schätzt, dass 2018 etwa 1.000 Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen werden. Interessierte Unternehmen müssen sich hierfür melden und eine Person für die Ausbilderschulung benennen. Die entsprechende Eignungsprüfung führt die IHK durch.

Anforderungen an Unternehmen und Bewerber

Ausbildende Unternehmen können sowohl reine Online-Händler als auch Einzelhändler mit Laden- und angeschlossenem Online-Geschäft sein, die ihre Produkte also über mehrere Kanäle vertreiben. Zudem muss der zugehörige Berufsschulunterricht organisiert werden. Um in Ruhe passende Standorte ermitteln zu können, sei es hilfreich, wenn interessierte Betriebe sich baldmöglichst bei ihrem Handelsverband oder ihrer zuständigen Kammer melden würden, so der HDE in einem Infoblatt zur neuen Berufsausbildung (PDF). Um die Ausbildung antreten zu dürfen, ist kein bestimmter Schulabschluss erforderlich. Die E-Commerce-Ausbildung soll ganz bewusst auch Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss in die Branche holen. Wichtig sind aber möglichst gute Schulnoten in den Fächern Mathematik und Deutsch sowie ein Interesse an digitalen Themen und am Verkauf. Wer sich für den neuen Ausbildungsberuf begeistern kann, sollte am besten auch das einschlägige Fachvokabular auf Englisch erlernen. Eine spätere Fortbildung zur Fachwirtin bzw. zum Fachwirt für E-Commerce ist ebenfalls bereits in Planung.

Lernen, wie man einen Online-Shop betreibt

Ein Schwerpunkt der Ausbildung wird beim Aufbau und dem Betrieb des entsprechenden Vertriebskanals, mit anderen Worten: eines Online-Shops, liegen. Bislang musste sich, wer im E-Commerce ein kleines Business aufbauen wollte, die Kenntnisse über Shopsysteme und Informationen etwa über die Vor- und Nachteile der gängigen Content-Management-Systeme entweder selbst oder über Kollegen aneignen. In Zukunft können Unternehmen entsprechende Kenntnisse bei den Absolventen voraussetzen, indem sie sie gemeinsam mit den Berufsschulen systematisch an den Nachwuchs vermitteln. Dabei soll unter anderem auch die Vermittlung von Fachkenntnissen zur Online-Werbung sowie zu Online-Recht, Datenschutz und Datensicherheit schwerpunktmäßig auf dem Stundenplan stehen.

Kaufmännische Inhalte Teil der Ausbildung

Zu den konkreten Ausbildungsinhalten gehört zum Beispiel auch, ein geeignetes Bezahlsystem auszuwählen und einzusetzen sowie das Sortiment unter den Gesichtspunkten der Kundenorientierung und Ertragsoptimierung weiterzuentwickeln. Ferner werden die Auszubildenden lernen, wie sie einen Online-Shop kontinuierlich so weiterentwickeln können, dass sich die Umsätze verbessern (sogenannte Conversion-Optimierung). Natürlich werden auch kaufmännische Grundlagen wie die Analyse und Auswertung der Kosten- und Leistungsrechnung nicht fehlen. Die Auszubildenden sollen schließlich auch lernen, wichtige Kennzahlen zu ermitteln und zu bewerten sowie die Besucherstatistiken eines Webshops sinnvoll auszuwerten.

Erste Ausbildungsplätze ausgeschrieben

Bevor die Berufsausbildung jedoch offiziell starten kann, sind noch einige Formalien zu regeln. Sie existiert nämlich erst dann, wenn sie im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde. Dies wird aller Voraussicht nach Ende des Jahres geschehen, nachdem die erforderlichen Gremien ihre Zustimmung erteilt haben. Einige Betriebe haben schon jetzt freie Ausbildungsplätze für das Jahr 2018 ausgeschrieben, darunter HABA, Orsay sowie die Dachgesellschaft von Media Markt und Saturn. Das Ausbildungsverhältnis würde dann gegen Ende des Jahres bei der zuständigen Kammer eingetragen, sobald alles unter Dach und Fach ist.