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Mittwoch, 27.02.2013

Erst schießen, dann fragen

Weil es ihm zu laut war, legte ein Nachbar mit seinem neuen Luftgewehr auf die Wohnung gegenüber an.

Von Alexander Schneider

Langes Fackeln ist seine Sache nicht. An einem Abend im Juli vergangenen Jahres hat ein 29-Jähriger vom Balkon seiner Wohnung in Leuben mit seinem Luftgewehr auf eine gegenüberliegende Wohnung geschossen. Das Projektil durchschlug auf dem Balkon in rund 40 Metern Entfernung noch einen Blumentopf.

Seit gestern steht der 29-jährige Schütze wegen versuchter Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden. Außerdem wird ihm noch Bedrohung vorgeworfen. Erst im Januar habe er einen Schneeball gegen das Fenster eines Nachbarn in seinem Haus geworfen, den Bewohnern eine Halsabschneider-Geste gezeigt und schließlich mit einer Schreckschuss-Pistole in ihre Richtung gezielt.

Der Angeklagte, ein derzeit arbeitsloser Straßenbauer, hat den Schuss zugegeben. Er sei genervt gewesen, weil sein damals einjähriges Kind schon den ganzen Tag krank gewesen sei. Als es kurz vor 22 Uhr endlich im Bett lag, habe ihn der Lärm aus der Wohnung gegenüber gestört. „Laute Stimmen und Mucke“, sagte der Angeklagte. Er habe das Gewehr genommen, in Richtung des Balkons angehalten und abgedrückt. „Es war ein Reflex, weil es so laut war. Ich wusste nicht, dass das Gewehr geladen war.“ Erst eine Woche zuvor habe er das Luftgewehr auf einem Flohmarkt gekauft und mit einem Kumpel geschossen. Der habe die Waffe wohl geladen. Den Schuss bedauere er nun. „Ich habe zu spät überlegt und hätte besser gleich die Beamten angerufen.“ Er habe den lauten Nachbarn doch nur einen Schrecken einjagen wollen. Und tatsächlich bekam der 24-Jährige einen gehörigen Schrecken. Er fiel vom Stuhl und riss auch gleich die Getränke mit um, als das Geschoss zwei Meter neben ihm seinen Plastikblumentopf zerschlug, sagte der Mann als Zeuge. Er habe mit drei Gästen auf dem Balkon gesessen und gequatscht.

Das Problem des Angeklagten ist, dass er nur einen Monat vor seinem Schuss am Amtsgericht Bautzen wegen versuchter Körperverletzung und Schwarzfahrens zu acht Monaten verurteilt worden war. Die damals zur Bewährung ausgesetzte Strafe muss er nun möglicherweise absitzen. Richter Herbert Diez will weitere Zeugen vernehmen. Der Prozess wird fortgesetzt.