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Freitag, 06.07.2012 Aus dem Gerichtssaal

Erneut Verzug im Prozess gegen Nazi-Schläger

Vier Männer müssen sich seit Donnerstag unter anderem dafür verantworten, einen Mitarbeiter des Kulturbüros angegriffen zu haben.

Von Alexander Schneider

Drei Jahre nach ihrer erstinstanzlichen Verurteilung stehen nun vier Angeklagte im Alter von 22 bis 26 Jahren vor der Jugendkammer des Landgerichts Dresden. Sie sollen im März 2009 einen Mitarbeiter (46) des Kulturbüros Sachsen auf offener Straße zusammengeschlagen und schwer verletzt haben. Christian L. (22) und Marco E. (26) werden weitere Körperverletzungen vorgeworfen, unter anderem sollen sie bei einer Nazi-Demo im Juni 2008 einen tschechischen Fotoreporter geschlagen und getreten haben.

Nur fünf Monate nach der letzten Tat wurden die Angeklagten am Amtsgericht Dresden zu Jugend- beziehungsweise Freiheitsstrafen von neun bis 20 Monaten verurteilt – doch danach passierte jahrelang nichts. Ein Sprecher des Landgerichts sagte, die Akte sei erst im Februar 2011 im Landgericht eingegangen. Was im Jahr zuvor damit im Amtsgericht passiert sei, sei aus der Akte nicht ersichtlich.

In einem Rechtsgespräch verständigten sich die Beteiligten nun angesichts des Zeitverzugs auf deutlich mildere Strafen und Schmerzensgeldzahlungen an die Geschädigten im Falle umfassender Geständnisse. Heute sollen die Urteile gesprochen werden.

Anwältin: „Das ist ein Witz“

Rechtsanwältin Gesa Israel, Nebenklagevertreterin des 46-jährigen Jugendhilfe-Coachs des Kulturbüros, nannte die lange Dauer bis zum Beginn des Berufungsprozesses „äußerst unbefriedigend“. Ihr Mandant sei angegriffen worden, nachdem er Zuschauer im Prozess gegen den Anführer der sogenannten Dönerüberfälle im Juni 2008 waren. Nach dem EM-Halbfinale Deutschland – Türkei hatten Dutzende Vermummte vier türkische Lokale in der Neustadt angegriffen, zum Teil verwüstet und mehrere Menschen verletzt. Willy K. wurde wegen schweren Landfriedensbruchs zu zweieinhalb Jahren verurteilt.

Nach dem Prozess sei der Kulturbüro-Mitarbeiter umzingelt und zusammengeschlagen worden. „Mit dem Angriff in der Öffentlichkeit zeigten die Täter: Uns kann keiner etwas – milde Strafen nach dreieinhalb Jahren ist die Bestätigung“, sagte Gesa Israel: „Das ist ein Witz.“