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Dienstag, 03.11.2015

Erneut Tausende bei Pegida in Dresden

Auch an diesem Montag lief Pegida wieder durch die Innenstadt. Allerdings kamen offenbar weniger Demonstranten als in den Vorwochen. Nun hofft Lutz Bachmann auf zwei Prominente.

Pegida-Teilnehmer auf dem Neumarkt.
Pegida-Teilnehmer auf dem Neumarkt.

Dresden. Erneut haben sich Tausende zur allmontäglichen Pegida-Demonstration in Dresden versammelt. Dieses Mal kamen die Anhänger der Bewegung auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche zusammen. Die Studentengruppe „Durchgezählt“ gab in einer Hochrechnung auf Twitter die Zahl 7 750 Menschen an, SZ-Reporter schätzten bis zu 10 000 Teilnehmer. Vergangene Woche sollen laut „Durchgezählt“ es noch bis zu 11 000 Demonstranten gewesen sein.

Der Demo-Montag in Dresden

Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann, der zuerst ans Mikrofon trat, kritisierte öffentlich-rechtliche TV-Sender für angeblich „manipulierte“ Berichte, verglich Justizminister Heiko Maas (SPD) mit Nazi-Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels und lud schließlich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zu einer Frage-und-Antwort-Runde auf die Pegida-Bühne ein. Es folgen Späße über einen braunen (Wisch-)Mop, den Zuhörern auf dem Neumarkt scheint das zu gefallen.

Tillich ist nicht der einzige Prominente, den Bachmann auf die Bühne einlud. Auch Kabarettist Uwe Steimle könne kommen, weil dieser in der MDR-Sendung „Riverboat“ geäußert hatte, dass bei der asylfeindlichen Bewegung nicht nur Rechte mitliefen, sondern Leute, „die sich nicht verstanden fühlen“. Auf Facebook distanzierte sich Steimle von der Vereinnahmung durch Pegida. Er sei nicht gefragt worden, dass er mit seinem Beitrag auf Bachmanns Facebookseite auftauche. Er sei benutzt worden, so der Kabarettist.

Ein weiterer Redner, der als „unser Bambi“ angekündigt wurde, schien das Publikum mit jeder Menge Zahlen zu Durchschnittsverdiensten und Vermögensverteilung zu überfordern. Jedenfalls bekam der Mann bei Weitem nicht so viel Beifall wie Bachmann. Dritter Redner war Siegfried Däbritz vom Pegida-Orgateam. Die Menge rief „Widerstand“, als von „linksgrünen Naiv-Menschen“ die Rede war. Däbritz sprach von verfehlter Entwicklungshilfe, Geopolitik und davon, dass Angela Merkel (CDU) abdanken müsse.

Im Anschluss begab sich die Menge auf den „Spaziergang“, der über den Dr.-Külz-Ring über den Postplatz zurück zum Neumarkt führte. Hier wieder angekommen, ergriff Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling das Mikrofon. Sie nahm SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Asylpolitik im Allgemeinen aufs Korn, sprach von „Invasoren“ und meinte damit Flüchtlinge. Sie forderte Bayern auf, die Bundesrepublik zu verlassen. Das hätte allerdings zur Folge, das der nächste Redner, Michael Stürzenberger, kein Bundesdeutscher mehr wäre. Stürzenberger, der Vorsitzender der rechten Kleinpartei „Die Freiheit“ ist, reist von einer rechtspopulistischen Veranstaltung zur nächsten, sprach von drohendem Bürgerkrieg und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Den Zuhörern war das offenbar egal: „Volksverräter“, „Merkel muss weg“ und „Abschieben“ schallte es über den Neumarkt.

Am Postplatz hatten sich indes Gegendemonstranten versammelt. Aufgerufen hatte in dieser Woche Gepida, was für „Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter“ steht. „Durchgezählt“ schätzte die Zahl der Demonstranten hier auf 500 bis 1000 Menschen, die hier gegen den vorbeiführenden Pegida-Tross protestierten. Im Anschluss führte die Demonstration der Pegida-Gegner über die Wilsdruffer Straße, Theaterplatz, Augustusbrücke bis zum Bahnhof Neustadt.

Die Polizei, die am Montag mit 410 Beamte im Einsatz war, dürfte am Abend in Alarmbereitschaft gewesen sein: In den beiden vergangenen Wochen wurden unweit der Demonstrationen Autos zerstört. Am 19. Oktober hatten drei Pkw von Pegida-Anhängern aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gebrannt, weitere Autos wurden bei dem Feuer schwer in Mitleidenschaft gezogen. Am letzten Montag wurden drei Autos unter der Marienbrücke durch vorsätzlich gelegtes Feuer völlig zerstört. An diesem Montag gab es zunächt keine entsprechenden Meldungen. (szo/SZ)