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Samstag, 13.02.2016

Erinnerungen an das Kaufhaus Günther

Viele SZ-Leser haben Anteil am Ende des Traditionshauses genommen. Das war auch Retter in der Not und Filmrequisite.

Das Kaufhaus Günther öffnete am 9. Februar 2016 zum letzten Mal.
Das Kaufhaus Günther öffnete am 9. Februar 2016 zum letzten Mal.

© ronaldbonss.com

Der Dresdner Albrecht Schmidt hat das Kaufhaus Günther aus der Not heraus kennengelernt. Am 13. Februar 1945 verlor die Familie Hab und Gut in Striesen beim Bombenangriff und fand zum Glück in Gruna ein Dach über dem Kopf bei einem Kollegen des Vaters, der mit seiner Familie fliehen wollte. Das ging bis zum August 1945 gut, dann kam der Bruder aus der Gefangenschaft zurück. Die Familie bekam für vier Erwachsene und den 14-jährigen Albrecht Schmidt einen Bezugsschein für vier Stahl-Bettstellen und Matratzen und den Hinweis, dass sie das im „Kaufhaus Günther“ in Zschachwitz kaufen könnten. „Wir bekamen auch die Zuweisung für mehr Wohnraum auf der Borsbergstraße, damit wir die Betten auch aufstellen konnten“, schreibt der Rentner an die SZ. Von einem Kohlehändler an der Tittmannstraße liehen sich die Eltern einen Leiterwagen aus und liefen damit nach Zschachwitz. Im „Kaufhaus Günther“ konnten sie sich sogar unter verschiedenen Modellen vier Bettstellen aussuchen, packten die und die Matratzen auf den Leiterwagen und liefen nach Striesen zurück. „Da wir das Kaufhaus und seine netten Angestellten auf diese Weise kennengelernt hatten, waren wir später, als die Bahnen wieder fuhren noch oft dort, um uns neuen Hausrat zu holen“, erinnert sich der Dresdner aus Reick.

So war das damals ...

Kaufhaus Günther öffnet noch einmal

Manuela Kraus hat das Kaufhaus erst in den 1980er-Jahren kennengelernt. Damals zog sie nach Großzschachwitz. „Es gab Waren in guter Qualität und das Kaufhaus hatte ein vielfältiges Angebot“, schreibt sie in ihrem Brief. Später hat sie mit Bedauern den Verfall der Immobilie beobachtet. „Jetzt bin auch ich froh, dass sich an dieser Ecke endlich etwas tut und bin schon auf die neuen Einkaufsmöglichkeiten gespannt“, meint die Dresdnerin. Geblieben sind die Erinnerungen und eine besondere Entdeckung. Als Fan von DDR-Filmen staunte Manuela Kraus nicht schlecht, als sie in der DDR-Serie „Die roten Bergsteiger“ plötzlich das Kaufhaus Günther erkannte. Das diente in Folge elf als Requisite. Die Folge trug den Titel „Treffpunkt Kaufhaus“. Die Serie wurde 1968 produziert. Darin geht es um Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime. In der Szene sind Menschen mit Leiterwagen und Rädern zu sehen. Auch historische Wagen parken davor. Das Kaufhaus bleibt hier für immer lebendig. (SZ)

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