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Montag, 21.09.2009 Pirna

Ergebnis der U18-Wahl gibt zu denken

Jugendliche geben den Kandidaten ihre Stimme – und setzen mit ihrer Wahl ein Achtungszeichen:Die NPD schneidet stark ab.

Von Anja Weber

Eine Woche lang durften Jugendliche bis 17 Jahre im Landkreis das Wählen proben. Sie konnten ihre Stimme den echten Bundestagskandidaten geben. Vorher wurden sie in Schulen und Jugendeinrichtungen darauf vorbereitet. Jetzt steht das Ergebnis fest.

Das Ergebnis

Insgesamt haben 1521 junge Menschen teilgenommen. Im sachsenweiten Vergleich hat der Landkreis damit die höchste Beteiligung an der U18-Wahl erreicht. Das Ergebnis unterscheidet sich jedoch gravierend von dem in Sachsen und im gesamten Bundesgebiet. Außerdem gibt es große Unterschiede im Stimmverhalten der jungen Menschen in den beiden Altkreisen. Klar vorn sehen die U 18-Wähler im Landkreis die CDU/CSU, gefolgt von der FDP sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme.

Zu denken gibt jedoch das krasse Wahlverhalten der unter 18-Jährigen im Altkreis Sächsische Schweiz. Bei der wichtigeren Zweitstimme sehen sie die NPD (17,1 Prozent) als zweitstärkste Partei hinter CDU/CSU (27,4 Prozent). Im Vergleich dazu der alte Weißeritzkreis: Dort rangiert die NPD mit 7,1 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die NPD hat trotzdem in der Sächsischen Schweiz gegenüber 2005 verloren (damals 28 Prozent). Dennoch klopfen sich die U18-Wahl-Organisatoren, wie der Jugendring und die Aktion Zivilcourage, nicht auf die Schultern.

In der einer Podiumsdiskussion standen am Sonnabend die Bundestagskandidaten Thomas Richter (FDP), Hubertus Grass (Grüne) und Klaus Wolframm (SPD) den jungen Leuten Rede und Antwort.

Klaus Brähmig (CDU) ließ sich durch Landtagsmitglied Oliver Wehner vertreten. Linken-Kandidatin Monika Knoche hatte ihre Teilnahme kurz vor der Veranstaltung abgesagt. Sie wurde durch den Pirnaer Stadtrat Thilo Kloß vertreten.

Die Podiumsdiskussion

Von allzu vielen Fragen blieben die Bundestagskandidaten in der Gesprächsrunde verschont. Schwerpunkte waren der Kampf gegen Rechts, der Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan, die Freizeitangebote für Jugendliche sowie künftige Studiengebühren.

Hubertus Grass prangerte das NPD-Ergebnis in der Sächsischen Schweiz an und fordert die Unterstützung aller ein. „Lasst uns Politiker nicht allein. Das Problem kriegen wie nur alle gemeinsam in den Griff“, sagt er. SPD-Mann Klaus Wolframm bezeichnete das NPD-Ergebnis als Katastrophe. „Rechte sind Nazis, Verbrecher, und die gehören nicht hierher. Wir müssen an den Programmen gegen sie weiter arbeiten“, sagte er. Einig waren sich die Parteivertreter darüber, dass sie mehr auf die Jugendlichen zugehen müssen, so wie beispielsweise die demokratischen Parteien vor den Landtagswahlen. Emely Weinberg fasst die Meinung der Jugendlichen zusammen: „Wollen wir ernst genommen werden, müssen wir uns Gehör verschaffen“, sagt sie. Ermutigende Worte für die U18-Wähler hatte Peter Darmstadt, der erste Beigeordnete des Landrates: „Nehmt die Politiker beim Wort. Schnappt sie Euch“, sagte er.