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Erdrutsch reißt drei Autos in die Tiefe

Arbeiten an einem neuen Haus haben das Unglück im Areal zwischen Coschützer Straße und Gitterseestraße ausgelöst.

13.05.2015
Von Tobias Wolf

 reißt drei Autos in die Tiefe
Mauerreste und ein Zaun lassen den früheren Parkplatz der drei halb verschütteten Autos noch erahnen. Nur lag der gut fünf Meter höher. Die Bergung der Pkw müssen Schadensverursacher und Besitzer mit den Versicherungsgesellschaften klären.

© Roland Halkasch

Den Moment, als es hinter ihr zu Grollen begann, wird Helene Mayer* wohl nicht so schnell vergessen. Sekunden später stürzte ein Teil des Hofes auf ein unterhalb liegendes Grundstück. Der Erdrutsch im Areal zwischen Coschützer Straße und Gitterseestraße riss am Montagnachmittag drei Autos mit in die Tiefe. Ein VW Golf, ein Audi A4 und ein VW Passat liegen seither in einem Erdhaufen, bisher ohne Möglichkeit, sie zu bergen.

Sie habe einen Schock erlitten und sei kurz danach zusammengebrochen, erzählt die 75-Jährige, die nur in den Hinterhof gegangen war, weil es im Haus hieß, es sei etwas nicht in Ordnung. Nur zwei Stunden zuvor hatten Mitarbeiter des städtischen Bauaufsichtsamts die Parkplätze im Hof des Hauses Coschützer Straße 7 gesperrt und einen Baustopp im Nachbargrundstück verhängt. Akute Einsturzgefahr, so die Diagnose. Die Rathausangestellten versuchten, die Besitzer der im Hof geparkten Autos ausfindig zu machen, doch nur einen konnten sie noch rechtzeitig erreichen.

Gegen 16 Uhr stürzte die an den Parkplatz angrenzende Mauer am Montag ein und rutschte samt Autos hinab. Verletzt wurde dabei nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Ursache für den plötzlichen Erdrutsch ist die benachbarte Baustelle, teilte Rathaussprecher Karl Schuricht gestern mit. Auf dem Grundstück Gitterseestraße 4, die genau unterhalb des Parkplatzes liegt, soll ein Hinterhaus im Hof entstehen. Der Besitzer hatte ein altes zweistöckiges Gebäude abgerissen, obwohl nur ein Umbau genehmigt gewesen sei, sagt Doris Oser, Referentin von Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Offenbar waren Handwerker gerade dabei, die Bodenplatte für den Neubau vorzubereiten, als sich im Parkplatz und einer benachbarten Autowerkstatt Risse bildeten. Der Betreiber verständigte schließlich das Bauaufsichtsamt. Nun droht die Außenwand der Werkstatt ebenfalls einzustürzen. Inzwischen hat das Rathaus angeordnet, Erde anzuschütten, um die Mauer zu sichern. Ein Teil des Autoreparaturbetriebs ist inzwischen wieder freigegeben. Der für das oberhalb gelegene Wohnhaus zuständige Verwalter Wilhelm Pulvermüller sieht die Verantwortung für den Einsturz der Mauer und den Erdrutsch beim Bauherrn. „Verantwortlich kann nur der Nachbar sein, weil er dort etwas weggebaggert hat“, sagt er. „Die Wand steht schon Jahrzehnte.“ Er warte auf den Anruf der Bauaufsicht, um Details zu erfahren.

Nach SZ-Informationen gilt die Mauer zwischen Parkplatz und Baustelle unter Anwohnern jedoch schon länger als marode. Schon vor Beginn des Bauprojekts hätten sich darin Risse gezeigt. Das Rathaus sieht die Verantwortung ebenfalls beim Betreiber der Baustelle und prüft, ob ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird, so Rathaussprecher Schuricht.

* Name von der Redaktion geändert.