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Dienstag, 15.05.2018 Gut zu wissen

Erdbeeren in aller Munde

Nach der frostigen Zitterpartie im März freuen sich die Ponickauer über eine gute Ernte. Und: spüren den Klimawandel.

Von Catharina Karlshaus

Elizabeth Schöne vom Spargelhof in Ponickau ist froh, dass die kühlen Zeiten des Frühlings vorbei sind. Seit 20. April wird auf den Feldern nicht nur der begehrte Spargel gestochen. Auch die Erdbeeren reifen und versprechen mittlerweile eine gute Ernte.
Elizabeth Schöne vom Spargelhof in Ponickau ist froh, dass die kühlen Zeiten des Frühlings vorbei sind. Seit 20. April wird auf den Feldern nicht nur der begehrte Spargel gestochen. Auch die Erdbeeren reifen und versprechen mittlerweile eine gute Ernte.

© Anne Hübschmann

Thiendorf. Es gab Tage, da wollte Elizabeth Schöne schon gar keinen Wetterbericht mehr hören. Zu deprimierend seien die Vorhersagen gewesen, die den Landwirten in der Region noch Anfang April einen mächtigen Strich durch die Planung gemacht hatten. „Es war wirklich ganz furchtbar! Von Woche zu Woche ist die Situation nur immer anders schlecht gewesen“, erklärt die studierte Gartenbauerin das Dilemma. Der späte Frost im März habe enorme Schäden auf den Feldern des Spargelhofs in Ponickau angerichtet. Zunächst sei die Erde zu hart gewesen, um den Boden bearbeiten zu können. Wenig später war er zu feucht, um etwas ausrichten zu können.

Insofern käme der jetzige Anblick geradezu einem kleinen Wunder gleich. Während vor ein paar Wochen die Erdbeeren auf den Feldern nach zwei frostigen Wellen in sich zusammengesackt waren, präsentieren sich die Pflanzen nun in frischem Grün, mit saftigen roten Früchtchen dran. Nicht mehr lange, dann könnten die Erdbeeren auch hier geerntet werden. Ihre knallroten Kolleginnen unterm Folienzelt seien dagegen seit ein paar Tagen bereits in aller Munde. Auf einem Hektar wurden sie schon vorgetrieben und könnten nun ins Körbchen und die Schalen wandern.

Eine langjährige Methode, die aufgrund des spürbaren Klimawandels möglicherweise die längste Zeit angewendet worden ist. „Der Aufwand ist einerseits jedes Mal groß. Besonders wie in diesem Frühling, wo uns die Zelte zweimal unter der großen Last des Schnees und vorher durch den Sturm zusammengebrochen sind“, bekennt Schöne. Andererseits seien die ehemals zugrunde gelegten Temperaturen der einzelnen Jahreszeiten eigentlich hinfällig. Habe man sich mit den angepflanzten Sorten „Claire“ und „Flair“ unter der schützenden Folie einen Vorlauf schaffen wollen, hole das Wachstum unter freiem Himmel angesichts der frühsommerlichen Temperaturen seit Wochen auf. „Die Natur hat sich unglaublich beeilt und uns geradezu mit ihrer aufgeholten Entwicklung vor sich hergetrieben“, sagt Elizabeth Schöne. Aufgrund des ausdauernden Sonnenscheins und der konstanten Wärme gehe man davon aus, dass bald auch die Felder zum Selbstpflücken in Ponickau und Reichenberg bei Moritzburg öffnen können.

Erfreuliche Nachrichten gebe es im Übrigen auch bei den Preisen: Koste das Pfund Erdbeeren so wie im Vorjahr auch 3,50 Euro, zeige sich der Spargel ebenfalls von seiner besten finanziellen Seite. Mit 10,90 Euro für das Kilogramm habe man auch hier nicht an der Spirale nach oben gedreht. Dass sich das edle Gemüse vom sechs Hektar großen Feld in Naundorf bei Lüttichau momentan in allerbester Qualität stechen lässt, hätte die 26-Jährige noch im April nicht zu sagen gewagt.

Immerhin: Erst bei einer Bodentemperatur von zwölf Grad Celsius beginne der Spargel zu wachsen. 15 bis 18 Grad empfinde er dabei geradezu als ideal. Doch von derlei Temperaturen konnten im März und Anfang April eben keine Rede sein. Und da die Ponickauer im Gegensatz zu anderen einheimischen Produzenten das Feld nicht beheizen und auch keinen Tunnel drüber gezogen haben, sei man ausschließlich auf natürlich gegebene Bedingungen angewiesen. Diese wären nun gewissermaßen ideal gewesen und bescherten auch in Böhla bei Ortrand die begehrten Stangen: schlank und schön mit weißen Köpfen. Wer den kulinarischen Klassiker nicht im Ponickauer Hofladen selbst kaufen kann, hat die Möglichkeit, ihn in den Hütten in Radeburg und Moritzburg zu erwerben.