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Mittwoch, 06.12.2017

Er ist dann mal weg

Hubertus Noll hat seine Stelle als Leiter des Nieskyer Bauhofs gegen den Unruhestand getauscht. Und jetzt?

Von Thomas Staudt

Nirgendwo anders: Immer, wenn die Tornados ein Heimspiel bestreiten, steht Hubertus Noll im Stadion an seinem angestammten Platz. Für das Stadion, die Tornados und den ELV hat er nun mehr Zeit. Seit Anfang des Monats ist er im Ruhestand.
Nirgendwo anders: Immer, wenn die Tornados ein Heimspiel bestreiten, steht Hubertus Noll im Stadion an seinem angestammten Platz. Für das Stadion, die Tornados und den ELV hat er nun mehr Zeit. Seit Anfang des Monats ist er im Ruhestand.

© André Schulze

Geht nicht, gibt’s nicht. Hubertus Noll hat den altbekannten Satz nicht erst zu seiner Maxime machen müssen. Er handelte einfach danach. Immer. Und das bedeutet seit nunmehr 63 Jahren. Über 40 davon arbeitete er für die Stadt Niesky, zuletzt als Sachgebietsleiter für den Bauhof. Keine Feier ohne Meier und kein Fest, kein Weihnachtsmarkt, keine Großveranstaltung in Niesky ohne das Organisationstalent von Hubertus Noll. Na ja, zwei Stadtfeste habe er in all den Jahren ausgelassen, sagt er. Nun ist damit Schluss. Bis dato quasi unersetzlich, wechselte er mit Monatsbeginn in den Ruhestand.

Sein Resümee ist genauso ehrlich und direkt wie er selbst. Wer jetzt eine Bombe erwartet, die mit viel Getöse und einem ordentlichen Rums platzt, kennt Hubertus Noll schlecht. „Ich habe viel erlebt. Das Positive überwiegt“, sagt Noll schlicht und mit dem ihm eigentümlichen, sympathischen Lachen, das viel überspielen mag, immer alles, aber nie zu viel sagt.

Angefangen hat der so gut wie nie schlecht gelaunte Berufsoptimist 1977 als stellvertretender Objektleiter und Schwimmmeister im Waldbad/Eisstadion. Eigentlich gelernter Kfz-Schlosser war er seit 1979 fürs Eismachen im Stadion mitverantwortlich. Oft mussten er und die Kollegen über Nacht ran. In der mit Abstand härtesten zeigte das Barometer minus 24 Grad Celsius. „Könnte sein, dass das im Winter 1986/87 war, als es in Boxberg die große Havarie gab. Ich weiß nur noch, dass an dem Tag abends im Stadion in Niesky gespielt wurde.“ Ganz genau erinnert sich Hubertus Noll nicht mehr.

Auch privat ändert sich im Laufe so vieler Jahre einiges. Er baut ein Haus, kümmert sich in der Freizeit um den Garten oder schwingt sich aufs Rad. Die Ostsee gehört zu den Lieblingsreisezielen der Familie. Oder man fährt nach Unterfranken. Im Winter sind es heute die Alpen.

Seine Beziehung zum Eishockey ist eine fürs Leben. Als das Stadion gebaut wird, ist er vielleicht elf oder zwölf, nicht mehr so richtig Kind, und noch kein richtiger Jugendlicher. Trotzdem ist für ihn nichts selbstverständlicher als mitzuhelfen, die Ärmel hochzukrempeln, zur Schaufel zu greifen. Hubertus Noll verpasst seitdem kaum ein Heimspiel. Obwohl die Faszination für Eishockey bleibt, zieht es ihn immer nur zum Spaß aufs Eis. Richtig gespielt hat er nie. „Ich kann auf Kufen stehen. Das reicht!“

Waldbad und Stadion gehören in Niesky traditionell zusammen. Das ist auch der Grund, warum er schätzungsweise 600 Jungen und Mädchen das Schwimmen beibringen durfte. Manche sprechen ihn heute noch gern darauf an. „Wissen Sie noch…?“

Sein Aufgabenbereich innerhalb der Verwaltung ist über die Jahre weitgehend gleich geblieben, Zuständigkeiten und Zuordnungen haben gewechselt. Gehört das Waldbad in den 70ern noch zum Sportstättenbetrieb, geht die Verantwortung später auf die Stadtwerke über. Ab 1993 baut Hubertus Noll den Baubetriebshof mit auf. Noll ist es auch, der in der Folgezeit die Priorität der Arbeiten festlegt. Das ändert sich ab 2011 nach und nach. Nach einer Umstrukturierung erhält er die Aufträge für den Bauhof aus den Sachbereichen. Eine echte Umstellung.

All das ist seit dem 30. November Geschichte. Seitdem ist Hubertus Noll offiziell im Ruhestand. Wie verbringt einer seinen ersten Tag ohne Arbeit, nachdem er über 40 Jahre im Berufsleben seinen Mann gestanden hat? „Ich bin nicht wie sonst um drei viertel fünf aufgestanden“, grinst Noll. Was wird er künftig am meisten vermissen? „Ich war fast mein ganzes Leben unter Leuten, mit all den Problemen und Glücksmomenten. Aber ich war immer in einem starken Team. Das und das Gefühl, gebraucht zu werden, das wird mir fehlen.“

Gebraucht wird Hubertus Noll auch nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn. Der Eislaufverein Niesky (ELV) wählte ihn nach Jahren der Abstinenz in seiner letzten Sitzung im Oktober erneut in den Vorstand. Worum er sich künftig kümmert, ist noch offen. Und dann ist da ja noch seine Frau. „Ich hoffe, dass sie sich freut, wenn ich jetzt öfter zu Hause bin als früher.“