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Donnerstag, 29.06.2017

Endspurt in der Zittauer Franziskanerklosterkirche

Genau in einem Monat soll die Epitaphien-Ausstellung eröffnet werden. Die Zeit wird knapp, es ist noch viel zu tun.

Von Mario Heinke

Sven Taubert und Roland Flachmann haben die Epitaphien restauriert und hängen sie in diesen Tagen auf.
Sven Taubert und Roland Flachmann haben die Epitaphien restauriert und hängen sie in diesen Tagen auf.

© Mario Heinke

Zittau. Sven Taubert und Roland Flachmann tragen ein Epitaph in das Kirchenschiff der Franziskanerklosterkirche St. Peter und Paul. Die mit einer Holzkonstruktion gesicherte Holztafel wiegt rund 80 Kilogramm. Die Aufgabe der freiberuflichen Restauratoren aus Dresden besteht darin, das Epitaph mit seinen ausladenden Verzierungen an der Wand aufzuhängen. Die Metallkette an der Rückseite hält das Gewicht des Epitaph und wird an einem Haken aufgehängt. Die Männer haben keine Informationen über die Struktur des historischen Mauerwerks. Vor dem Setzen der Dübel werden deshalb Probebohrungen durchgeführt. Ist das Mauerwerk porös oder gibt es Hohlräume, setzen die Restauratoren einen Anker oder arbeiten mit Injektionsmörtel. In dem rund 13 Meter hohen Kirchenschiff arbeiten Elektriker, Maler und Restauratoren am Mittwoch konzentriert nebeneinander.

Auf den Tag genau in einem Monat wird die Ausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ eröffnet. Die ersten Epitaphien hängen an Säulen und Wänden des Kirchenschiffs. Vor der Sanierung ein finsterer Raum, erstrahlt das tageslichtdurchflutete Gewölbe jetzt in frischer Farbe und neuem Glanz. Stuckelemente und Wandverzierungen, die vorher nicht mehr erkennbar waren, erfreuen das Auge und zeugen von der Kunstfertigkeit der Vorfahren. Die Spitze des Torbogens des verglasten Durchgangs zum Chor trägt frisch vergoldete Verzierungen.

Bei aller Pracht ist Museumsdirektor Peter Knüvener nicht ohne Sorge, denn die Zeit bis zur Eröffnung ist äußerst knapp. „Die Epitaphien wollten wir schon seit Anfang Juni hängen“, sagt er. Erst in dieser Woche wurde damit begonnen. Die restaurierten Epitaphien konnten erst gehangen werden, nachdem alle Arbeiten erledigt waren, bei denen Staub aufgewirbelt wird. Die langanhaltende Kälte bis in den April behinderte die Bauarbeiten massiv, auch im Innern. Mindestens ein Monat Verzug ist dadurch entstanden, schätzt Knüvener. Die Brandmeldeanlage ist noch nicht fertig, daran sei schon der Berliner Flughafen gescheitert, scherzt der Museumsdirektor. Erst drei Wochen vor Ausstellungseröffnung werden die speziell angefertigten Beleuchtungskörper geliefert. Für Montage und Ausrichtung der Strahler bleibt nicht viel Zeit. „Jetzt darf nichts mehr schiefgehen“, sagt Knüvener und erhält den nächsten Anruf.

Die größeren Epitaphien werden an den Pfeilern angebracht, die kleineren in Gruppen in Form einer Petersburger Hängung angeordnet. Das größte Stück ist immerhin vier Meter hoch und 3,80 Meter breit. Einzelne Epitaphien werden auf die Empore gehängt. In Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Dresden sind sogenannte Themen-Inseln erarbeitet worden, die der Schau eine Struktur verleihen und bestimmte Themen aufbereiten.

Sven Taubert und Roland Flachmann überprüfen die Aufhängung des Epitaph, bevor sie es hängen. Es wurde von Fleischer Hans Lontzer 1627, noch zu Lebzeiten, gestiftet. Möglicherweise zum Jahresgedächtnis seines im Oktober 1626 verstorbenen Sohnes Martin. Die Memorial-Inschrift nennt weitere drei jung verstorbene Kinder. Spätere Nachträge erwähnen die Söhne Andreas und Johann, letzterer starb in Hamburg. In alten Dokumenten wird der Fleischer als Mitglied des städtischen Rats erwähnt.

So erzählt jede Tafel seine eigene Geschichte. Alle 80 Epitaphien zeichnen in ihrer Gesamtheit ein ziemlich genaues Bild der Zittauer Bürgerschaft. Von den Bürgern aus allen Schichten in Auftrag gegeben, sollte das Andenken für die Nachwelt bewahrt werden. Das ist offensichtlich gelungen. Epitaphe bestehen aus Inschrift und Bild, welche in der Regel eine biblische Szene zeigen. Darunter sind die Porträts der Familienmitglieder zu sehen. Weshalb Fleischer Lontzer ausgerechnet die Beschneidung Jesu darstellen ließ, wird wohl nicht mehr zu klären sein.

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