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Donnerstag, 16.11.2017

Eislöwen-Legende arbeitet nun an unsichtbaren Details

Eine neue Berufung führt Ex-Profi Sami Kaartinen in seine zweite Heimat Dresden zurück.

Von Alexander Hiller

Mit dieser Bande steht Sami Kaartinen auf Du und Du. Sechs Jahre spielte der Finne für die Eislöwen.
Mit dieser Bande steht Sami Kaartinen auf Du und Du. Sechs Jahre spielte der Finne für die Eislöwen.

© Jürgen Lösel

Da sehen selbst gestandene Profis ein bisschen ulkig aus. Die Beine abwechselnd in einer Art Ausfallschritt nach vorn und hinten schieben. Und zwar in Schlittschuhen auf dem Eis. Zu sehen ist das auf dem Facebook-Profil der Dresdner Eislöwen. Es ist eine Szene von einer nicht alltäglichen Einheit, für die der DEL-2-Klub eine seiner Legenden eingeladen hat. Sami Kaartinen absolvierte 302 Spiele von 2009 bis 2015 für die Eislöwen. Das Trikot mit seiner Nummer zehn wird nicht mehr vergeben. Nun ist der Finne für vier Tage zurück in Dresden – in neuer Funktion.

Der 38-Jährige hat vor zwei Jahren mit fünf Mitstreitern die Firma Pro Prospect ltd. im finnischen Kuopio gegründet. Das kleine Unternehmen hat sich der individuellen Fortbildung von Eishockeyspielern verschrieben. Das ist nicht neu, aber Kaartinen glaubt dennoch, dass er und seine Mitstreiter ihren Platz auf dem wachsenden Markt finden. „Jeder von uns hat sein Spezialgebiet, wir bieten den kompletten Rundumservice, den ein Spieler braucht“, erklärt Kaartinen. „Das reicht von der mentalen Arbeit über die richtige Ernährung bis hin zur Physis und selbst der Reha.“

Der frühere Stürmer, der für die Eislöwen bis jetzt unerreichte 155 Pflichtspieltore erzielte, ist für die technische Aus- oder vielmehr Weiterbildung zuständig. Natürlich nicht für das Grundlagen-Abc, sondern die Feinheiten, Kleinigkeiten, die die entscheidenden Tausendstel-Sekunden ausmachen. „Ein Beispiel“, beginnt Kaartinen seine Erklärung, „wenn ich einen schnellen Richtungswechsel machen will: Was sind die Schlüsselpunkte? Wo muss ich meine Balance haben, wann den Oberkörper drehen? Soll ich meinen Schläger dabei in einer oder zwei Händen halten? Diese Kleinigkeiten machen etwas aus.“

Bei diesen speziellen Details hat jeder Spieler andere Vor- und Nachteile. „Wir analysieren durch Videoaufzeichnungen den Bewegungsablauf und greifen die Ergebnisse dann entsprechend auf“, sagt Kaartinen. Das sind Feinarbeiten, die ein Eishockeyverein mit seinem Betreuerstab gar nicht leisten kann. „Wir wollen ja nichts anbieten, was die Klubs bereits im Trainingsalltag üben. Die Trainer haben viel zu tun mit dem System, mit dem Mannschaftsgefüge. Ich denke, dass es gut ist, wenn jemand von außen etwas speziell für die individuelle Weiterentwicklung von Spielern anbietet“, sagt Kaartinen.

In dieser Saison gab er schon beim Erstligisten Bremerhaven sowie beim Schweizer Erstligisten Biel Nachhilfe. Und nun auch in Sachsen, wo er tiefe Spuren hinterlassen hat. Stammverein und Profiabteilung teilen sich in die Kosten für die finnischen Gäste. Auch die Dresdner Talente von der U 10 bis zur U 16 profitieren in den vier Tagen davon – und deren Nachwuchstrainer. „Deren Fortbildung ist fast noch wichtiger, die arbeiten ja täglich mit ihren Schützlingen“, sagt Kaartinen.

„Gerade für jüngere Spieler ist das sehr wichtig, denn im täglichen Mannschaftstraining fehlt einfach die Zeit für die individuelle Arbeit“, sagt Eislöwen-Profi Dominik Grafenthin. Der 22-Jährige hat deshalb schon zwei Sommercamps in Kuopio bei Kaartinen bestritten. Im nächsten Jahr wollen Kaartinen und seine Kollegen ein zehnwöchiges Trainingslager in Deutschland anbieten. Der Ort ist noch offen. Kaartinen schwebt Berlin oder Köln vor – „vielleicht ist es auch in Dresden möglich“, sagt der Familienvater, der sich mit Frau Siru und den beiden Kindern Kiira (7) und Oliver (4) nun das Leben nach der eigenen Profikarriere in Kuopio aufbaut und im August 2018 sein Sportstudium abschließen..

Dresden spielt dabei jedoch immer noch eine Rolle. „Die Kinder wollen fast jede Woche wissen, wann wir endlich wieder auf den schönen Spielplatz an der Energieverbund-Arena gehen oder in welchem Kindergarten sie damals waren. Das ist echt schön, dass sie diese Zeit nicht vergessen haben“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Das dürfte einigen Profis vergangen sein, wenn diese ulkigen Ausfallschritte Muskelkater verursachen.

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