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Mittwoch, 19.07.2017

Einmal August der Starke sein

In der Dauerausstellung der Festung Königstein können Kinder die Geschichte der Feste spielerisch erkunden. Eine Dresdner Familie hat das getestet.

Von Katharina Klemm

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Die Festung Königstein wurde über die Jahrhunderte oft aus- und umgebaut. Wer einmal selbst Baumeister sein will, kann sich in diesem Strategiespiel darin ausprobieren. Familien mit kleinen Kindern können den Spieltisch auch nutzen, um zu zeigen, wie die Festung heute aussieht – so wie Familie Kmoch bei ihrem Besuch. Foto: Andreas Weihs
Die Festung Königstein wurde über die Jahrhunderte oft aus- und umgebaut. Wer einmal selbst Baumeister sein will, kann sich in diesem Strategiespiel darin ausprobieren. Familien mit kleinen Kindern können den Spieltisch auch nutzen, um zu zeigen, wie die Festung heute aussieht – so wie Familie Kmoch bei ihrem Besuch. Foto: Andreas Weihs

© andreas weihs

  • Die Festung Königstein wurde über die Jahrhunderte oft aus- und umgebaut. Wer einmal selbst Baumeister sein will, kann sich in diesem Strategiespiel darin ausprobieren. Familien mit kleinen Kindern können den Spieltisch auch nutzen, um zu zeigen, wie die Festung heute aussieht – so wie Familie Kmoch bei ihrem Besuch. Foto: Andreas Weihs
    Die Festung Königstein wurde über die Jahrhunderte oft aus- und umgebaut. Wer einmal selbst Baumeister sein will, kann sich in diesem Strategiespiel darin ausprobieren. Familien mit kleinen Kindern können den Spieltisch auch nutzen, um zu zeigen, wie die Festung heute aussieht – so wie Familie Kmoch bei ihrem Besuch. Foto: Andreas Weihs
  • Elbe-Freizeitland KönigsteinDer Freizeitpark in Königstein ist kein gewöhnlicher. Denn bei vielen Attraktionen müssen die Besucher ihre Muskelkraft einsetzen. Groß und Klein finden hier Spaß und Unterhaltung, Nervenkitzel und Entspannung. Foto: Andreas Weihs

    Elbe-Freizeitland Königstein

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  • Waldbad CunnersdorfDas Freibad liegt direkt am Wald, mitten im Grünen. Beliebt bei Kindern ist die Breitrutsche. Kleinkinder können sich im großzügigen Planschbecken tummeln. Für Abwechslung sorgen der Ballspielplatz und die Mini-Kegelbahn. Foto: Marko Förster

    Waldbad Cunnersdorf

    Das Freibad liegt direkt am Wald, mitten im Grünen. Beliebt bei Kindern ist die Breitrutsche. Kleinkinder können sich im großzügigen Planschbecken tummeln. Für Abwechslung sorgen der Ballspielplatz und die Mini-Kegelbahn. Foto: Marko Förster
  • Felsenbühne RathenMit rund 2000 Plätzen zählt die Felsenbühne zu den größten Freilichttheatern Sachsens. Seit über 70 Jahren werden jeden Sommer auf der Naturbühne nahe der Bastei Indianer, Räuber, Märchen- und Opernfiguren lebendig. Foto: Kristin Richter

    Felsenbühne Rathen

    Mit rund 2 000 Plätzen zählt die Felsenbühne zu den größten Freilichttheatern Sachsens. Seit über 70 Jahren werden jeden Sommer auf der Naturbühne nahe der Bastei Indianer, Räuber, Märchen- und Opernfiguren lebendig. Foto: Kristin Richter

Nicht zum ersten Mal ist Familie Kmoch auf der Festung Königstein. Die Dresdner erkunden gern ihre Umgebung. Doch der letzte Besuch hier ist schon ein paar Jahre her. Neu ist für sie daher die im Frühjahr 2015 eröffnete Dauerausstellung „In lapide regis – auf dem Stein des Königs“. Dort wird die Geschichte der Festung von der Ersterwähnung bis zur Eröffnung des Museums 1955 anschaulich in mehr als 30 Räumen erzählt.

Um auch für Kinder den Besuch im Museum interessant zu gestalten, hat man sich einiges einfallen lassen. Das will Katja Kmoch heute für die SZ mit ihren beiden Söhnen Erik und Felix testen. Mit dabei sind die Großeltern Rita und Jürgen Kmoch. Noch vor der eigentlichen Ausstellung erwartet Kinder das erste Highlight. Wer möchte, kann mit einer barocken Uniform oder einem schönen Kleid durch die Räume wandeln. Der achtjährige Erik schlüpft in die Rolle Augusts des Starken und gefällt sich in seinem Kostüm richtig gut. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Felix bleibt lieber er selbst.

Dann geht es los und die Familie steht beeindruckt vor dem Festungsmodell, das den ersten Raum fast komplett ausfüllt. So groß wie 13 Fußballfelder ist das Felsplateau, auf dem die Festung steht. So groß, dass die beiden Brüder sich das schwer vorstellen können. Das Modell hilft ihnen da ein bisschen. Vorbei geht es an einem Faksimile der Grenzurkunde von 1241, auf der erstmals die vollständige Bezeichnung Königstein vorkommt.

Da entdeckt Erik schon die erste Station für Kinder. Die Stationen sind über alle Räume verteilt. Tafeln daneben erklären, was an der jeweiligen Station gemacht werden kann. Bei diesem Spiel soll mit einer virtuellen Steinschleuder eine Burg erobert werden. Dazu muss Erik zuerst auswählen, wie viele Steine er abfeuern will. Er entscheidet sich für drei. Dann dreht er so lange an einem Rad, bis der Wurfarm ganz abgesenkt ist. Mit einer Berührung auf dem Touchscreen werden die Steine in die Seilschlinge geladen. Dann ein kräftiger Zug am Seil – Schuss! „Ich hab den Turm getroffen“, ruft Erik begeistert. Und ist kaum vom Spiel zu lösen. Bei weiteren Versuchen stellt er fest: Nimmt er weniger Steine, schlagen sie vor der Burg ein. Nimmt er mehr, fliegen sie drüber weg. Das richtige Gewicht des Geschosses entscheidet.

Zu einer Festung gehören natürlich auch Ritter. Zwar hat Erik für das historische Kettenhemd, das sein Opa in der Vitrine bewundert, nur einen kurzen Blick übrig. Als er jedoch einen Ritterhelm sieht, den er selber aufprobieren kann, ist er sofort Feuer und Flamme. „Ganz schön schwer“, sagt er. Und auch sehen kann er schlecht durch den schmalen Sehschlitz im Visier. Weiter geht es in der Geschichte und somit auch in der Ausstellung mit dem Ausbau der Burg zur Festungsanlage. Den befahl Kurfürst Christian I. im Jahr 1589. Die damalige Großbaustelle wird in einem Diorama fast lebendig. Deutlich wird sofort, was das wohl für eine elende Plackerei gewesen sein muss. Das stellt auch Erik fest. „Mit modernen Kränen und Kippern geht das heute viel schneller“, sagte er. Als er sich etwas Zeit nimmt und genau hinschaut, entdeckt er viele interessante und auch lustige Details. Zwei Männer tragen einen dritten weg, der sich beim Arbeiten verletzt hat. Ein anderer zieht vergeblich am Zaumzeug eines störrischen Packesels. Ein Element gehört jedoch nicht in dieses Bild. Doch welches? Ein Blick, und Erik hat es sofort gefunden. Verraten wird es an dieser Stelle jedoch nicht.

Um zu erfahren, wie die Festung zu ihrem heutigen Aussehen gekommen ist, gibt es im weiteren Verlauf der Ausstellung einen Spieltisch in einer ruhigen Ecke. Baumeister können sich dort im Festungsbau erproben. Sind die Kinder noch zu klein dafür, kann man ihnen an diesem Modell zeigen, wie die Festung heute aussieht, wo man gerade ist oder wie man hochgelaufen ist – quasi Geschichte zum Anfassen. Hörstationen ergänzen die Ausstellung, oft kombiniert mit weiteren interaktiven Angeboten. So entdeckt Erik ein Fernrohr. Sieht er hindurch, zeigt es Bilder von Tieren, die im kurfürstlichen Wald gejagt wurden. Haben die damals wirklich Eichhörnchen gegessen, fragt er laut. Über Kopfhörer erfährt er dann, dass die Felle der Tiere damals für die Kleidung der Edelleute verwendet wurden. „Aber die haben die auch gegessen“, verkündet er. Und kulinarisch geht es auch weiter. Schließlich war der Adel bekannt für seine Gelage. Ein Touch-
screen hält das nächste Spiel bereit. Erik muss entscheiden, was August der Starke am liebsten gegessen hat. Wildschweinbraten und Austern sagen ihm zu. Pizza und Pommes will der virtuelle August allerdings nicht. Das wischt er mit einem angeekelten Gesichtsausdruck weg. Noch viele weitere Spiele und Hörstationen entdecken Erik und seine Familie. An jeder können die Kinder auch etwas lernen. Der kleine Felix jedoch hält es noch nicht so lange im Museum aus, daher muss die Familie am Ende etwas drängeln. Erik wäre durchaus noch etwas länger geblieben. „Mir hat es sehr gut gefallen“, sagt er. Am besten seien das Kostüm und das Spiel mit der Steinschleuder gewesen.

Er würde gern noch einmal mit seinem Papa herkommen. Der interessiere sich nämlich auch für so etwas, sagt er. Und sei als Erwachsener noch gar nicht auf der Festung gewesen. Auch Eriks Mutter ist begeistert. „Es ist wichtig, dass Geschichte auch kindgerecht vermittelt wird“, sagt Katja Kmoch. „Und das wird hier tatsächlich geschafft.“ Mit ihrem jüngsten Sohn Felix könne man in zwei oder drei Jahren noch einmal herkommen, dann sei das eher etwas für ihn. Und auch Oma Rita Kmoch ist sich sicher: „Es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir hier waren.“