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Loschwitz Donnerstag, 14.02.2013

Eingemauert am Elbhang

Anwohner der Schevenstraße errichten hohe Steinmauern um ihre Grundstücke. Anderen verbaut das den Elbblick.

Von Kay Haufe

Der Bereich der Schevenstraße in Höhe der Hausnummer 3 ist von massiven Sandsteinmauern begrenzt. Foto: Katja Frohberg
Der Bereich der Schevenstraße in Höhe der Hausnummer 3 ist von massiven Sandsteinmauern begrenzt. Foto: Katja Frohberg

Dieter Schoch ist fast jeden Tag draußen. Er macht sich auf den Weg durch sein Viertel zwischen Schiller- und Wunderlichstraße. Dabei genießt der 72-Jährige vor allem den Blick, der sich von der Schevenstraße auf die Elbe und Blasewitz bietet. Doch inzwischen gibt es nur noch wenige Stellen, an denen er überhaupt einen Blick erhascht. Hohe Sandsteinmauern mit massiven Toren, die keinen einzigen Durchblick bieten, sind vor allem im vorderen Bereich der Schevenstraße neu entstanden. „Ich komme mir vor wie eingemauert. Ein bisschen wie im Gefängnis“, sagt der Loschwitzer. Ihm ist klar, dass die Bewohner ihre Privatsphäre schützen möchten. „Doch dieses erbarmungslose Abschotten schadet dem Viertel“, sagt er. Schoch verweist auf Neubauten und Sanierungen, bei denen sehr behutsam auch mit der Einfriedung auf den Charakter der Loschwitzer Bebauung eingegangen wurde.

Als Beispiel nennt er die sogenannte Biedenkopf-Villa, die von einem schmiedeeisernen Zaun begrenzt wird, der Durchblicke auf die schönen Gebäude und zur Elbe ermöglicht. „Warum schreibt die Stadt nicht vor, dass es Umfriedungen dieser Art sein müssen und Mauern unerwünscht sind“, fragt sich Schoch. Doch so wie es aussieht, fördert die Stadt blickdichte Mauern geradezu. „Für die angesprochenen Grundstücke gelten Bebauungspläne. Diese regeln, dass Einfriedungen zum öffentlichen Straßenraum, die Stellplatzanlagen umfassen, blickundurchlässig zu gestalten sind“, schreibt Sigrun Harder vom Presseamt der Stadt. Sie verweist darauf, dass in Hangbereichen explizit Natursteinmauern zu verwenden sind. Diese dürfen aber nicht höher als zwei Meter sein. Ausgenommen seien Kulturdenkmale, bei denen der originale Bestand zu erhalten oder zu erneuern ist, sagt Harder.

Dieter Schoch kann sich über diese Vorgaben nur wundern. „Unsere Vorfahren haben die Sichtachsen aus gutem Grund nicht zugemauert. Es gab einen Gemeinsinn, das Villenviertel für alle erlebbar zu gestalten. Heute befürwortet man seelenlose Mauern, damit kein Spaziergänger mehr die Chance hat, die schöne Gegend zu erleben. Schade“, sagt der Loschwitzer.