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Montag, 22.02.2016

Eine Weltreise im Paket

Studenten der TU Dresden verschicken ein Stück Ferne per Post. Sehr schnell haben sie Kunden überzeugt und dabei selbst am meisten gelernt.

Von Annechristin Bonß

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Bettina Kieselbach und Sebastian Schulz wollen mit der Weltreise im kleinen Paket Geld verdienen. Gegen zu viel Fernweh nach Brasilien verschicken sie unter anderem Guarana-Drink und Mate-Tee.
Bettina Kieselbach und Sebastian Schulz wollen mit der Weltreise im kleinen Paket Geld verdienen. Gegen zu viel Fernweh nach Brasilien verschicken sie unter anderem Guarana-Drink und Mate-Tee.

© Anja Schneider

Zuckerhut, Copacabana und Jesus-Statue passen wohl nicht in eine kleine Kiste aus Rio de Janeiro. Studenten der TU Dresden haben jetzt einen anderen Weg gefunden, um die Ferne ganz nah in die heimische Wohnung zu bringen. „Weltprobierer“ haben sie ihre kleine Firma genannt, mit der sie seit einigen Monaten Geld verdienen.

In einem Paket, so groß wie ein Schuhkarton, versenden sie landestypische Produkte aus fernen Ländern. In dem aus Brasilien stecken Mate-Tee, eine Dose Guarana-Drink, süße Milchcreme, eine Backmischung für Käsebällchen und ein Basilikum-Samen-Drink. „Alle Produkte kommen von lokalen Partnern aus Südamerika“, sagt Bettina Kieselbach. Die 22-jährige Studentin der Volkswirtschaftslehre hat „Weltprobierer“ mit zwei Kommilitonen gegründet. Die drei leben im gleichen Wohnheim. Nun sind sie Geschäftspartner.

Die Idee für die eigene Firma verdankt Bettina Kieselbach auch ihren Kindheitserinnerungen. Der Vater war oft auf Firmenreisen, brachte immer eine Kleinigkeit mit, meist Süßigkeiten. So bekam seine Tochter einen Geschmack von der weiten Welt. „Unsere Pakete funktionieren nach dem gleichen Prinzip“, sagt sie.

Musiktipps aus der Ferne

Nur beim ersten Weltprobierer-Päckchen aus Brasilien wissen die Kunden, was drin steckt. Das soll Vertrauen schaffen. Wer einmalig eins der Pakete kauft, zahlt knapp 35 Euro. Die Waren haben einen Wert von über 40 Euro. Im Abo kostet das Paket weniger, nämlich knapp 29 Euro. Dazu gibt es eine Playlist mit landestypischer Musik und passende Filmtipps. Alle zwei Monate suchen die Firmengründer nach bekannten Produkten aus einem neuen Land und Partnern, die diese liefern. Im Februar kommt die „Weltprobierer“-Post aus China, passend zum dortigen Neujahrsfest. Was genau, wird nicht verraten. Die Kunden sollen sich überraschen lassen. Das Konzept funktioniert. In der Testphase haben die Studenten von den 100 Brasilien-Paketen in wenigen Wochen über 60 verkauft. Dauerhaft brauchen sie 50 Abonnenten, damit die Kosten gedeckt sind.

Unterstützung bekommen die Firmengründer von der Initiative Innospire. Studenten, die eine eigene Firma gründen wollen, bekommen hier Hilfe, beim Marketing, bei Behördengängen und mit Büroraum. Bettina Kieselbach und ihre Mitstreiter mussten sich zum Beispiel auch beim Lebensmittelamt vorstellen. Für die Unterstützung verdienen die Macher von Innospire an der Idee der Firmengründer mit. „Viele Studenten wollen sich mit der eigenen Firma verwirklichen“, sagt Sebastian Schulz. Die Hemmschwelle sei hoch. Bei Innospire macht er Mut, es zu probieren.

Denn der Einsatz lohnt sich. „Ich habe gelernt, mich selbst zu strukturieren“, sagt Bettina Kieselbach. Neben dem Studium sitzt sie nun im Büro, auch in der Nacht und an den Wochenenden. Der Erfolg der Firma ist der Anreiz. „Die Weltprobierer sind ein super Beispiel, dass es klappen kann“, sagt Sebastian Schulz. So passt auch ein Stück von Zuckerhut und Copacabana in ein kleines Paket.

www.weltprobierer.de

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Handelsconsult

    Zunächst ist es ein Spass der sicher auch einige Zeit funktionieren kann - aber wie schon geschrieben braucht es 50 Abonennten - damit die Kosten gedeckt sind dh man verdient nichts daran. Nun steht im Artikel das man sich beim Lebensmittelamt vorstellt wie -reicht es aus sich da einfach vorzustellen. Jede Firma die Lebensmittel importiert benötigt pro Produkt eine Genehmigung .Nun könnte man sagen es werden ja blos Pakete versendet was ja so jeder von Land zu Land Freund zu Freund oder Familie darf ok. Wer dann etwas schickte was Probleme hervorruft so ist es ein privates Risiko. Als Firma aber haftet man für jedes Produkt da sieht es schon anders aus.Um Postgebühren zu sparen könnten sie aber die Produkte auch in den EINE WELT Läden in Deutschland kaufen u.versenden. Guarana u. Mate gibt es da auch brasilianische Weine - Nun trotzdem viel Spass mehr ist es wohl nicht

  2. Leser

    #1 Handelsconsult Auch Facebook, WhatsApp, ... starteten als (Studenten)Spaß und sind heute milliardenschwere Unternehmen ?? Erst einmal zu starten ohne gleich davon leben zu müssen macht Sinn.

  3. Handelsconsult

    Lieber Leser - Facebook,WhatsApp mit Weltreise im Paket zu vergleichen ist wie der Vergleich mit Äpfel u. Birnen. Zudem haben Sie eben meine Zuschrift nicht richtig gelesen ,es geht auch um rechtliche Fragen im Handel/Lebensmittelhandel ect. Selbst sogenannte DRITTE WELT Läden müssen für jedes Produkt eine Genehmigung haben. Und Facebook war auch kein Studentenspass dahinter steckte eine ganz zielgerichtete Vision. Letztendlich so als würden Sie eine ganz neue spezifische App oder eine revolutionäre Software von Ihrem Wohnzimmer aus entwickeln -

  4. Michael Gerlach

    Weltoffen Produkte handeln, gute Sache. Aber dann als Bezahloption (fast) nur die Möglichkeit über eine PayPal-Tochter? Da empfehle ich, mal nach, im freundlichen Netz nach "PayPal Kuba Zigarren" zu suchen, da finden sich interessante Artikel...

  5. Leser

    #3: FACEBOOK ist der Nachfolger der Website facemash.com, die Zuckerberg während seines Studiums der Psychologie und Informatik an der Harvard University entwickelt hatte. Es handelte sich damals um ein auf Grund von Protesten nur wenige Tage öffentliches Bewertungssystem für das Aussehen von Frauen. Und das Thema der deutschen Regulierungsbürokratie in Zeiten des weltweiten Internets hatten Sie ja schon perfekt beschrieben: ich kann auf mein Risiko überall was bestellen und mir per Post schicken lassen: den Zoll interessiert dann typischerweise nur die Wertangabe / der Preis.

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